Dietikon
Ettikettenschwindel: «Ich erschrak, als ich es herausfand»

Matthias Bräm posierte für den Bauernkalender. Dass darin auch Männer vorkommen, die gar keine Bauern sind, nervt ihn. Und so bleibt er lieber Landwirt, als eine Modelkarriere anzustreben

Alex Rudolf
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Kein griechisches Model: Der Dietiker Landwirt Matthias Bräm. zvg

Kein griechisches Model: Der Dietiker Landwirt Matthias Bräm. zvg

Idyllisch ist es auf dem Hof der Familie Lienhard oberhalb Embrach. Eine Nachbarin bringt gerade einen Holzstorch, auf dem «Renzo» steht. «Mein Chef wurde soeben Vater», sagt der vermutlich schönste Limmattaler Bauer, Matthias Bräm.

Der bald 20-Jährige hat hier die zwei letzten Jahre seiner Lehre verbracht, viel gelernt, viel gearbeitet. An jedem zweiten Wochenende darf er nach Hause zu seinen Eltern nach Dietikon.

Berühmtheit erlangte Bräm durch den aktuellen Bauernkalender, wo er erstmals als Model vor der Kamera stand. Eine Freundin brachte ihn auf die Idee, dort mitzumachen. «Die Arbeit hat Spass gemacht, aber eine Karriere à la Renzo Blumenthal strebe ich nicht an», sagt er entschieden.

Das Shooting habe ihn schon einiges an Überwindung gekostet, gesteht Bräm. Die Reaktionen fielen positiv aus. Er habe noch kein negatives Feedback erhalten, aber auch wenn es einmal eines geben sollte: «Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung», sagt der Jungbauer mit bestimmtem Ton.

«Ich schäme mich nicht»

Vor einer Woche geriet der Bauernkalender in die Kritik. Dass einige der abgelichteten Männer professionelle Models und keine Bauern sind, sorgte für Kopfschütteln bei den Fans des Kalenders. Dass die Herausgeber teilweise sogar auf griechische Models zurückgegriffen haben, ist auch für Matthias Bräm unverständlich.

«Ich erschrak, als ich herausfand, dass dies nicht alles Schweizer Bauern sind», gesteht er. Die Fans des Kalenders würden diesen kaufen, weil sie natürliche Männer und Frauen sehen wollen. «Wer richtige Models sehen will, der kauft sich einen anderen Kalender», sagt er schmunzelnd.

Eines steht aber fest: Er steht hinter seinen eigenen Fotos: Ich schäme mich nicht dafür.

Mehr Wertschätzung für Bauern

Man glaubt ihm, wenn er sagt, dass er seinen Alltag bei Familie Lienhard mag. Obwohl man nicht von einem Alltag sprechen kann, denn «als Bauer ist jeder Tag anders.Genau das ist es, was mir so daran gefällt», schwärmt er.

So kann er sich auch keinen anderen Beruf vorstellen. Er möchte den väterlichen Betrieb in Dietikon übernehmen, noch bevor er 30 ist. Dort wird er Obst, Fleisch und Getreide anbieten, keine Milch und kein Gemüse.

Auch wenn er ein Vollblut-Bauer ist, macht er sich manchmal Sorgen um seinen Berufsstand. «Ich hoffe, dass die Bauern und die Produkte, die sie zu bieten haben, von der Gesellschaft künftig wieder mehr Wertschätzung erfahren.»

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