Weiningen

Mit Corinne und Barbara in den Untergrund: Jetzt können die Arbeiten in der Fahrweid beginnen

Vor ihrem ersten Einsatz am Montag wurde die Bohrmaschine für das Microtunneling in der Fahrweid getauft.

Ein fünf Meter tiefes Loch prägt die Kreuzung Fahrweid-/Austrasse in der Fahrweid. Wer sich über das Absperrgeländer des zehn Meter breiten Hauptschachts lehnt, blickt auf Corinne, einen blau-grauen Bohrkopf von 1,75 Meter Durchmesser.

Gestern erhielt die Tunnelbohrmaschine bei einer Taufe ihren Namen. Der Akt hat im Tunnelbau Tradition und soll das Gelingen der Arbeiten sicherstellen. Taufpatin war Corinne Zellweger, Unternehmerin in der Fahrweid und Präsidentin des Tennisclubs Geroldswil. «Alles Gute und viel Erfolg. Von den Röhren und Pumpen soll die Fahrweid noch lange etwas haben. Los geht es, Corinne», sagte Zellweger vor Vertretern der Gemeinden Geroldswil und Weinigen, der Limeco, der Bauunternehmen sowie den Anwohnern.

Zusätzlich gab die Taufpatin eine Figur der heiligen Barbara, Schutzpatronin der Mineure, mit auf den Weg in die Grube. Auch der Geroldswiler Gemeindepräsident Michael Deplazes hielt eine kurze Ansprache. «Die Bevölkerung in der Fahrweid ist stark gewachsen. Die Leitungen müssen an die neuen Bedürfnisse angepasst werden und sollen für die nächsten 60 bis 80 Jahre halten.» Und nicht nur das: «Es freut uns, dass mit diesem Projekt auch die bei starkem Regen überschwemmten Strassen und gefüllten Keller der Vergangenheit angehören werden», sagte Deplazes. Denn nicht nur die Leitungen werden erneuert, sondern es entstehen auch zwei zusätzliche Pumpen beim Pumpwerk Länggenbach. Weiningens Gemeindepräsident Mario Okle verlor ebenso ein paar Worte: «Wir bewegen uns im Untergrund und haben keine 100-prozentige Garantie, dass das Projekt so verläuft wie geplant. Doch mit dem Schutz der Damen Corinne und Barbara hat das zuständige Team die besten Voraussetzungen für eine gute Umsetzung.»

Weicher Baugrund, hoher Grundwasserspiegel

«Am Montag kommt der Bohrkopf erstmals zum Einsatz. Damit starten wir die Königsetappe», sagte Fabrice Bachmann von der SWR Infra AG. Er ist Gesamtleiter des Entwässerungs-Projekts in der Fahrweid. Seit Februar sind die Vorarbeiten im Gange. Für einen Unterbruch sorgte eine unerwartete Kostensteigerung. Der genehmigte Kredit von 11,2 Millionen Franken reichte nicht aus. Nachdem die Detailprojekte erarbeitet und die Aufträge vergeben waren, zeigte sich, dass das Vorhaben der Gemeinden Geroldswil, Weiningen sowie der Limeco 6,2 Millionen Franken mehr kostet. Das federführende Ingenieurbüro hatte die Kosten zu tief veranschlagt.

Alle Schwierigkeiten sind aber nicht aus dem Weg geschafft. «Der Baugrund ist weich und der Grundwasserspiegel hoch», sagte Bachmann. Die Arbeiten seien eine Herausforderung für alle Beteiligten. Rund 1200 Meter der neuen Kanalisation werden im Microtunneling-Verfahren erstellt. Das ist ein unterirdisches Vortriebsverfahren, mit dem man den offenen Grabenbau umgehen kann. «Wir steuern den Bohrkopf unterirdisch. So können Eingriffe in den Naturraum und das Siedlungsgebiet in der Fahrweid gering gehalten werden», sagte Bauchef Guido Meier von der Braumann Tiefbau AG. Das kommt dem Verkehrsfluss entgegen. So kann die Fahrweidstrasse einspurig offen gehalten werden. Die Grabarbeiten erfolgen ab Montag teilweise im 24-Stunden-Betrieb während zehn Tagen vom Hauptschacht direkt zum Pumpwerk. Danach geht es entlang der Fahrweidstrasse Richtung Süd, bevor Anfang 2020 die Bohrarbeiten Richtung Nord beginnen. Die Microtunneling-Arbeiten dauern bis im Frühling 2020. Im Herbst 2020 soll das Projekt beendet sein.

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Autor

Sibylle Egloff

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