Bundesratsentscheid
Wie lukrativ ist die Gartenwirtschaft? Limmattaler Wirte sind skeptisch

Die Limmattaler Beizen dürfen ihre Restaurantterrassen wieder öffnen – doch die Unsicherheit bei den Gastronomen bleibt. Nicht alle wollen das Risiko eingehen.

Sven Hoti
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Die Waldschenke Altberg oberhalb von Oetwil bedient am Montag wieder Gäste auf ihrer Terrasse.

Die Waldschenke Altberg oberhalb von Oetwil bedient am Montag wieder Gäste auf ihrer Terrasse.

Archivbild: Severin Bigler (17. August 2017)

Und dann kam er endlich, der von vielen lang ersehnte Bundesratsentscheid: Gartenbeizen dürfen wieder öffnen. Die Landesregierung hat den Gastrobetrieben am Mittwoch grünes Licht gegeben. Ab nächstem Montag dürfen diese auf ihren Terrassen zwischen 6 und 23 Uhr unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln wieder Gäste empfangen. Während die Bevölkerung damit einen Teil Normalität zurückerhält, ist die Unsicherheit bei den Gastronomen mit dem Entscheid immer noch da.

«Die Situation ist sehr schwierig, man hat null Planungssicherheit», sagt Nicole Holenstein. Sie ist Inhaberin der Holenstein Gastro, welche diverse Gastro- und Hotelbetriebe im Kanton Zürich betreibt – unter anderem auch den «Löwen» in Weiningen. Wegen des kalten Wetters könne man momentan gar nicht draussen sitzen, meint Holenstein. «Vor dem nächsten Donnerstag lohnt sich eine Öffnung also gar nicht.»

Verhalten ist die Stimmung auch beim Wirt des Restaurants Taverne zur Krone in Dietikon. «Es ist ein Anfang, sagen wir es mal so. Aufgehen tut es nicht», sagt Heinz Schenkel. Seiner Meinung nach wäre es besser gewesen, wenn der Bundesrat noch drei Wochen gewartet, dann aber die Restaurants komplett geöffnet hätte. Trotzdem will er seine Gartenbeiz öffnen, allerdings erst auf Anfang Mai. Er brauche die verbleibende Zeit unter anderem, um Vorbereitungen für die Wiederaufnahme des Betriebs zu treffen. Schenkel:

«Die Unsicherheit ist enorm, darum sollte man jetzt keinen Schnellschuss machen.»

Zeit, um sich vorzubereiten, bräuchte eigentlich auch der Geschäftsführer der Waldschenke Altberg oberhalb von Oetwil. Nun öffnet die Gartenbeiz mit Sicht übers Limmattal aber doch schon diesen Montag. «Wir haben das Glück, über eine relativ grosse Terrasse zu verfügen, wo es relativ einfach möglich ist, die Sicherheitsmassnahmen einzuhalten», sagt Thomas Hoffmann. Dennoch fielen mit den geltenden Regeln – maximal vier Personen pro Tisch und 1,5 Meter Abstand zwischen den Tischen – 50 Prozent seiner Kapazitäten weg.

Warten auf angenehmere Temperaturen: Die Terrasse des Restaurants Zu den Zwei Raben beim Kloster Fahr will schon bald wieder Gäste empfangen.

Warten auf angenehmere Temperaturen: Die Terrasse des Restaurants Zu den Zwei Raben beim Kloster Fahr will schon bald wieder Gäste empfangen.

Bild: Britta Gut

Auch die Terrasse des Restaurants Zu den Zwei Raben beim Kloster Fahr soll bald wieder aufgehen. Zwar würden manche Plätze wegfallen, sagt Managerin Nicole Sozzi. Ein wirtschaftlicher Betrieb sei jedoch möglich. «Mit dem vielen Platz draussen haben wir ein grosses Privileg und sind nicht extrem eingeschränkt.» Eine Öffnung des Restaurants wäre gemäss den geltenden Öffnungszeiten ab nächstem Mittwoch möglich. Allerdings seien die Temperaturen noch immer zu tief, meint Sozzi. «Sobald die Gäste draussen gemütlich speisen und trinken können, werden wir die Gartenwirtschaft wieder öffnen.»

Voraussichtlich ebenfalls öffnen wird das Selbstbedienungsrestaurant beim Fährigarten auf dem Klosterareal. Der Picknickplatz dient Ausflüglern als idyllischer Stopp für eine Zwischenverpflegung. Eine Registrierung aller Gäste – wie Sozzi anfänglich vermutet hatte, sei nötig – wäre so unmöglich gewesen. Inzwischen habe sich jedoch herausgestellt, dass nur eine Person pro Gästegruppe registriert werden müsse. Sozzi:

«Das sind für uns gute Nachrichten und wir hoffen, dass wir den Fährigarten entsprechend in Betrieb nehmen können. Wir warten aber noch das Schutzkonzept von Gastro Suisse ab.»

Anders sieht es bei der «Linde» in Weiningen aus. Eine Teilöffnung kommt für Wirtin Maya Grossmann nicht in Frage: «Ich habe mir das nach dem Bundesratsentscheid nochmal gut überlegt. Das Problem ist einfach, dass unsere Terrasse zu klein für einen wirtschaftlichen Betrieb ist.» Die finanziellen Risiken, die mit einer Öffnung einhergingen, seien ihr zu gross: «Unser Ziel ist es immer, dass wir es schaffen, den Betrieb kostendeckend zu betreiben.» Dies sei bei einer Teilöffnung jedoch nicht der Fall.

In einer früheren Version des Artikels hiess es, der Fährigarten beim Kloster Fahr könne aufgrund der Registrierungspflicht für alle Gäste nicht betrieben werden. Dem ist jedoch nicht so (siehe Text).

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