Urdorf

Immobilien-Strategie: Arbeitsgruppe sucht trotz Abfuhr des Gemeinderats den Dialog

Die Schule Embri ist eines der Gebäude in Urdorf, die im Inventar der kantonalen Denkmalpflege stehen. Abklärungen zu Sanierungen würden viel Zeit kosten, sagt Pia Simmendinger von der Arbeitsgruppe.

Die Schule Embri ist eines der Gebäude in Urdorf, die im Inventar der kantonalen Denkmalpflege stehen. Abklärungen zu Sanierungen würden viel Zeit kosten, sagt Pia Simmendinger von der Arbeitsgruppe.

Die Arbeitsgruppe um SP-Co-Präsidentin Ursula Baumgartner ist enttäuscht, dass der Gemeinderat die Zusammenarbeit mit der Schulpflege erst nach der Fusion der beiden Güter angehen will. Nichtsdestotrotz hält sie an ihrem Anliegen fest.

Der Ruf nach einer Zusammenarbeit von Politischer Gemeinde und Schulgemeinde wird in Urdorf auch nach der Einwilligung der Schulpflege zur Bildung einer Einheitsgemeinde nicht leiser. Eine Arbeitsgruppe regte Anfang Februar an, dass die beiden Behörden unverzüglich ein gemeinsames Immobilien-Konzept erarbeiten und nicht erst bis zur Fusion damit warten sollen. Der Gemeinderat erteilte ihr jedoch eine Abfuhr. Solange Urdorf noch keine Einheitsgemeinde sei, könne man dem Anliegen nicht nachkommen, war die Erklärung. Politisch und rechtlich fehle die Legitimation für eine Zusammenarbeit (die «Limmattaler Zeitung» berichtete).

Die Arbeitsgruppe – sie besteht aus Vertretern der SP und der GLP Urdorf sowie der privaten Planungsgruppe, die 2019 auf eigene Faust ein Immobilien-Konzept erstellte – zeigt sich enttäuscht von der Antwort des Gemeinderats. «Unsere Befürchtung, dass die Politische Gemeinde und die Schulgemeinde mit einer gemeinsamen Immobilien-Strategie warten, bis Urdorf eine Einheitsgemeinde ist, hat sich bestätig», sagt Ursula Baumgartner, Co-Präsidentin der SP Urdorf, im Namen der Gruppe. Allem Anschein nach habe sich die Angelegenheit für den Gemeinderat mit dieser Stellungnahme erledigt. «Er zeigt sich nicht offen für ein Gespräch mit uns. So vertut er sich eine Chance, mit der Bevölkerung zusammenzuarbeiten. Das ist schade.»

Zusammenarbeit funktioniert auch ohne Einheitsgemeinde

Die Begründung, dass der Gemeinderat aus politischer Sicht nicht dazu berechtigt sei, mit der Schulpflege zusammenarbeiten, weil die Stimmbevölkerung an der Gemeindeversammlung im Dezember der Schulgemeinde einen Kredit von 150000 Franken für eine Machbarkeitsstudie für die Schulraumplanung aus dem Budget strich, überzeugt Baumgartner nicht. «Die Stimmberechtigten pfiffen die Schulpflege explizit zurück, weil sie sich eben eine Zusammenarbeit wünschen und keine Alleingänge mehr tolerieren.» Das Geld sei für eine externe Stelle gedacht gewesen. Doch die Arbeit der Arbeitsgruppe der Schule und der Abteilung Liegenschaften der Gemeinde sei davon nicht tangiert. «Der Willen zur Zusammenarbeit sollte bereits jetzt da sein, auch wenn die Einheitsgemeinde erst später eingeführt wird», findet Baumgartner.

Das könnte frühestens zu Beginn der neuen Legislaturperiode 2022 der Fall sein. Für die Arbeitsgruppe ist das zu spät. «Wir fragen uns, was das für Folgen für die anstehenden Sanierungen der Gebäude beider Güter haben wird.» Die Gemeinde plane bis 2025 Investitionen von insgesamt fast 20 Millionen Franken und auch die Schule hege Vorhaben mit ähnlich hohen Beträgen. «Wir befürchten, dass, wenn die gemeinsame Planung erst 2022 startet, viele Projekte bereits separat laufen und einzeln realisiert werden», sagt Baumgartner. Sie ist sich sicher: «Das grosse Gebiet im Zentrum Urdorfs muss gemeinsam entwickelt werden.»

Dieser Meinung ist auch Pia Simmendinger. Die ausgebildete Architektin ist Teil der Arbeitsgruppe und gehört gleichzeitig der privaten Planungsgruppe an, die eine eigene Immobilien-Strategie für Schule und Gemeinde entwarf. «Das Zentrum Spitzacker und viele Schulgebäude wurden in den 1970er-Jahren erstellt, sie haben ihre Lebenszeit allmählich erreicht», sagt Simmendinger. Man sei nun an einem Punkt angelangt, an dem es wichtig sei, gute Entscheidungen zu treffen, weil die kommenden Generationen langfristig davon betroffen seien. Es sei bisher nie gesamtheitlich gedacht, sondern immer nur punktuell ausgebessert und saniert worden.

Abklärungen der Denkmalpflege dauern bis zu einem Jahr

«Viele haben wohl noch nicht begriffen, dass man diesen Schritt nicht ewig hinauszögern kann, man muss endlich handeln», sagt Simmendinger. Auch weil gewisse Prozesse ihre Zeit benötigten. Die kantonale Denkmalpflege habe diverse Gebäude in Urdorf in ihr Inventar aufgenommen, darunter etwa die Zentrumsanlage samt Hallenbad und Turnhalle oder die Schulanlage Moosmatt. Wenn die Schule und die Gemeinde diese Bauten sanieren wollten, müsse die Denkmalpflege zuerst einmal abklären, ob die Gebäude oder Teile davon schützenswert sind und mit dem Gemeinderat und der Schulpflege eine Lösung finden. «Diese Arbeit kann bis zu einem Jahr dauern», weiss Simmendinger.

Trotz der negativen Antwort des Gemeinderats bleibt die Arbeitsgruppe am Ball. «Wir suchen weiterhin den Dialog mit der Gemeinde und freuen uns, wenn noch mehr Leute aus Urdorf mitdenken und mitwirken», sagt Baumgartner. Je mehr Personen sich einbringen könnten, desto besser abgestützt seien die künftigen Immobilien-Projekte. Gespannt ist die Gruppe auf die Reaktion der Schulpflege. Diese steht nämlich noch aus.

Autor

Sibylle Egloff

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