Dietikon

20.02.2020 — so viele Paare trauen sich am heutigen Schnapsdatum

In der Taverne zur Krone trauen Jacqueline Tscherry und ihr Team heute drei Paare. Im Stadthaus Dietikon finden sechs Eheschliessungen statt.

In der Taverne zur Krone trauen Jacqueline Tscherry und ihr Team heute drei Paare. Im Stadthaus Dietikon finden sechs Eheschliessungen statt.

Das Zivilstandsamt Dietikon vermählt am heutigen 20.02.2020 mehr Limmattaler Brautpaare als sonst. Leiterin Jacqueline Tscherry erzählt, was bei der Wahl des Hochzeitstags eine Rolle spielt.

8.8.1988, 9.9.1999, 12.12.2012: Diese Daten haben etwas gemeinsam. Sie alle sind Schnapszahlen und waren bei Heiratswilligen besonders beliebt. Auch der heutige 20.2.2020 gehört zu diesen Tagen, an dem mehr Paare als sonst den Bund fürs Leben schliessen. Dies bestätigt Jacqueline Tscherry. Die Leiterin des Zivilstandsamt Dietikon arbeitet seit 28 Jahren im Bezirkshauptort als Zivilstandsbeamtin und hat am heutigen Tag mehr zu tun als sonst. Mit zwei Kolleginnen führt sie insgesamt neun Trauungen durch.

«Das ist für einen Donnerstag überdurchschnittlich viel. Normalerweise finden eins bis zwei Eheschliessungen an einem Donnerstag statt, wenn überhaupt», sagt Tscherry. Das Zivilstandsamt Dietikon ist für alle Trauungen im Bezirk Dietikon und in Bergdietikon zuständig.

Tscherrys Team weiss, dass Heiraten an Schnapsdaten gefragt ist. Das wird in der Terminplanung berücksichtigt. «Wir bieten wochentags und an einem Samstag im Monat Trauungen an. Das wird nun der kommende Samstag sein, weil es sich beim 22.2.2020 auch um ein Schnapsdatum handelt», sagt Tscherry. Zuerst habe man überlegt, ob man die Samstagstrauungen diesen Monat am 29. Februar vornehmen soll. «Schliesslich kommt der 29. Februar nur alle vier Jahre vor», sagt Tscherry. Doch die Schnapszahlen ziehen einfach mehr und schlagen sogar den Tag der Liebenden, den Valentinstag. Vergangenen Freitag trauten sich nämlich nur drei Paare im Limmattal.

Ein halbes Jahr im Voraus Termine reservieren

Doch nicht nur Schnapszahlen spielen bei der Hochzeitstagswahl eine Rolle. «Einige Paare entscheiden sich für den Kennenlerntag. Andere richten den Hochzeitstag nach ihren Ferien aus. Wieder andere wollen so schnell wie möglich heiraten und lesen den nächstbesten Tag aus. Es gibt mannigfaltige Gründe», sagt Tscherry. Das heutige Schnapsdatum läutet aber definitiv die Hochzeitssaison ein. Denn: «Die meisten Paare heiraten an einem Freitag zwischen Frühling und Herbst», sagt Tscherry.

Ein halbes Jahr im Voraus auf den Tag genau kann man den Hochzeitstermin reservieren. «Die Paare, die heute vermählt werden, konnten die Trauung frühestens am 20. August 2019 buchen.» Dabei gelte «de schneller isch de gschwinder». Erfahrungsgemäss würden die Telefone sechs Monate vor solchen Schnapsdaten wie heute heiss laufen. Doch nicht jede Schnapszahl vermag Brautleute zu überzeugen. «Am 19.9.2019 war es ruhiger. Damals fanden fünf Trauungen statt», erzählt Tscherry. Als sie noch für das Zivilstandsamt der Stadt Zürich arbeitete, standen, soweit sie sich erinnern könne, am 8.8.1988 ganze 50 Trauungen auf dem Programm.

Im Limmattal stehen Brautleuten fünfzehn verschiedene zivile Traulokale zur Auswahl. Dazu gehören unter anderem das Stadthaus oder die Taverne zur Krone in Dietikon, das Schlössli in Weiningen, das Giardino Verde in Uitikon oder die Ortsmuseen in Urdorf, Unterengstringen und Birmensdorf. «Neben dem Dietiker Stadthaus geben sich die meisten in der Taverne zur Krone das Jawort», sagt Tscherry. Es gebe aber auch Brautpaare, die sich dem Ortsmuseum Urdorf oder Unterengstringen verbunden fühlten. Das Giardino Verde sei vor allem bei Brautleuten beliebt, die sich eine spezielle Location wünschen.

«Die Wahl des Traulokals ist sehr individuell und hängt von den persönlichen Vorlieben des Paars ab», findet Tscherry. Und auch die Anzahl geladener Gäste hat einen Einfluss. «Im Giardino Verde haben locker 200 bis 300 Leute Platz, im Trauzimmer des Stadthauses dafür nur wenige.» Eine Rolle spielen zudem die Finanzen. «Nicht jedes Traulokal kostet gleich viel. Paare zahlen für eine Eheschliessung im Giardino Verde zum Beispiel 400 Franken mehr als im Stadthaus», sagt Tscherry. Auch wenn die Limmattaler diverse Traulokale für ihre zivile Hochzeit auslesen können, bevorzugen es einige, sich ausserhalb des Wohnbezirks trauen zu lassen.

Im Zoo, im Primetower oder im Dolder Grand heiraten

Eine Palette an Möglichkeiten hat man zum Beispiel in der Stadt Zürich. Die überwiegende Mehrheit der Brautleute heiratet im Trauzimmer des Stadthauses. Zusätzlich bietet die Stadt seit 2009 Trauungen im Zunfthaus zur Waag, in der Weinschenke des Hotels Hirschen und in der Masoala-Halle im Zoo Zürich an. Ab April erweitern fünf zusätzliche Traulokale das Angebot. Das Zivilstandsamt der Stadt Zürich führt ab dann auch Eheschliessungen im Dolder Grand, im Widder Hotel, im Papiersaal im Sihlcity, im Clouds im Prime Tower und im Lokal Bogen F bei den Viaduktbögen durch. «Umgekehrt kommen aber auch Paare aus der Stadt zu uns nach Dietikon, weil sie eine besondere Beziehung zum Limmattal haben», sagt Tscherry.

Das Ehevorbereitungsverfahren durchlaufen die Brautpaare ohnehin beim zuständigen Zivilstandsamt des Wohnorts. Findet die Hochzeit im Ausland statt, ist es jedoch nicht immer involviert. «Je nachdem, ob ein Ehefähigkeitszeugnis verlangt wird. In einigen Ländern ist für eine Trauung nur ein gültiger Reisepass nötig», sagt Tscherry. In diesen Fällen werde ihre Arbeit nicht gebraucht. «Wenn Schweizer jedoch in Deutschland heiraten wollen, wird jedes Mal ein Ehefähigkeitszeugnis gebraucht.»

Heute sind drei Trauungen in der Taverne zur Krone und sechs im Stadthaus geplant. Das nächste Schnapsdatum fällt auf den 10.10.2020. Tscherry geht davon aus, dass deswegen ein halbes Jahr vorher, am Dienstag, 14. April, nach Ostern einige Anrufe im Zivilstandsamt Dietikon eingehen werden. «Ob es so viele sind wie heute, werden wir sehen.»

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