Birmensdorf

Gülle-Bauer noch nicht verurteilt: Reppisch und Steigbächli müssen sich noch erholen

Einige Monate nach dem Güllenunglück ist der verantwortliche Landwirt noch nicht verurteilt. 80'000 Liter Gülle flossen dabei ins Hintere Steigbächli.

80 000 Liter Gülle: So viel hatte ein Landwirt Mitte März aus Versehen in das Hintere Steigbächli in Birmensdorf geleitet. Die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis hat ein Verfahren gegen den verantwortlichen Landwirt eröffnet. Dieses ist noch nicht abgeschlossen. Die Kantonspolizei Zürich hatte Mitte Mai ihre Ermittlungen an die Staatsanwaltschaft übergeben.

Von einem «Totalausfall» im Steigbächli spricht Lukas Bammatter, Fischereiadjunkt der kantonalen Fischerei- und Jagdverwaltung. Beim Unglück in der Nacht auf den 14. März wurde alles Leben im Bach ausgelöscht. Ein Landwirt pumpte 500 000 Liter Gülle von einer Grube in die andere und ging währenddessen zu Bett. Das Problem war, dass in der zweiten Grube lediglich Platz für 420 000 Liter war. 80 000 Liter Gülle flossen in das Hintere Steigbächli und weiter in die Reppisch. Zum Vergleich: Mit dieser Menge Gülle könnte man etwa 533 Badewannen füllen.

«Die Gewässer erholen sich erst in zwei bis drei Jahren»

Im Steigbächli sind viele Kleinlebewesen wie zum Beispiel Wasserinsekten zu Hause. «Mittlerweile lässt sich eine Wiederbesiedlung feststellen. Bis sich der Bach erholt hat, wird es aber sicher noch zwei bis drei Jahre dauern», sagt Bammatter. Auch der Zustand der Reppisch hat sich noch nicht normalisiert: An der Stelle, wo die Gülle vom Steigbächli in die Reppisch floss, lassen sich weniger grosse Forellen finden als weiter oben in der Reppisch. Diese waren vom Güllenunglück am stärksten betroffen. Normalerweise herrscht in der Reppisch eine sogenannte Alterspyramide vor: Es gibt viele junge, einige mittlere und am wenigsten grosse, ältere Fische. Zwar wurde in der Reppisch nicht alles Leben ausgelöscht, es werde aber auch hier noch zwei bis drei Jahre dauern, bis die kleinen Fische nachgewachsen sind und die Lücke in der Alterspyramide füllen können, sagt Bammatter. «Für das blosse Auge sind am Steigbächli und an der Reppisch aber mittlerweile keine Spuren der Zerstörung mehr zu sehen.»

Beim Unglück im März war die Feuerwehr Birmensdorf-Aesch mehr als 13 Stunden damit beschäftigt, das hintere Steigbächli auszuspülen. Zudem errichtete sie zwei Bachsperren, damit nicht noch mehr Gülle in die Reppisch gelangte. «Das ist einer der längsten Einsätze der letzten Jahre», sagte Kommandant Michael Heynen nach dem Vorfall gegenüber der «Limmattaler Zeitung».

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