Für Judith Kündig aus Schlieren sind Sticken, Stricken, Häkeln und Nähen eine Leidenschaft. Seit ihrer Kindheit hat dieses Hobby einen prominenten Platz im Leben der 64-Jährigen. Bereits mit drei Jahren strickte sie das erste Mal: «Ich bewunderte stets meine Mutter und Grossmutter bei den Handarbeiten», sagt Kündig. Sie habe das Stricken auf dem Schoss ihrer Grossmutter gelernt. Im Schulalter entdeckte sie das Nähen. Ihre Leidenschaft entwickelte sich weiter. «Meine Mutter probierte schon immer viel Handwerkliches aus», sagt sie. Sie habe dann mitgemacht und so schon früh viel über das Handwerk mit verschiedenen Materialien gewusst.

Kündig brachte sich im Laufe der Zeit vieles selber bei: «Häufig lernte ich autodidaktisch, besuchte aber auch Kurse bei Spezialisten.»

Zwischen Arbeit und Vergnügen

Kündig wollte ursprünglich Handarbeitslehrerin werden. «Ich entschied mich aber dagegen, da ich nach der Schule arbeiten und nicht wieder die Schulbank drücken wollte», sagt sie. Also absolvierte sie eine Lehre als Chemielaborantin. «Ich arbeitete vor allem mit Lack- und Bauschutzfarben», sagt die Pensionärin. Daneben habe sie nicht viel Zeit gehabt, um zu nähen oder zu stricken. «Abends etwas zu nähen, dazu fehlte die Energie», sagt die Schlieremerin.

Trotzdem wollte Kündig ihrer Passion Raum geben. Sie besuchte bald einmal pro Woche einen Nähkurs: «Dort konnte ich mich während zweier Stunden meinem Hobby widmen – auch das Plaudern kam nicht zu kurz», sagt sie.

Judith Kündig in ihrem Laden in Unterengstringen.

  

Nach über zwanzig Jahren setzte sich die Leiterin zur Ruhe und der Kurs wurde aufgelöst. Kündig dachte sich, es müsse weitergehen. Der Verein «Freizeit Schlieren» nahm Kündig und ihre Kolleginnen als Interessensgruppe auf. «Der Treff findet zwar nicht mehr wöchentlich, aber immerhin alle zwei Wochen statt», sagt sie. Vor fünfzehn Jahren gründete Kündig zudem einen Strick-Club: «In dieser Gruppe können wir zusammen stricken und uns entspannen.»

Zur Pension den Traum erfüllt

Jetzt führt Kündig ihren eigenen Laden für Wolle, Stoffe und Zubehör in Unterengstringen. Wie kam sie dazu? «Vor einem Jahr dachte ich mir: So jetzt hörst du auf zu arbeiten und erfüllst dir deinen Lebenstraum», sagt Kündig. Diesen hatte sie seit über vierzig Jahren. Aber da es eine schwierige Branche sei, habe sie es nicht hauptberuflich machen wollen. «Ich wartete auf den richtigen Moment, ich musste ja auch noch meinen Lebensunterhalt verdienen», sagt die 64-Jährige. Kündig hat spürbare Freude an ihrem Laden.

Sie gibt ihre Kenntnisse auch gerne weiter. «Die Qualität und Auswahl an Materialien und Hilfsmitteln ist in den letzten Jahren unglaublich gestiegen», sagt sie. Es gebe sogar Wolle für Veganer – aus Mais, Hanf oder Bambus. Sie schätze auch den Kontakt mit den Kunden. Wenn diese ihr sagen, dass Wolle beisst, müsse sie schmunzeln. «Das stimmt nicht. Wolle hat ja keine Zähne», sagt sie lachend. Die heutige Wolle sei in nicht mehr vergleichbar mit der früheren, die zugegebenermassen kratzig gewesen sei.

Stricken sei wie ein Virus, man stecke sich schnell an. «Ich habe einige Kundinnen, die erst gerade damit angefangen haben», sagt sie. Sie freue sich auch immer, wenn die Kunden ihre Kinder mitnehmen: «Handarbeit ist sehr wichtig für Kinder. Es beschäftigt beide Hirnhälften und fördert die Feinmotorik.»