Aesch/Birmensdorf/Uitikon
25,6 Millionen sind nicht genug: Zweckverband der Kläranlage Birmensdorf fordert weitere 10,5 Millionen für einen zusätzlichen Ausbau

Fünf Jahre dauerte es, bis die Um- und Ausbauarbeiten an der Kläranlage Birmensdorf fertiggestellt waren. Nun stimmt der Souverän über einen zusätzlichen Kredit ab.

Lukas Elser
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So soll die Anlage dereinst aussehen.
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Die Kläranlage Birmensdorf ist fast 50 Jahre alt.
In den vergangenen Jahren wurde sie Schritt für Schritt ausgebaut.

So soll die Anlage dereinst aussehen.

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Mit den 25,6 Millionen Franken ist es noch nicht getan. Die Steuerzahler der Gemeinden Birmensdorf, Aesch, Uitikon sowie Wettswil, Bonstetten und Stallikon müssen erneut über einen Millionenkredit bestimmen.

Es geht um den Ausbau der gemeinsamen Kläranlage in Birmensdorf. 2013 bewilligten die Stimmberechtigten der sechs Gemeinden den ersten Kredit für den Ausbau der Anlage. In der Folge wurde die mittlerweile fast 50-jährige Abwasserreinigungsanlage (ARA) schrittweise ausgebaut, um für das bevorstehende Bevölkerungswachstum gerüstet zu sein.

Das neue Gebäude (braun) soll im nordwestlichen Teil des Areals errichtet werden.

Das neue Gebäude (braun) soll im nordwestlichen Teil des Areals errichtet werden.

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Und nun wird den Stimmberechtigten der sechs Gemeinden ein weiterer Kreditantrag vorgelegt. Sie stimmen am 28. November an der Urne über 10,495 Millionen Franken für die Aufrüstung ihrer Anlage mit einer neuen Reinigungsstufe ab.

Gesetzeslage hat sich geändert

Mit dem Geld soll eine neue Anlage gebaut werden, die Mikroverunreinigungen wie Medikamentenrückstände, Pflanzenschutzmittel oder Kosmetikprodukte im Wasser beseitigen soll. Diese gelangen zum Teil über die Haushalte ins Abwasser und können sich negativ auf die Trinkwasserqualität auswirken.

Dass diese zweite Ausbaustufe separat von der ersten erfolgt, ist dem Gesetzgeber geschuldet. Seit der Abstimmung über die erste Tranche hat sich nämlich die Gesetzeslage verändert. 2015 hat das Bundesparlament über die Revision der neuen Gewässerschutzverordnung bestimmt. Seit ihrer Inkraftsetzung im Jahr 2016 gelten für ARA neue Richtlinien.

Im Kanton müssen bis 2035 insgesamt 34 kommunale ARA mit einer neuen Technik ausgerüstet werden. Zu den betroffenen Anlagen zählt auch die Kläranlage Birmensdorf.

Ozon greift Spurenstoffe an

Die neue Anlage, die auf dem freien Gelände in der nordwestlichen Ecke des Areals errichtet werden soll, wendet ein spezielles Verfahren an, das Ozonung heisst. Die bereits in einigen Schweizer ARA eingesetzte Technologie beruht darauf, dass Ozon ins gereinigte Abwasser eingelassen wird. Dort greift es bestimmte Spurenstoffe an, die so biologisch besser abgebaut werden können.

Auf dem Gebäudedach ist eine Fotovoltaikanlage geplant.

Auf dem Gebäudedach ist eine Fotovoltaikanlage geplant.

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Voraussichtlich wird der Bund 70 Prozent des Betrags übernehmen. Das sind 7,3 Millionen Franken. Die definitive Zusicherung erhalten die Gemeinden aber erst nach der Kreditbewilligung.

Warum ist die Anlage teuer geworden?

In der Vergangenheit war beim Preis der Anlage ursprünglich noch von 8 Millionen Franken die Rede – also 2,5 Millionen Franken weniger als jetzt. Hat man sich verschätzt?

Der Birmensdorfer Gesundheitsvorstand Ringo Keller (SVP) und Präsident des Zweckverbands sagt:

«Die Einschätzung von damals war richtig.»

Nur seien im damaligen Preis beispielsweise die Kosten für die Fotovoltaikanlage auf dem Dach noch nicht inbegriffen gewesen. Sie sei erst zu einem späteren Zeitpunkt Teil des Projekts geworden. Was vor allem zu Buche schlage, seien die in der Zwischenzeit stark gestiegenen Rohstoffpreise. «Die Gerätschaften, der Aushub, der Beton – alles wurde teurer», sagt Keller.

Die Gesamtkosten werden unter den Gemeinden aufgeteilt. So soll Aesch 4,6 Prozent (484'000 Franken), Birmensdorf 24,2 Prozent (2,54 Millionen Franken), Bonstetten 15,8 Prozent (1,66 Millionen Franken), Stallikon 15,7 Prozent (1,65 Millionen Franken), Uitikon 22,5 Prozent (2,36 Millionen Franken) und Wettswil 17 Prozent (1,79 Millionen Franken) bezahlen.

Kosten, die nicht inbegriffen sind

Nicht eingerechnet im Kredit von 10,495 Millionen Franken sind Betriebs- und Investitionskosten in der Höhe von jährlich 370'000 Franken. Der Zweckverband weist allerdings darauf hin, dass durch die Einführung der neuen Mikroverunreinigungsstufe die heute geltenden Bundesbeiträge von jährlich 9 Franken pro Einwohner ab 2025 entfallen werden. Das entspricht gemäss Verband jährlichen Einsparungen von total 250'000 Franken.

Unter dem Strich müssen die Gemeinden damit also nur noch 120'000 Franken der ursprünglich 370'000 Franken bezahlen. Auch diese Gesamtjahreskosten werden gemäss Verteilschlüssel auf die Gemeinden aufgeteilt.

Sagen die Stimmberechtigten an der Urne Ja zur Vorlage, kann voraussichtlich im nächsten Sommer der Spatenstich erfolgen und die Anlage zwei Jahre später in Betrieb genommen werden.

Bromid im Abwasser – ein Problem? Poolbesitzer sind zum Handeln aufgefordert

Die Technologie der neuen Reinigungsstufe kann unter bestimmten Umständen zu Problemen führen. Darauf macht das Wasserforschungsinstitut Eawag aufmerksam: «Ist das Abwasser stark mit Bromid verschmutzt, entsteht bei der Ozonung potenziell krebserregendes Bromat, das mit dem geklärten Abwasser in Flüsse und Seen gelangt.»

Um die Anlage überhaupt bauen zu dürfen, musste der Zweckverband Kläranlage Birmensdorf eine Messung der Bromidwerte im Abwasser durchführen. Während einer rund dreijährigen Studie stellte man vereinzelte erhöhte Werte im Frühjahr und im Herbst fest. Der Bericht zu dieser Studie ist in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift «Aqua und Gas» publiziert. Darin schreiben die Autoren, dass die Ausschläge der Bromid-Werte von privaten Swimmingpools stammen.

Bromid wird alternativ zu Chlor als Desinfektionsmittel in Bädern eingesetzt. Und wenn die Besitzer ihre Pools entleeren, gelangt der Stoff ins Abwasser.

Damit das gar nicht erst passiert, will der Zweckverband die Poolbesitzer für das Problem sensibilisieren. Die am 10. November, um 19 Uhr im Gemeindezentrum Brüelmatt in Birmensdorf stattfindende Infoveranstaltung zur Vorlage richtet sich deshalb explizit auch an Poolbesitzer. Der Birmensdorfer Gesundheitsvorstand und Präsident des Zweckverbands Kläranlage, Ringo Keller (SVP), sagt: «Wir versuchen sie dort vom Umstieg auf ein anderes Mittel zu überzeugen.»

Und falls das nicht genügend Wirkung erziele, könne man die Mikroverunreinigungsanlage während der Zeit der Poolentleerungen auch ausschalten oder sie mit weniger Ozoneintrag betreiben. Damit die Kläranlagenbetreiber wissen, wann sie den Ausschaltknopf drücken müssen, sollte der Entleerungszeitpunkt der Pools bekannt sein. Alternativ prüfe man, ob ein Sensor bei der Anlage installiert werden könne, sagt Keller. Dieser würde das System warnen, sobald das Bromidlevel einen bestimmten Grenzwert erreiche.

Keller ist überzeugt von der neuen Technologie: «Gegenüber anderen Methoden hat die Ozonung viele Vorteile. Das Verfahren ist weniger komplex im Unterhalt, einfacher zu installieren und günstiger als andere Techniken.» Das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) hat das Projekt begleitet und teilt die Einschätzungen der Gemeinde.

Am Mittwoch, 10. November, um 19 Uhr findet im Gemeindezentrum Brüelmatt in Birmensdorf eine Infoveranstaltung zum Projekt statt. Poolbesitzer werden bereits eine Stunde früher erwartet. (lue)

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