Birmensdorf
«Letztes Mal war es rockiger, dieses Mal wird es feiner»: «Organ meets Drums» geht am Ostersonntag weiter

Orgel und Schlagzeug treffen sich wieder in der katholischen Kirche St.Martin in Birmensdorf. Für das zweite Konzert hat Organist Wolfgang Bolsinger neue Verstärkung erhalten.

Carmen Frei
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Schon bei den Proben zum zweiten Teil des «Organ meets Drums»-Konzerts harmonierte es zwischen Wolfgang Bolsinger und Martin Hämmerle.

Schon bei den Proben zum zweiten Teil des «Organ meets Drums»-Konzerts harmonierte es zwischen Wolfgang Bolsinger und Martin Hämmerle.

Carmen Frei / Limmattaler Zeitung

Musik für Synthesizer auf der Orgel und dem Schlagzeug: Der Birmensdorfer Kirchenmusiker Wolfgang Bolsinger hat die Idee bereits letztes Jahr im Oktober umgesetzt, nun geht sie in die zweite Runde. Der zweite Teil von «Organ meets Drums» wird am Ostersonntag um 20 Uhr aus der katholischen Kirche St.Martin in Birmensdorf übertragen. Die Stücke des französischen Electro-Musikers Jean-Michel Jarre wurden bereits im Vorfeld eingespielt und für die Übertragung auf dem Youtube-Kanal «Vox Sacra» zusammengeschnitten.

«Letztes Mal war es rockiger, dieses Mal wird es feiner», sagt Wolfgang Bolsinger. Rumba und Calypso sind vertreten, die Stücke werden rhythmischer sein. Auch bei der Besetzung gab es eine Änderung. Für Schlagzeuger Rob Steinicke, der beim ersten Mal mitspielte, war es dieses Mal zu schwierig, aus Frankreich anzureisen. Darum fragte Bolsinger bei einem Freund des Schlagzeugers nach. Nun sitzt Martin Hämmerle an den Drums.

Der neue Schlagzeuger ist kein Unbekannter

Hämmerle ist aus Bregenz angereist. Als Musiker hat er schon überall mitgemischt. Er war mit der Sängerin Natacha sogar einmal die Nummer eins der Schweizer Charts. Hämmerle kommt viel herum und hat schon in über 50 Bands gespielt.

Visuell wird das Konzert wieder vom selben Team um Ilja Barisic und Manfred Darm begleitet. Allerdings werden die Effekte im Vergleich zum ersten Konzert ruhiger gehalten.

Hämmerle und Bolsinger harmonierten bereits bei den ersten Proben gut, auch wenn die Musik von Jean-Michel Jarre nicht einfach zu spielen ist. «Jarre hat mit zwölf Synthesizern gearbeitet. Ein klassisches Notenbuch gibt es nicht», erklärt Bolsinger. Vieles funktioniert nur über das Hören der Stücke.

Jean-Michel Jarres Stücke überraschen beim Spielen

Die beiden sind begeistert von Jarres Musik. «Er ist ein Showman, aber er ist auch hochmusikalisch», findet Hämmerle. Bei den Proben hätten sie alle paar Sekunden wieder eine Fertigkeit in der Musik festgestellt, sagt Bolsinger. «Das merkt man beim Hören nicht, nur beim Spielen.»

Die Werke des französischen Musikers passten aber gut zur Orgel. «Zuerst war die Idee, im Grossmünster zu spielen.» Dort stehe allerdings eine klassische Orgel. «Die Kirchenorgel kann man nicht so dynamisch spielen», erklärt Bolsinger. Häufig sei es sowieso schwierig, mit dieser Musik in die Kirche zu kommen. «Alles, was nicht von Johann Sebastian Bach oder Georg Friedrich Händel ist, ist schnell des Teufels», bemerkt Bolsinger. In Birmensdorf sei Andreas Zgraja, der nun bereits seit eineinhalb Jahren in der katholischen Kirche Pfarrer ist, sehr offen für das Projekt gewesen.

«Es ist weltliche Musik im sakralen Raum», sagt Martin Hämmerle. Die besondere Atmosphäre in der Kirche trage zum speziellen Erlebnis bei. Wolfgang Bolsinger findet, dass sich die Kirche in Birmensdorf auch merklich von anderen unterscheidet: «Das Konzert könnte ich mir in der Kirche in Einsiedeln nicht vorstellen.» Zu überladen sei dort der Raum mit sakralen Ornamenten und Symbolen.

Das erste Konzert polarisierte

Das erste «Organ meets Drums»-Konzert führte laut Bolsinger zu interessanten Rückmeldungen aus der Gemeinde. «Es ist extrem polarisierend. Die einen fanden es super, die anderen furchtbar, dass wir solche Musik in einer Kirche spielen.»

Er habe auch Feedback von Jarre erhalten, allerdings nur in zwei Sätzen. «Jarre ist nicht jemand, der sozial ist», sagt Bolsinger. Dafür sei er auch mit 72 Jahren noch immer neugierig und befasse sich mit den neuen technischen Möglichkeiten.

«Jean-Michel Jarre ist der einzige Künstler, der zum eigenen Plagiat aufgefordert hat. Er will nur die Nennung als Urheber», sagt Bolsinger zu den Covern. «Er ist auch der einzige Künstler, den die meisten nur vom Hören kennen.»

Bei ihm und Hämmerle wird es aber nicht ganz wie bei Jarre tönen. Ihre Cover sollen anders klingen. Das ist auch technisch bedingt: «Jarre kann alles programmieren. Wir sind hingegen Menschen und keine Maschinen. Das macht es aber lebendiger», findet Bolsinger.

Die Pandemie ist nach wie vor einschneidend für Musiker

Bolsinger sieht es als grosses Glück, dass er immer noch musizieren kann. «Bei vielen Künstlern geht im Moment gar nichts», sagt er. Die Szene werde nicht ernstgenommen, nicht nur die Musik, sondern generell die Kultur. Er rechnet nach der Coronapandemie mit drastischen Veränderungen: «Wenn einmal so viel wegfällt, dann kann man nicht einfach wieder zurück.» Dabei hätten sich viele Künstler und Veranstalter sehr viel Mühe gegeben mit den Schutzkonzepten.

Youtube findet Bolsinger eine gute Plattform für das Streaming des Konzerts. «Aber es ist halt etwas anderes als ein richtiges Konzert.»

«Organ meets Drums»

Ostersonntag, 4. April 2021, 20 Uhr

Das gesamte «Organ meets Drums»-Konzert kann ab dem Ostersonntag auf dem Youtube-Kanal «Vox Sacra» angesehen werden.

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