Seit dem 1. Januar 2016 schreibt die kantonale Bestattungsverordnung den Gemeinden vor, dass sie die Personalien von Verstorbenen öffentlich publizieren müssen. Neben dem vollständigen Namen umfassen die Angaben auch die letzte Wohnadresse, das Geburtsdatum und den Jahrgang sowie das Sterbedatum. Wo und wie die Gemeinden die Daten publizieren, ist ihnen überlassen, die Verordnung lässt neben den amtlichen Publikationen auch eine «andere geeignete Form» zu.

Gegen eine solche Veröffentlichung kann man sich nicht vorgängig selber wehren, auch Angehörige können sie nicht verhindern. Sie können lediglich verlangen, dass Ort und Zeitpunkt der Trauerfeier nicht ebenfalls veröffentlicht werden.

Der Trend Richtung Datenschutz

Kantonsrat Markus Bischoff (AL, Zürich) äusserte sich in einer Anfrage an den Regierungsrat kritisch über diese Praxis. Tatsächlich ist der Schutz der Privatsphäre bei der Veröffentlichung persönlicher Daten in den letzten Jahren wichtiger geworden. Früher war es üblich, sowohl Geburten wie auch Trauungen zu publizieren.

In den meisten Kantonen ist dies schon länger nicht mehr der Fall, jedenfalls nicht ohne Zustimmung der Betroffenen. Im Kanton Zürich beispielsweise werden Trauungen seit 2004 nicht mehr publiziert. Der Bund hat kürzlich sogar eine Bestimmung in der Zivilstandsverordnung aufgehoben, welche den Kantonen die Veröffentlichung von Geburten, Todesfällen, Trauungen und Eintragungen von Partnerschaften ermöglichte. Bischoff wollte nun wissen, ob der Regierungsrat angesichts dieser Änderung die Publikationspflicht in der Bestattungsverordnung neu überdenken werde.

Laut der Antwort des Regierungsrates ist das Bestattungswesen jedoch Sache der Kantone, wodurch eine Publikationspflicht für Todesfälle weiterhin möglich sei. So steht es auch im erläuternden Bericht zur Verordnungsänderung des Bundes.

Der Zürcher Regierungsrat will denn auch an der jetzigen Praxis festhalten, einerseits aus praktischen, andererseits aus fast schon philosophisch anmutenden gesellschaftlichen Überlegungen: «Der Tod gehört zum Leben», schreibt er in der Antwort auf die Anfrage von Bischoff. Entferntere Bekannte und Freunde der oder des Verstorbenen würden möglicherweise erst durch die Publikation vom Todesfall erfahren. Die Information ermögliche ihnen, Anteil zu nehmen und zu trauern. «In unserer Gesellschaft besteht die Tendenz, den Tod zu verdrängen und zu verschweigen. Dies verringert den sozialen Zusammenhalt und fördert die Vereinsamung», heisst es weiter.

Wichtige Info für Gläubiger

Aber auch rechtliche Gründe sprechen gemäss Regierungsrat für eine Publikation der Todesfälle. Gläubiger, Geschäfts- und Vertragspartner des Verstorbenen sollen die Möglichkeit haben, allfällige Ansprüche geltend zu machen.

Etliche, vor allem grössere, Zürcher Gemeinden publizieren die Todesfälle unter anderem im Internet. Die Stadt Zürich beispielsweise listet sämtliche Todesfälle seit 2016 auf. Wie es in der Antwort des Regierungsrates heisst, prüft die Stadt derzeit, die einzelnen Publikationen nach zwei Jahren wieder zu entfernen. Vorgeschrieben ist eine solche Frist in der Bestattungsverordnung aber nicht.