Lehrplan 21

Medien und Informatik: Für das neue Schulfach fehlen die Lehrer

Für das neue Fach Medien und Informatik fehlen die Lehrer. (Symbolbild)

Für das neue Fach Medien und Informatik fehlen die Lehrer. (Symbolbild)

Im Sommer startet das neue Fach Medien und Informatik. Aber nur 560 Lehrer werden die entsprechende Weiterbildung abgeschlossen haben. Und beim Lehrmittel für die Sek gibt es Verzögerungen.

Nach den Sommerferien wird in der Primarschule bis zur fünften Klasse der Lehrplan 21 eingeführt. Die Fünftklässlerinnen und -klässler werden dann mit dem neuen Schulfach Medien und Informatik beginnen. Die meisten Lehrer dürfen das Fach aber noch gar nicht unterrichten.

Um die Unterrichtsberechtigung zu erhalten, müssen die Lehrerinnen und Lehrer im Kanton Zürich einen Grundlagenkurs in Medien und Informatik abgeschlossen haben. Oder sie können nachweisen, dass sie die Kenntnisse individuell erworben haben. Gestern teilte die Pädagogische Hochschule Zürich mit, dass die ersten rund 100 Lehrerinnen und Lehrer die Weiterbildung in Medien und Informatik abgeschlossen haben. Bis Ende Schuljahr werden es 560 Mittelstufenlehrer sein.

Das seien aber längst nicht alle Lehrer, die im kommenden Schuljahr Fünftklässler unterrichten werden, sagt Rahel Tschopp, Zentrumsleiterin Medienbildung und Informatik der PH Zürich. «Deshalb werden die ausgebildeten Lehrkräfte während der Übergangsphase Medien und Informatik in mehreren Klassen unterrichten.»

Weiterbildungsplätze erhöht

Das diesjährige Angebot von 35 Weiterbildungskursen deckt die grosse Nachfrage bei weitem nicht ab. Daher hat die PH Zürich das Kursangebot bis 2021 von ursprünglich 1900 auf 3200 Plätze erhöht. «Auch danach werden bis 2023 noch weitere Kurse angeboten», sagt Tschopp. Welche Lehrer die Kurse besuchen, entscheiden die Schulleiter, welche die vom Kanton zugeteilten Weiterbildungsplätze an ihren Schulen koordinieren.

Die ersten Absolventen des Grundlagenkurses hielten diesen für lehrreich und praxisorientiert, sagt Tschopp. Sie investierten insgesamt 90 Arbeitsstunden. Dreieinhalb Kurstage waren sie an der PH Zürich präsent und haben weitere Lektionen als E-Learning erarbeitet. Zudem haben sie zehn Unterrichtslektionen mit dem neuen Stoff gehalten. Dieses Jahr mussten die Kursteilnehmer die Inhalte noch in anderen Fächern unterbringen. Gehe es etwa um Pixel, sei der Zeichnungsunterricht geeignet, sagt Tschopp. Codieren und Programmieren könne in Sprache oder Mathematik unterrichtet werden.

Dieses Jahr haben die Kursteilnehmer ein halbes Jahr Zeit, die neuen Inhalte zu erarbeiten. Ab dem Schuljahr 2018/19 werden es Dreivierteljahre sein. Dann werden jährlich 880 Lehrkräfte der Mittel- und Sekundarstufe ausgebildet, da ab 2019/20 auch die Sechst- bis Neuntklässler mit dem Lehrplan 21 und somit dem neuen Schulfach beginnen.

Allmählich werden dann auch die heutigen Studentinnen und Studenten die Schulen unterstützen. Wer allerdings im nächsten Sommer die PH abschliesst, verfügt noch nicht automatisch über die Unterrichtsberechtigung in Medien und Informatik. Auch im Lehrerstudium werde das Angebot noch hochgefahren, sagt Rahel Tschopp: «Während der Einführungsphase braucht es für alle etwas mehr Schnauf.»

Einführung ohne Schulbuch

Ebenfalls auf Hochtouren arbeitet der Lehrmittelverlag. Das neue Schulbuch für die Mittelstufe wird bis im Sommer auf dem Markt sein. Für die Ausbildung werde derzeit mit Vorauszügen des Buches gearbeitet, wie Tschopp sagt.

Schwieriger wird es allerdings beim neuen Lehrmittel für die Sekundarstufe. Dieses wird nicht rechtzeitig zur Einführung im übernächsten Schuljahr bereit sein. «Da werden wir mit vorhandenem Material überbrücken», sagt Tschopp. Das heutige Lehrmittel «Medienkompass» verfüge über zeitgemässe Inhalte, nur fehle das Programmieren und Codieren.

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