Bezirksgericht Dietikon
Slowakin wird des Landes verwiesen: Sie betäubte ihre Opfer und raubte sie danach aus

Eine Wiederholungstäterin aus der Slowakei suchte sich gezielt Männer aus, um sie mit Tabletten in einen Tiefschlaf zu versetzen und danach zu bestehlen. Auch in der Schweiz gelang ihr dies in zwei Fällen. Nun sitzt sie in Haft und muss das Land für fünf Jahre verlassen.

Cynthia Mira
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Die Beschuldigte gestand die Tat bereits im Vorfeld. Am Montag fand das abgekürzte Verfahren im Dietiker Bezirksgericht statt.

Die Beschuldigte gestand die Tat bereits im Vorfeld. Am Montag fand das abgekürzte Verfahren im Dietiker Bezirksgericht statt.

Bild: Alex Spichale

Eine eher kleine, stämmige Frau wurde am Montag mit Handschellen und in Begleitung zweier Polizisten in den Gerichtssaal im Dietiker Bezirksgebäude geführt. Seit 255 Tagen sitzt die 46-Jährige im vorzeitigen Strafvollzug. 24 Monate Gefängnis werden es insgesamt. Danach wird sie für fünf Jahre des Landes verwiesen. So lautet das Urteil, das Gerichtspräsident Stephan Aeschbacher verkündete. Die Beschuldigte gab im Vorfeld bereits ihr Einverständnis. In der Verhandlung bestätigte sie erneut die von ihr verübten Taten und anerkannte die Strafe.

Ein 50-Franken-Angebot mit teurem Nachspiel

Gleich zwei Männer fielen im letzten Sommer auf ihre Masche rein. Mit einem Lächeln erweckte sie am 31. Juli in Zürich das Interesse eines Limmattalers und am 7. August in Luzern jenes eines weiteren Herren. Beide waren ihr zuvor unbekannt. Die Frau begleitete die beiden für 50 Franken, respektive für 150 Franken im zweiten Fall, nach Hause. Dort angekommen, löste sie eine Schlaftablette osteuropäischer Herkunft im ersten Fall in einem Bier und im zweiten Fall eine in einem Espresso auf. Danach raubte die Angeklagte die beiden schlafenden Opfer aus.

Am ersten Abend erbeutete sie Schmuck und Bargeld im Wert von über 6000 Franken. Beim zweiten Treffen nahm sie auch eine Maestrokarte mit, weil sie auf dem Nachhauseweg bei einem Bankautomaten den eingegebenen PIN des Opfers erspähen konnte. Später hob sie mit der gestohlenen Karte Geld ab. Die Slowakin hielt sich für diese Taten in der Schweiz auf; ihr Partner, mit dem sie sich die Beute teilte, ist in einem separaten Verfahren angeklagt.

Im Vergleich zu früheren Urteilen kommt sie «recht gut weg»

Ein Plädoyer von der Verteidigung und die ausführliche Befragung der Angeklagten blieben aus, weil es sich um ein abgekürztes Verfahren handelte. Auch die Äusserungen der Beschuldigten fielen kurz aus. Meistens wurde ein «Ja» oder «Nein» von der anwesenden Dolmetscherin ins Deutsche übersetzt. Sie wirkte gefasst. Einzig bei der Frage von Aeschbacher, was sie sich für die Zukunft vorstelle, war die Antwort etwas ausführlicher. Sie sagte:

«Ich will nach Hause, eine Arbeit finden, Zeit mit meinen Kindern verbringen und ein normales Leben leben.»

Auf die Frage, wie sie sich das auf legalem Weg vorstelle, meinte sie: «Ich werde in der Slowakei schon etwas finden, und ich will nicht mehr machen, was ich bisher tat.» Es tue ihr leid und sie bitte um eine neue Chance.

Strafmindernd wirkte sich das Geständnis aus, wobei dies schleppend gewesen sei, wie Aeschbacher in seiner Erläuterung zum Urteil festhielt. Zu beachten sei die gesundheitliche Gefährdung der älteren Männer, die sie in Kauf genommen habe. Zudem sei sie gleich an zwei Abenden mit demselben Vorgehen straffällig geworden. Die Angeklagte sei als Kriminaltouristin zu betrachten.

Strafverstärkend wirkten sich ihre einschlägigen Vorstrafen in Österreich aus. Denn die Beschuldigte wurde im Ausland in vier früheren Fällen verurteilt: «Ja, diese Fälle waren ähnlich», bestätigte sie. Deshalb käme eine bedingte Freiheitsstrafe nicht infrage, sagte Aeschbacher. Und der Landesverweis sei in einem solchen Fall obligatorisch. Er betonte:

«Das Urteil ist am unteren Rand des möglichen Strafrahmens.»

Sie komme im Vergleich zu den Fällen im Ausland hier recht gut weg. Schuldig gesprochen wurde sie des mehrfachen Raubs und des betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage. Die Verfahrens- und Gerichtskosten werden ihr zur Last gelegt. Die Kosten der Verteidigerin übernimmt die Gerichtskasse. Sobald die Haft ausgestanden ist, wird die Beschuldigte aus der Schweiz ausgeschafft.

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