Dass Diskussionen um Budgets und Zahlen eben doch emotional sein können, zeigte die Gemeindeversammlung der Schule Urdorf am Mittwochabend in der Mehrzweckhalle Zentrum. Debattiert wurde nicht etwa über Aufwandüberschüsse oder den Steuerfuss, sondern über den Schwimmunterricht im Kindergarten.

Einige Eltern baten die 231 erschienenen Stimmberechtigten darum, das Angebot wieder ins Budget aufzunehmen. Bereits im Vorfeld der Versammlung machten sie auf ihr Anliegen auf Facebook aufmerksam (die Limmattaler Zeitung berichtete). Die Schulpflege hatte den Schwimmunterricht auf der Kindergartenstufe im letzten Dezember aus Spargründen aus dem Voranschlag 2018 gestrichen.

Diesen Entscheid wollten die Eltern korrigieren. Es gelang ihnen.
«Unsere Kinder und wir Eltern wünschen uns, dass der Schwimmunterricht im Kindergarten wieder Bestand hat. Der Erstkontakt mit Wasser unter kundiger Anleitung ist wichtig und bereitet die Kinder auf den obligatorischen Schwimmunterricht in der Primarschule vor», sagte eine Votantin.

Zudem verfüge Urdorf mit dem Lehrschwimmbecken im Hallenbad über die ideale Voraussetzung für die Durchführung dieses Angebots. Sie forderte in einem Änderungsantrag, dass 20'000 Franken für den Schwimmunterricht unter der Position Gemeindebesoldung Kindergarten ins Budget 2019 aufgenommen werden.

Freude am Bewegen im Wasser

Mit einem emotionalen Plädoyer doppelte eine andere Stimmbürgerin nach: «Nach Verkehrsunfällen ist der Tod durch Ertrinken die zweithäufigste Todesursache bei Kindern. Schwimmunterricht ist ein wichtiger Schritt in Richtung Unfallprävention. Ihre Stimme kann einem Kind das Leben retten.»

Eine Schwimmlehrerin machte sich ebenso stark für die Wiederaufnahme des Angebots. «Es gibt viele Kinder, deren Eltern nicht die Möglichkeit haben oder nutzen, ins Schwimmbad zu gehen», sagte sie und fragte, wie es möglich sei, den Kindern in der ersten Klasse das Schwimmen effizient und sicher beizubringen?

Die Antwort lieferte sie gleich selbst: «Indem man spätestens im Kindergartenalter die Freude am Bewegen im Wasser entdeckt.»

Schulpräsidentin Irmgard Struchen (CVP) verteidigte das Vorgehen der Schulpflege: «Das Angebot wurde gestrichen aufgrund eines klaren Mehrs an der Gemeindeversammlung. Die Schulpflege erhielt den Auftrag zu sparen. Und Sparen heisst Verzichten.»

Der Schwimmunterricht sei vom Volksschulamt nicht gesetzlich vorgegeben. Es handle sich lediglich um sechs bis sieben Lektionen. «Der Personalaufwand für eine Halbklasse ist mit drei Personen, also für eine Schwimmlehrperson, eine Betreuungsperson und eine Lehrperson, die die andere Halbklasse betreut, sehr hoch», sagte Struchen.

Diese Aussagen vermochten die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger aber nicht zu überzeugen. Der Änderungsantrag wurde ohne Gegenstimme angenommen.

Geld für Heizanlage gestrichen

Das Budget erfuhr aber noch eine weitere Änderung. Der Betrag von 500 000 Franken für den Ersatz der Heizanlage für die Schulliegenschaften an der Bahnhofstrasse, für den Doppelkindergarten an der Schulstrasse und die Zivilschutzanlage im Embri wurde aus der Investitionsrechnung gestrichen.

Eine Votantin forderte die Streichung in einem Antrag. «Die Gemeinde erarbeitet derzeit eine Immobilienstrategie. Solange diese nicht feststeht, macht es keinen Sinn, weitere Investitionen in diese Heizanlage zu tätigen», sagte sie.

Liegenschaftenvorstand René Eberle (SVP) nahm Stellung: «Die Heizanlage ist in letzter Zeit immer störungsanfälliger. Der Ölverbrauch ist mit bis zu 6000 Litern pro Monat sehr hoch. Deshalb ist im Januar eine Zustandsanalyse geplant, um herauszufinden, was es braucht, um die Heizung zu sanieren oder zu erneuern.» Wichtig sei, dass die Anlage für die vielen Schulgebäude funktionstüchtig sei. «Die Immobilienstrategie wird erst in vier bis sechs Jahren realisierbar sein. Für diese Übergangszeit benötigen wir eine Lösung», sagte Eberle.

Das Stimmvolk stellte sich mit 129 Ja- zu 56 Nein-Stimmen hinter den Antrag. Das Budget wurde schliesslich nach den erfolgten beiden Änderungen von den Urdorferinnen und Urdorfern gutgeheissen.

Dieses sieht ein Plus von 2,3 Millionen Franken bei einem gleichbleibenden Steuerfuss von 62 Prozent vor. Grünes Licht gaben die Stimmberechtigten auch der neuen Gebührenverordnung. Der Antrag wurde einstimmig angenommen.