Verkehrsplaner haben es nicht einfach, wenn sie es allen recht machen müssen. So eine Lösung erhofft sich Ernst Joss (AL) bei der Verkehrsanbindung des zukünftigen Dietiker Stadtteils Niderfeld. Der Gemeinderat hatte im Dezember ein Postulat eingereicht, mit sieben Mitunterzeichnern von der SP/AL-Fraktion und drei von der FDP. Darin fordert er, dass Velofahrer und Fussgänger ohne Hindernis ins Niderfeld gelangen können. Will heissen: Ein Lichtsignal ist tabu. Zum einen hält es sowohl Velos und Fussgänger als auch den motorisierten Verkehr auf. Zum anderen kann es gefährlich werden, wenn es zum Beispiel ein Senior oder ein Vater mit Kindern nicht während der Grünphase über den Fussgängerstreifen schafft. Aber genau ein solches Lichtsignal soll auf der von früh bis spät stark befahrenen Überlandstrasse installiert werden. Und zwar dort, wo dereinst eine grosse Velohauptverbindung vom Gjuch-Quartier über die Grabackerstrasse ins Limmatfeld führen soll. Darum wurde Joss im Parlament aktiv.

Der Stadtrat hat nun auf den parlamentarischen Vorstoss reagiert. Fünf Seiten lang ist seine Antwort. Das heisst: Die Sache ist nicht allzu einfach. Verkehrsplanung eben.

Als Hauptverbindung für den Fuss- und Veloverkehr vom Niderfeld in Richtung Bahnhof und Zentrum Dietikon sei die Querung Grabackerstrasse vorgesehen. Weitere Querungen sind bei der Güterstrasse, dem Bunkerknoten, der Bodackerstrasse und der Ziegelägertenstrasse geplant.

Heute ist die Querung bei der Grabackerstrasse als Fussgängerstreifen mit Mittelinsel und ohne Lichtsignal ausgestaltet, das Tempolimit auf der Überlandstrasse beträgt 60 km/h.

Neue Abbiegeverbote

Das Lichtsignal, das dort gebaut werden soll, ist nicht die einzige Änderung. Zum einen soll das Tempolimit auf 50 km/h reduziert werden. Dafür hat sich die Stadt beim Kanton eingesetzt. Zum anderen soll der motorisierte Individualverkehr auf Höhe der Grabackerstrasse weder ab- noch einbiegen können. Der Wegfall aller Abbiegebeziehungen erhöht die Sicherheit. Vor allem aber ist das geplante Lichtsignal dann auf nur zwei Grünphasen beschränkt: einmal Langsamverkehr, einmal motorisierter Verkehr, dann wieder der Langsamverkehr, und so weiter.

Allerdings schreibt der Stadtrat dazu, das sei «eine gute, aber nicht die beste Lösung». Nur eine Lösung, bei der der Fuss- und Veloverkehr die Überlandstrasse unabhängig vom motorisierten Verkehr queren könne, würde maximale Sicherheit bieten und die Wartezeiten beim Lichtsignal beenden.

Die attraktivste Lösung sei daher eine ebenerdige Überführung für den Fuss- und Veloverkehr bei gleichzeitiger Absenkung der Überlandstrasse. Das wurde schon früh in der Planung diskutiert. Doch würde eine Verlegung der Überlandstrasse in den Untergrund die Grundwasserschutzzone verletzen.

Über zwei Millionen Franken

Mit einer Machbarkeitsstudie wurden andere Lösungen evaluiert. Eine Überführung für Velos und Fussgänger stellte sich dabei als derart unattraktiv und nicht nutzerfreundlich heraus, dass sie «nicht akzeptabel» sei.

Möglich – und baulich machbar – wäre, dass der Autoverkehr ebenerdig bleibt und für den Fuss- und Veloverkehr eine Unterführung gebaut wird, um die Überlandstrasse sicher und ohne Wartezeit queren zu können. Das Problem: Das kostet – bei einer Schätzungsgenauigkeit von plus minus 40 Prozent – rund 2,3 Millionen Franken. Hinzu würden noch weitere Kosten kommen, so etwa für den Landerwerb.

Damit eine solche Unterführung benutzerfreundlich wird, müsse sie «in hoher Qualität» erstellt werden, schreibt der Stadtrat. Unter anderem müssten Fuss- und Veloverkehr getrennt sein.

Vorerst sieht nun der Stadtrat vor, dass 2020 im Zusammenhang mit dem Bau der Limmattalbahn das Lichtsignal erstellt und die Temporeduktion umgesetzt werden. Eine Unterführung würde hingegen frühestens in 10 bis 15 Jahren genutzt und soll daher noch nicht gebaut werden. Zur Erklärung: Das Niderfeld wird frühestens ab 2028 überbaut, schreibt der Stadtrat. Zudem wäre nicht klar, ob ein Unterführungstunnel, den man jetzt schon baut, dereinst perfekt ans Niderfeld angebunden wäre. Die Lage und die Richtung des Tunnels könnte später nicht mehr mit vertretbarem Aufwand geändert werden, schreibt der Stadtrat. Darum verzichtet er nun für über ein Jahrzehnt auf den Tunnel. Das Lichtsignal soll es vorerst richten. Man werde die Möglichkeit einer Unterführung bei der weiteren Planung des Niderfelds aber vertieft in Betracht ziehen, schreibt der Stadtrat weiter.

«Es ist gut, dass der Stadtrat das Problem anerkennt. Aber es ist ein Fehler, die Lösung des Problems in die ferne Zukunft zu verschieben», sagt Joss zur Stadtratsantwort. Je später man handle, desto teurer werde es. «Das sieht man auch bei der geplanten Verlängerung der Unterführung des Bahnhofs Glanzenberg», sagt er. Zur Erinnerung: In der parlamentarischen Fragestunde im Mai erklärte Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP), dass die neuen Kostenschätzungen für die Glanzenberg-Unterführung – die frühestens 2023 kommt – wesentlich höher liegen als bisherige Schätzungen.

Zwar hat der Stadtrat alle seine Fragen ausführlich beantwortet. «Aber insgesamt bin ich nicht zufrieden», sagt Joss – weil er sich «eine bessere Lösung» erhofft. Und Mehrkosten befürchtet, wenn diese irgendwann später doch noch kommt. «Dass sie irgendwann kommt, davon bin ich felsenfest überzeugt», so Joss.

Es werde interessant sein, was die anderen Parteien dazu sagen. «Vielleicht können wir zusammen dem Stadtrat die Augen öffnen. Das Anliegen liegt schliesslich auch im Interesse der Autofahrer», sagt Joss. Denn nur ohne Lichtsignal werde der Strassenverkehr möglichst wenig behindert.

Joss freut sich auf die Debatte im Parlament. Sie wird im Gemeinderat nach den Sommerferien stattfinden. Und damit in weitaus näherer Zukunft als etwa der Bau des Niderfelds, der frühestens 2028 beginnt.