Der Kampf läuft auf Portugiesisch ab: «Ação de Protesto», stand auf den Flugblättern, die seit letzter Woche auf der Limmattalbahn-Baustelle in Schlieren kursierten. Das heisst: Protestaktion.

Diese wurde organisiert von der Gewerkschaft Unia und hätte gestern Donnerstag von 12 bis 14 Uhr mitten auf der Baustelle stattfinden sollen. Also dort, wo sonst die Arbeit passiert. So stand es auch auf den Flugblättern. Der Schlieremer Stadtrat und Sicherheitsvorstand Pierre Dalcher (SVP) fand das nicht optimal. Denn ihm war wichtig, dass gerade über Mittag die Fusswegverbindung vom Parkside durch die Unterführung zum sogenannten Mausoleum hin nicht beeinträchtigt wird. So leitete er es in die Wege, dass die Unia den Parkplatz an der Ecke Zürcherstrasse und Engstringerstrasse benutzen konnte, der auch als Alter Gemeindeplatz bekannt ist. Das hatte auch den Vorteil, dass die nicht teilnehmenden Bauarbeiter nicht in ihrer Arbeit gestört wurden. Der SVP-Stadtrat bot also der Gewerkschaft Unia Hand, damit diese einen Platz hatte, um ihre Aktion durchzuführen. «Schlieren ist eine offene Stadt. Mir ist einfach wichtig, dass eine solche Aktion jeweils gesittet abläuft», sagte Dalcher gestern, als er sich vor Ort ein eigenes Bild der Lage machte und sich einen Moment unter die Gewerkschafter mischte.

Verschaffte sich vor Ort ein Bild der Lage: der Schlieremer Sicherheitsvorstand Pierre Dalcher (SVP)

Verschaffte sich vor Ort ein Bild der Lage: der Schlieremer Sicherheitsvorstand Pierre Dalcher (SVP)

Gesittet war es denn auch. Die Bauarbeiter wurden zuerst mit heissen Güggeli aus Schweizer Produktion verköstigt, danach gab es eine in gewerkschaftlichem Rot gehaltene Torte.
Mit vollen Bäuchen ging es dann ans Eingemachte, das heisst um den Ende Jahr auslaufenden Gesamtarbeitsvertrag (GAV) der Branche. Jeder Bauarbeiter konnte angeben, ob er im Arbeitskampf bereit wäre, zu streiken. Solche langen Mittagspausen mit Information und Abstimmung sind in der jetzigen, friedlichen Verhandlungsphase üblich. Letzte Woche gab es eine solche bei der Baustelle für das neue Zürcher Kunsthaus und auch bei der Baustelle für das neue Zürcher Polizei- und Justizzentrum (PJZ) planen die Gewerkschafter eine Aktion, wie es vonseiten einer Unia-Mitarbeiterin hiess.

Bei der Aktion in Schlieren betätigten sich die Arbeiter zudem im Seilziehen. Wohl ein Symbol für die Verhandlungen zum neuen Gesamtarbeitsvertrag.

Die Gewerkschafter fordern, dass das Rentenalter bei 60 Jahren bleibt, dass die Löhne «anständig» erhöht werden und dass erfahrene Arbeiter besser geschützt werden. Plus: 50 Stunden Arbeit pro Woche seien keine Option. All dies ist dem auf Portugiesisch verfassten Flugblatt zu entnehmen, das für die gestrige Aktion geworben hatte.

Bauunternehmen: Mass halten bei den Arbeitskosten

Auf Anfrage hiess es gestern beim Schweizer Baumeisterverband, dass die derzeitigen Info-Veranstaltungen der Unia in Ordnung seien, solange sie die Arbeiten nicht behindern und die Sicherheit nicht gefährden. Details zu den konkreten Verhandlungen könne man nicht bekannt geben. «Die konkreten Verhandlungen führen wir am Verhandlungstisch», sagte Matthias Engel, Sprecher des Baumeisterverbands. Allgemein sei aber bekannt, dass das Baugewerbe einen wettbewerbsfähigen Gesamtarbeitsvertrag brauche.

Insbesondere müsse bei der Entwicklung der Arbeitskosten Mass gehalten werden. «Sonst haben wir im Bauhauptgewerbe zwar hohe Löhne, aber kaum noch Arbeitsplätze. Wir dürfen den GAV nicht immer noch attraktiver machen, was die Arbeit verteuert und die Arbeitnehmenden selber unter unerwünschten Druck setzt», erklärte Engel.

Zum Schluss der Aktion ging es auf die Baustelle, um den Kollegen, die nicht teilnahmen, Glacés zu verteilen.