Coronakrise
Auswirkungen zeigen sich unterschiedlich: Putzinstitute verlieren und gewinnen Aufträge

Reinigungsunternehmen im Limmattal spüren die Auswirkungen der Coronapandemie bei ihren Aufträgen. Die Branche, der die Auftraggeber angehören, spielt eine grosse Rolle.

Carmen Frei
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Einige Auftraggeber von Reinigungsfirmen buchten wegen Corona mehr Reinigungs- und Desinfektionsarbeiten.

Einige Auftraggeber von Reinigungsfirmen buchten wegen Corona mehr Reinigungs- und Desinfektionsarbeiten.

Themenbild: Keystone

Die Coronapandemie bedeutet für viele Unternehmen eine Einnahmeneinbusse. Im Bereich der Reinigung ist die Entwicklung jedoch komplexer als in anderen Branchen. Je nach Sparte konnte hier trotz der weitreichenden Einschränkungen des Alltags – oder gerade deswegen – gar ein Umsatzwachstum verzeichnet werden.

Die verschiedenen Trends zeigen sich zum Beispiel bei der Firma All-Clean am Standort Geroldswil. «Wir hatten zusätzliche Aufträge für Desinfektionen und auch mehr Baureinigungen», sagt Geschäftsinhaber Pierre Lüönd. In anderen Bereichen habe man hingegen eine Abnahme beobachten können. Da einige Geschäfte coronabedingt schliessen mussten, seien deren Aufträge ausgeblieben. «Es hält sich bei uns die Waage», sagt Lüönd. Da die All-Clean AG breit aufgestellt sei, hätten sich Ab- und Zunahmen ausgeglichen. «Wir erhalten Aufträge aus dem Lebensmittelbereich, von Büros, Restaurants oder Cafés. Wir haben Kunden quer durch den Garten», sagt Lüönd. Darum könnten sie nicht sagen, dass sie seit Beginn der Coronapandemie weniger Aufträge erhalten hätten.

Desinfizieren ist hoch im Kurs

Auch die Sopex GmbH in Schlieren erhält zwar weiterhin von diversen Kunden Aufträge, Mitinhaber Carlos Soares musste aber insgesamt einen Rückgang bei deren Zahl feststellen. «Im letzten Jahr waren es weniger als im Normalfall», sagt er. Er erhalte Aufträge von Verwaltungen, aber auch von den SBB sowie von Privatunternehmer. «Wir machen auch Hauswartungen. Manche Verwaltung möchte dann, dass wir auch die Reinigung übernehmen», sagt Soares.

Im Bereich der Reinigung von Treppenhäusern und allgemein beim Unterhalt hätten sie aber mehr Aufträge erhalten als sonst. «Es gab Verwaltungen, die wollten, dass wir am Morgen und am Abend kommen, um zu desinfizieren. Dafür mussten wir sogar zwei neue Mitarbeiter anstellen», sagt er. Bei den Fassadenreinigungen hätten sie hingegen nur fünf von den zehn gebuchten durchführen können.

Die Schwankungen hängen vom Auftraggeber ab

Bei der MC Reinigung GmbH in Dietikon ist hingegen eigentlich alles normal, wie Geschäftsführerin Patricia Costa sagt. Sie erhalte vor allem Aufträge von Privatpersonen und habe keine grosse Veränderung in der letzten Zeit bemerkt. «Bei der ersten Welle hatten wir einige Kunden, die abgesagt haben», sagt sie. Inzwischen merke sie aber keinen grossen Unterschied zum Normalbetrieb. Im Moment hätten sie lediglich eine Absage zu verzeichnen.

Die Nachfrage bei weiteren lokalen Reinigungsunternehmen, die nicht namentlich genannt werden möchten, zeigt, dass die Umsatzentwicklung in den vergangenen Monaten generell stark von den Hauptauftraggebern abhängig war. Bei Unternehmen, die viele Auftraggeber hatten, die schliessen mussten, gingen die Aufträge zurück. Bei Reinigungsunternehmungen mit Kunden, die in der Pandemie offen bleiben konnten, war der Trend jedoch entgegengesetzt. Hier wurden oft zusätzliche Reinigungen angefordert, um die Hygiene am Arbeitsplatz zu gewährleisten.

Vor allem bei kleineren Reinigungsunternehmen wurden diese Schwankungen stark bemerkt. Bei grösseren Reinigungsunternehmen glichen sich Zu- und Abnahme der Aufträge jedoch aus.