Bezirk Dietikon

«Heute hat doch jeder ein Handy im Sack»: Post und SBB beschäftigen die Politik mehr als der Wegfall der Telefonkabinen

Hanspeter Haug, Gemeindepräsident von Weiningen: «Ich glaube nicht, dass eine Schliessung der Telefonkabine bei der Post Weiningen grosse Wellen werfen würde.»

Hanspeter Haug, Gemeindepräsident von Weiningen: «Ich glaube nicht, dass eine Schliessung der Telefonkabine bei der Post Weiningen grosse Wellen werfen würde.»

Der Wegfall des Telefonkabinen-Obligatoriums schreckt bisher weder die Bevölkerung noch die Gemeindehäuser auf. Das heisst aber nicht, dass man sich im Limmattal keine Sorgen um die Grundversorgung machen würde.

Der Entscheid des Bundesrats, mit dem die grundsätzliche Telefonkabinen-Pflicht wegfällt, lief ohne grosses Brimborium ab. Wie eine kurze Umfrage im Limmattal zeigt, war denn auch vielen Gemeinden bisher nicht bekannt, dass der Grundversorgungsauftrag für Telefonkabinen wegfällt.

Der Weininger Gemeindepräsident Hanspeter Haug (SVP) findet dazu: «Öffentliche Telefonzellen haben heute keine Bedeutung mehr, wo doch jeder ein Handy im Sack hat. Ich glaube darum nicht, dass eine Schliessung der Telefonkabine bei der Post Weiningen grosse Wellen werfen würde.»

Auch anderswo heisst der Grundtenor: Angebot und Nachfrage sind massgebend. Und diese Nachfrage, sie sinkt massiv: Allein 2016 ging die Anzahl Gespräche in öffentlichen Telefonzellen schweizweit nochmals um 30 Prozent zurück. Entsprechend ist Stand heute auch kein grosser Aufschrei zu erwarten, wenn es dann hart auf hart kommt und auch den letzten zwölf Limmattaler Telefonkabinen Stück für Stück der Garaus gemacht wird.

Heissester Kandidat für eine Schliessung ist derzeit die Telefonkabine beim Bahnhof Urdorf. Sie weist von allen Telefonkabinen im Limmattal die tiefste Nutzungsrate auf, wie die Swisscom sagt. «Eine These, wieso ausgerechnet diese Telefonkabine am wenigsten genutzt wird, habe ich keine. Aber ganz offensichtlich gibt es kein grosses Bedürfnis», sagt Patrick Müller, Leiter Stab der Gemeinde Urdorf.

Viel mehr beschäftigt etwas anderes die Gemüter. «Dass unsere Poststelle über das Jahr 2020 bestehen bleibt, ist ein Bedürfnis von Bevölkerung und Wirtschaft», sagt Müller. Entsprechend sei die Post auch im Gemeindehaus ein Thema – ganz im Gegensatz zum einsamen roten Telefonhörer am Bahnhof Urdorf. Auch darüber, wieso die Telefonkabine bei der Post in Birmensdorf die höchste Nutzungsrate aufweist, lassen sich nur Mutmassungen anstellen. Hat es vielleicht damit zu tun, dass sie etwas versteckter und somit anonymer ist als andere?

Das Volk müsste sich melden

Klar ist: Mit vier Stück am meisten Telefonkabinen hat die Stadt Schlieren (jene am Bahnhof Urdorf nicht mitgezählt). Der Schlieremer Stadtrat hat bisher nicht über mögliche Schliessungen gesprochen. «Ich kann mich auch nicht erinnern, wann ich zuletzt ein solches Telefon benutzt hätte», sagt Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin (SP). Wenn eine Schliessung kommen sollte, könne das im Stadtrat aber ein Thema werden. «Ich kann mir vorstellen, dass Telefonkabinen für manche Menschen durchaus noch ein Bedürfnis sind», sagt Brühlmann. Um das sicher zu wissen, wäre die Stadt aber auf Rückmeldungen aus der Bevölkerung angewiesen.

Solche kommen im Limmattal jeweils von alleine, wenn es um Schliessungen von Poststellen, Bankfilialen und SBB-Schaltern geht. Die Prioritäten sind also klar.

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