Geroldswil

Daniel Jositsch: «Jeder muss bereit sein, Verantwortung zu übernehmen»

Der Zürcher Ständerat Daniel Jositsch (SP) sprach in seiner 1.-August-Rede in seinem Heimatort Geroldswil über Wohlstand und Risikobereitschaft.

«Ich bin heute heimgekommen», sagte der Zürcher Ständerat Daniel Jositsch (SP) als er vom Rednerpult aus auf die Menge auf dem Geroldswiler Dorfplatz blickte. Der in Stäfa wohnende Professor und Rechtsanwalt ist nämlich in Geroldswil heimatberechtigt. «Wenn Sie bis jetzt noch nicht wussten, für was ein Heimatort gut ist, dann sag ich Ihnen: Es ist gut, um die 1.-August-Rede zu Hause zu halten», sagte Jositsch. Die Ansprache in Geroldswil sei etwas Besonderes für ihn. Als Ständerat erhalte er bereits im Herbst Anfragen für Bundesfeiern im kommenden Jahr. Doch bei Geroldswil sei es umgekehrt gewesen. «Weil ich schon lange einmal für eine 1.-August-Rede in meine Heimatgemeinde kommen wollte, habe ich mich beim Gemeindepräsidenten gemeldet», verriet Jositsch. Etwas Spezielles schien der Besuch auch für die Geroldswiler zu sein. Die Bundesfeier, umrahmt von der Schwyzerörgeli-Musig zum Ofebänkli, war so beliebt, dass Gemeindepräsident Michael Deplazes (parteilos) beim Bereitstellen weiterer Stühle und Bänke mithelfen musste.

«Unsere Gesellschaft ist reich, aber auch bequem»

In seiner Rede konzentrierte sich der in Oberengstringen aufgewachsene Politiker auf drei Eckpfeiler, die für ihn eine erfolgreiche Gesellschaft und Wirtschaft ausmachen: Innovation, Risikobereitschaft und Verantwortung. «Unsere Gesellschaft ist relativ reich, aber auch sehr bequem. In der Schweiz hat man Wohlstand, Sicherheit und Arbeitsplätze. Doch der Wohlstand ist kein Naturgesetz und nicht in Stein gemeisselt. Man muss dafür arbeiten.» Es sei verständlich, dass man Angst habe, das zu verlieren. Um das Gute zu bewahren, tendiere man aber dazu, wenig Risiken einzugehen. «Doch Risikobereitschaft bringt einem weiter.» Man könne nicht alles voraussehen. Manchmal gehöre auch das Scheitern dazu. Dazu erwähnte er den Start von Mc Donald’s in der Schweiz als Beispiel. In den 1980er-Jahren habe sich die Fast-Food-Kette die Zähne an den Schweizern ausgebissen. Mc Donald’s sei in Zürich nicht angekommen und man habe sich zurückgezogen, um es dann erneut und mit Erfolg zu versuchen.

Wichtig für den Erfolg ist laut Jositsch die Innovation. «In Zeiten der fortlaufenden Digitalisierung muss man als Gesellschaft und Wirtschaft aktiv bleiben.» Als abschreckendes Beispiel nannte er die Firma Nokia, die vor zehn Jahren nicht an die Zukunft der Smartphones glaubte. «Innovation erreicht man, wenn man Risiken eingeht.» Gleichzeitig müsse jeder bereit sein, Verantwortung für das Kollektiv zu übernehmen. «Es braucht Leute, die führen wollen, die Entscheidungen treffen.» Das habe nichts mit Chef spielen zu tun, sondern eben wieder mit Verantwortung.

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Autor

Sibylle Egloff

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