Klangblitze im Limmattal

Blitzkonzerte überraschen am Ufer, im Einkaufszentrum und an vielen weiteren Orten

Die «Klangblitze» belebten am Wochenende das Limmattal mit kleinen musikalischen und tänzerischen Darbietungen an unerwarteten Orten und mit speziellen Instrumenten und Musikstilen

Eine idyllische Szenerie bot sich am Sonntagnachmittag entlang des rechten Limmatufers: Farbige Laubblätter verzierten den Uferweg, die Herbstsonne glitzerte auf dem Wasser, wo ein Boot trieb. Unter der Unterführung am Limmatuferweg in Oetwil musizierte der mitreissende Oriental-Gypsy-Cocktail von Ssassa.

Ssassa – bestehend aus dem mazedonischen Trompeter Denis Zekirov, seinem Sohn Mecid an der Trommel, dem türkischen Perkussionist Kadir Erdogan und dem Saitenspezialist Christian Fotsch – sangen am Limmatufer in drei verschiedenen Sprachen: serbisch, portugiesisch und albanisch. Unter den Zuhörern befand sich auch der Oetwiler alt Gemeindepräsident Paul Studer: «Die orientalische Musik hat einen mitreissenden Rhythmus, die die Band mit einfachen Mitteln erzeugte», sagte der 75-Jährige. Auch die Akustik unter der Brücke gefiel Studer besonders gut.

Dem Fluss weiter südöstlich folgend, kamen Limmattalerinnen und Limmattaler bei der Sportanlage Werd in Geroldswil in den Genuss afghanischer Musik. Sänger Ali Rahimi spielte auf dem zweisaitigen Zupfinstrument Dambura. Begleitet wurde er von Rahim Rahimi mit der Trommel. In seiner Heimat durfte Rahimi aus religiösen Gründen keine Musik spielen. «Meine Musikstücke handeln meistens von meiner Heimat oder Liebe», verriet Rahimi, der seit fünf Jahren in der Schweiz lebt. Die «Klangblitze» an der Limmat waren Teil des Projekts Klangteppich Limmattal: Kleine musikalische und tänzerische Darbietungen belebten am Wochenende das ganze Limmattal zwischen Zürich und Baden. Für das Projekt, das im Rahmen der Zwischenschau «Regionale 2025 auf Tour» stattfand, wurde eigens der Verein Klangteppich gegründet. Mit der ersten von zwei Zwischenschauen will der Verein Regionale Projektschau Limmattal mit diversen Anlässen und Projekten die Attraktivität des Limmattals hervorheben und bereits auf seine grosse Projektschau im Jahr 2025 hinweisen. (cel)

Roshan Silva zog mit dem Klang seiner Hang viele in den Bann.

Roshan Silva zog mit dem Klang seiner Hang viele in den Bann.

Seine meditative Musik beruhigt die Menschen

Beim alten Bauamt trafen am Samstag die «Klangblitze» auf das «Studio Dietikon». Die Darbietungen, die hier nach der Mitwirkungsveranstaltung geboten wurden, fanden in intimer Atmosphäre statt, so konnte man sich bestens auf die Musik einlassen. Nach Julia Weissbarth an der Harfe und Claudia Weissbarth an der Flöte spielte Roshan Silva auf der Hang (berndeutsch für Hand), auf die man mit den Händen und Fingern klopft. Sie wurde vor 19 Jahren in Bern erfunden, ist aber noch nicht allen bekannt. «Es ist ein neuer Klang für diese Welt, die Leute sind neugierig», sagte der Klotener Silva, der die Hang seit vier Jahren spielt. Zuvor tat er das auch noch im Dietiker Löwenzentrum. Meditative Steel-Musik traf Shopping-Gewusel. Silva nutzt die Hang auch in seinem Beruf als Pfleger, spielt etwa vor seinen Klienten: «Die Leute sind danach ruhiger, entwickeln Gelassenheit.» Auch Claudia und Julia Weissbarth waren begeistert: Sie tauschten mit ihm Nummern aus, um ein Harfe-Hang-Flöte-Projekt anzugehen. Die Dynamik freute Organisatorin Jutta Freiwald vom Verein Klangteppich. (deg)

SONY DSC Zeitgenössischer Tanz mit Sofia und Neil zur Toggenburgermesse von Peter Roth

Sofia Kovaleva und Neil Höhner zeigten moderne Tänze in der Kirche.

SONY DSC Zeitgenössischer Tanz mit Sofia und Neil zur Toggenburgermesse von Peter Roth

Modern und volkstümlich treffen sich

Die Toggenburger Messe «Juchzed und singed» komponierte Peter Roth im Jahr 1991. In ihr verbindet er ältere Sätze mit neueren zu einer ökumenischen Abendmahlmusik. Reisen und Aufenthalte auf der ganzen Welt inspirierten den Komponisten zur Schaffung einer weltumspannenden, verbindenden Volksmusik. Chorleiter Karl Scheuber und der ökumenische Kirchenchor Urdorf interpretierten diese heimatlichen Klänge am Sonntagmorgen in der Urdorfer Bruder-Klaus-Kirche. Unterstützt wurden sie von Claudia Beck am Hackbrett, den Klarinettisten Klara Lindner und Darko Percevic sowie dem Kontrabassisten Diego Caruso und der Organistin Naoko Matsumoto. Dazu führten Sofia Kovaleva und Neil Höhner, beide Tanzlehrer der Urdorfer Tanzfabrik, zeitgenössische Tänze vor.
Martin Büchi, im Vorstand des Kartells der Ortsvereine Urdorf für Kultur zuständig, hatte den Anlass koordiniert. «Ich bin begeistert, wie die Tänzer diese volkstümlichen Klänge in einer wunderbaren, stilvollen und ruhigen Art umsetzten», sagt er. Sarah Heldner, die Leiterin der Urdorfer Tanzfabrik, erklärte beim Apéro, dass alles improvisiert sei, ohne einstudierte Choreografien. «Das Ganze kam für mich und bestimmt auch für die Zuhörerinnen und Zuhörer sehr anmutig daher», so Heldner. Und Chorleiter Karl Scheuber ergänzte: «Es hat mir sehr gefallen, wie die beiden Interpreten ihre eigene Geschichte zu den Melodien ‹Juchzed und singed› tänzerisch erzählten.» (cm)

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