Weiningen

Ihr Wunsch geht in Erfüllung: Jugendliche erhalten einen Bauwagen als provisorischen Treffpunkt

Weininger Jugendliche und der Elternverein spannen zusammen. Von links: Noah Magni, Nikesh Uruthirasingam, Timo Hänseler, Nicole Zollinger, Petra Düsel und Ursina Lüthi-Buchli.

Weininger Jugendliche und der Elternverein spannen zusammen. Von links: Noah Magni, Nikesh Uruthirasingam, Timo Hänseler, Nicole Zollinger, Petra Düsel und Ursina Lüthi-Buchli.

Weil der Jugend in Weiningen ein Rückzugsort fehlt, spannten Noah Magni, Nikesh Uruthirasingam und Timo Hänseler mit dem Elternverein Weiningen zusammen, um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. Der Einsatz scheint sich nun auszuzahlen. Der Gemeinderat kauft ihnen einen Bauwagen und will ein längerfristiges Jugendangebot etablieren.

«Wir möchten einen Ort haben, an dem wir uns ungestört aufhalten können und an dem wir niemanden stören», sagt Noah Magni. Der 18-Jährige und seine beiden Freunde Timo Hänseler und Nikesh Uruthirasingam stehen neben einem grünen Bauwagen auf einer Wiese am Waldrand nahe der Regensdorferstrasse ausgangs Weiningen. Der Wunsch der Weininger Jugendlichen könnte bald in Erfüllung gehen. «Der Gemeinderat beabsichtigt, einen Bauwagen wie diesen für sie zu kaufen, in dem sie sich einrichten und den sie als provisorischen Treffpunkt nutzen können», sagt Petra Düsel, Präsidentin des Elternvereins Weiningen.

Möglich machte dies die Zusammenarbeit der Jugendlichen mit dem Elternverein. Düsel, die Vereinsmitglieder Ursina Lüthi-Buchli und Nicole Zollinger spannen mit den drei jungen Männern seit gut einem halben Jahr zusammen. «Ich habe Petra per Zufall nach dem Lockdown im Dorf getroffen und wir kamen darauf zu sprechen, dass uns Jugendlichen ein Treffunkt in Weiningen fehlt», erzählt Nikesh Uruthirasingam. «Diese Begegnung war ein Glückstreffer für beide Seiten», findet Düsel. Der Elternverein Weiningen habe sich nämlich mit der Statutenänderung 2015 zum Ziel gesetzt, nicht nur für Klein- und Primarschulkinder im Dorf aktiv zu sein, sondern sich auch für Jugendliche einzusetzen.

Konzept für Pumptrack wieder aus der Schublade holen

2016 bat der Verein den Weininger Gemeinderat letztmals, eine Begegnungszone für die Jugend im Dorf zu schaffen und legte ihm ein Konzept für einen Pumptrack für Mountainbikes vor. «Doch unser Anliegen fand damals wenig Anklang», sagt Düsel. Als der Elternverein Anfang Jahr erfuhr, dass die Zürcher Kantonalbank (ZKB) anlässlich ihres 150-Jahr-Jubiläums eine Sonderdividende an die Gemeinden auszahlt, die für besondere Projekte für die Bevölkerung verwendet werden soll, wollten die drei Frauen ihr Konzept für den Pumptrack wieder aus der Schublade holen und dem Gemeinderat unterbreiten. «Aus finanzieller Sicht wäre mit dem ZKB-Zustupf nun ja genug Geld da, um die Idee zu realisieren», sagt Ursina Lüthi-Buchli. Der Lockdown machte dem Elternverein dann aber einen Strich durch die Rechnung.

Ein weiterer Anstoss, das Thema Jugendraum nach der ersten Coronawelle wieder anzupacken, waren die Vandalenakte auf dem Areal des Weininger Schulhauses Schlüechtli, die Kritik von Jugendlichen bezüglich der geplanten Videoüberwachung auf Facebook und der darauf folgende Appel der Schulpräsidentin Brigitte Schai (SVP) in der «Winiger Ziitig», dass Jugendliche den Dialog mit der Gemeinde suchen sollten. So kam es, dass Düsel, Lüthi-Buchli und Zollinger gemeinsam mit den drei Jugendlichen im Sommer eine Jugendprojektgruppe bildeten. Sie führten einen Workshop mit über 20 weiteren jungen Menschen aus Weiningen durch. «Das Ziel war, dass möglichst viele Jugendliche Ideen und Wünsche äussern und wir diese zusammentragen und gemeinsam weiterdenken», sagt Düsel. Dabei kam schnell heraus, dass ein klar definierter Treffpunkt im Dorf nicht vorhanden ist.

Vandalenakte aus Frustration über fehlendes Jugendangebot

«Weininger Jugendliche können zwar den Jugendtreff in Geroldswil besuchen. Doch nur, wenn sie nicht älter als 17 Jahre alt sind. Das schliesst bereits viele aus. Zudem geht der Treff um 21.30 Uhr zu. Wo sollen die Jugendlichen dann hin?», fragt sich Timo Hänseler. Wichtig sind ihm und seinen Kollegen, dass sie einen Ort erhalten, an dem sie erwünscht sind und an dem sie Musik hören und abends abhängen können. Einen Street-Workout-Park, einen Skatepark oder einen geschützten Ort, an dem man zusammenkommen kann: Das waren einige der Vorschläge der Jugendlichen am Workshop. Hänseler, Magni und Uruthirasingam glauben, dass die meisten Vandalenakte im Frühling und Sommer nicht passiert wären, wenn Jugendliche ihren Platz in der Gemeinde hätten. «Das waren zum Teil Frustaktionen und Schreie nach Aufmerksamkeit», sagen sie. Daher seien sie nun froh, dass sich etwas tue und dass man ihre Anliegen ernst nehme. «Uns geht es auch darum, dass wir gute Vorbilder für die jüngeren Kinder in Weiningen sind. Indem wir mit dem Elternverein und mit der Gemeinde zusammenarbeiten, sehen sie, dass es sich lohnt zu kollaborieren, statt zu randalieren», sagt Hänseler.

Begeistert zeigen sich die drei Frauen des Elternvereins von den drei jungen Männern. «Es ist schön, ihre Bereitschaft und die der anderen Jugendlichen zu sehen. Alle wollen anpacken und mitplanen und warten nicht auf ein fix fertiges Angebot, das ihnen die Gemeinde bereitstellt», sagt Nicole Zollinger. Im Herbst trafen sich die sechs nochmals mit weiteren Jugendlichen aus dem Dorf zu einem Workshop, um an der Bauwagen-Idee weiterzuarbeiten. Anfangs November fand überdies ein Treffen mit zwei Gemeinderäten und zwei Schulpflegemitgliedern statt. Eingeladen war auch ein Vertreter des kantonalen Dachverbands der offenen, verbandlichen und kirchlichen Kinder- und Jugendarbeit «Okaj Zürich». «Unser langfristiges Ziel und unser grosser Wunsch wäre, dass in Weiningen ein fixer Jugendtreff entsteht, der von Jugendarbeitern betreut wird. Deshalb haben wir uns von einem Experten die Möglichkeiten erklären lassen», sagt Lüthi-Buchli.

Jugendliche planen den Umbau des Bauwagens

Zuerst wolle man aber das kurzfristige Ziel, die Nutzung des Bauwagens als provisorischer Treffpunkt, realisieren. «Am besten wäre, wenn die Jugendlichen ihn noch diesen Winter beziehen könnten. Es wäre uns wichtig, dass Noah, Nikesh und Timo auch persönlich noch von den Früchten ihres Engagements profitieren können», sagt Düsel. Die drei haben nach der Durchführung des zweiten Workshops Pläne erstellt, wie der Wagen umgebaut und erweitert werden könnte. Wo der Bauwagen stehen soll, weiss man noch nicht genau. «Sicher nicht in einem Wohnquartier», sagt Düsel. Über Schulpfleger André Wymann (Quartierverein Fahrweid) stehe man in Kontakt mit dem Gemeinderat und werde die nächsten Schritte besprechen. Mittelfristiges Ziel der Jugendprojektgruppe wäre es, einen Pumptrack oder einen Skatepark zu erstellen.

«Uns liegt es am Herzen, den Ball ins Rollen zu bringen, damit unsere Jugendlichen ihren Rückzugsort erhalten, an dem man alle drei Ziele vereinen könnte. Viele von ihnen bezeichnen Weiningen als ihre Heimat. Was gibt es für ein schöneres Kompliment für ein Dorf», sagt Düsel. Es gelte, diesen jungen Menschen Sorge zu tragen, ihnen Gehör zu verschaffen, sie ernst zu nehmen und sie in die Planung einzubinden.

Auch die Jugendlichen freuen sich, dass sie mit ihrer Arbeit etwas bewirken können. «Wir machen das ja nicht nur für uns, sondern für alle künftigen Generationen von Weininger Jugendlichen», sagt Nikesh Uruthirasingam. Daher hoffe man, dass auch einmal ihre Nachfolger mit dem Elternverein und der Gemeinde weiter an einem Strang ziehen werden.

Der Gemeinderat will etappiert vorgehen

Gemeindepräsident Mario Okle (parteilos) bestätigt, dass der Gemeinderat vorhat, einen Bauwagen für die Weininger Jugend zu kaufen. «Als kurzfristige Angebotsverbesserung ist angedacht, den Jugendlichen einen solchen Wagen als Treffpunkt zur Verfügung zu stellen», sagt Okle. Die weiteren Ideen der Jugendprojektgruppe seien im Gemeinderat diskutiert worden. «Die Initiative des Elternvereins wird grundsätzlich sehr geschätzt. Es ist aber auch klar geworden, dass die Umsetzung der Ideen ein längerer Prozess werden könnte», sagt Okle. Man sei ebenso der Ansicht, dass ein längerfristiges Angebot etabliert werden sollte, man müsse jedoch etappiert vorgehen. «Dass die Gemeinde Unterengstringen das Interesse an einem gemeinsamen Pumptrack-Projekt bekundet hat, ist sicherlich förderlich für das mittelfristige Ziel der Jugendprojektgruppe», findet Okle. Der Gemeinderat sei der Meinung, dass langfristig die Möglichkeit einer verankerten Jugendpartizipation evaluiert werden sollte.

Okle geht auch auf die mögliche Finanzierung der Ideen mit der ZKB-Sonderdividende ein. «In Weiningen ist kein Ideenwettbewerb für die Verwendung dieses Geldes lanciert worden und dieses somit dem ordentlichen Budget zugeflossen. Das heisst aber nicht, dass die Bevölkerung oder in diesem speziellen Fall die Jugendlichen nichts davon haben», so der Gemeindepräsident. Ideen könnten jederzeit eingereicht werden. Diese würden vom Gemeinderat behandelt und sofern befürwortet, würde die Finanzierung entweder über das Budget oder über einen entsprechenden Beschluss sichergestellt.
«Der Gemeinderat begrüsst es, dass nun ein näherer Dialog mit den Jugendlichen stattfindet und auf einem kreativen und legislativen Weg, gemeinsam fruchtbare Lösungen gefunden werden können», sagt Okle. Er danke dem Elternverein und den Jugendlichen für das Engagement und ist sich sicher, «dass es mit der Jugendarbeit auf diesem Pfad gut weitergehen wird.»

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