Im Vorstoss ging es konkret um die Besetzung des Zürcher Pfingstweidparks durch Aktivistinnen und Aktivisten Ende Mai. Brunner wollte wissen, wieso die Polizei das Gelände nicht geräumt hatte und wer für die Beseitigung von Abfall und Sprayereien aufzukommen habe. Wie die «Neue Zürcher Zeitung» nun berichtete, wurde der Vorstoss Mitte Juni vom Büro des Gemeinderats zurückgewiesen. Der Grund: Die SVP-Politikerin habe die Richtlinien zum Abfassen eines solchen Vorstosses verletzt. So schrieb sie lediglich von «Besetzern» und «Anwohnern», verzichtete allerdings auf die weibliche Form.

«Ich finde es sprachlich nicht schön, wenn in jedem Satz beide Geschlechter genannt werden müssen», rechtfertigt Brunner sich. Das sei nicht ihr Stil. Abgesehen davon meine sie die weibliche Form stets mit, wenn sie die männliche verwendet. Das Parlamentsbüro liess dies nicht gelten. Die Interpellation könne so nicht entgegengenommen werden. Die Gemeinderätin zeigt sich entsetzt: «Sprachregeln sollten kein Kriterium dafür sein, ob ich meine politischen Rechte ausüben kann oder nicht.» Sie sieht die freie Meinungsäusserung durch den Entscheid gefährdet.

Klare Richtlinien

Dass ein Vorstoss aus solchen Gründen zurückgewiesen wird, sei einmalig, heisst es bei den Parlamentsdiensten auf Anfrage der «NZZ». Einmalig, aber gemäss den Ausführungsbestimmungen zur Geschäftsordnung des Gemeinderates nicht falsch. Seit dem 1. Mai 2019 ist ein Absatz zur «geschlechtergerechten Sprache» in Kraft. Dort heisst es: «Frauen und Männer sind sprachlich gleichberechtigt zu behandeln.» Brunner gibt sich unbeeindruckt: «Ausgerechnet die, die sonst immer Toleranz predigen, wollen mir nun vorschreiben, wie ich Sätze zu formulieren habe.» Das gehe zu weit.

SP-Politikerin Helen Glaser sieht das anders. Dass man auf geschlechtergerechte Sprache achtet, wenn man Vorstösse einreicht, gehöre zu einem modernen Parlamentsbetrieb dazu. Der Gemeinderat vertrete nebst den Zürchern schliesslich zum gleichen Mass auch die Zürcherinnen.

Laut der «NZZ» will Brunner die gleiche Interpellation nochmals einreichen – diesmal allerdings mit dem zusätzlichen Hinweis, dass sie mit dem generischen Maskulin auch alle anderen meint. «Mir geht es um das Grundsätzliche», sagt Brunner. «Darum, dass mir niemand die Sprache im Mund verdreht.» (sho)