Cinéma Capitol
«Das ist ein ganz anderes Zuschauen» - das Cinéma Capitol in Dietikon rüstet auf

Das Cinéma Capitol rüstet laufend nach, um mit den grossen Kinos mithalten zu können. Eben haben Claudia und Martin Romer die HFR-Technologie einbauen lassen. Sie sind von der neusten Technologie absolut überzeugt.

Katja Landolt
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Claudia und Martin Romer sind stolz, dass sie ihren Gästen Filme in der neuen HFR-Technologie anbieten können

Claudia und Martin Romer sind stolz, dass sie ihren Gästen Filme in der neuen HFR-Technologie anbieten können

ksc

Das ist man als Kinobesucher inzwischen gewohnt: Figuren und Gegenstände, die einem dank 3-D-Technologie entgegen springen. Das ist auch bei dem Kurzfilm nicht anders, den Claudia Romer als Anschauungsmaterial abspielt. Zu sehen ist ein Karussell; die Holzpferdchen, der Zaun, die Gesichter, alles wirkt plastisch. Doch zum Bildrand hin beginnen die Pferdchen zu flackern, das Bild wirkt unscharf, die Lichter am drehenden Karussell sind umgeben von einem flirrenden Kranz.

«Als wäre man mittendrin.»

Nach einem kurzen Unterbruch der gleiche Film, aber ein ganz anderer Effekt: Die Pferdchen verschwinden fliessend aus dem Bild, die Lichter sind gestochen scharf. Das Bild wirkt natürlicher. Die Erklärung: Der erste Film wurde mit 24 Bildern pro Sekunden gezeigt, der zweite mit doppelt so hoher Bildfrequenz. Diese Technologie nennt sich HFR - High Frame Rate. Vor ein paar Tagen haben Claudia und Martin Romer die neue Technologie in ihrem Cinéma Capitol einbauen lassen. Sie sind von der neuen Bildqualität begeistert. «Das ist ein ganz anderes Zuschauen», sagt Martin Romer und schiebt die 3-D-Brille hinter die Ohren, während es im Saal heller wird. «Als wäre man mittendrin.»

Die Technologie ist brandneu und nicht nur für Kinos, sondern auch für die Produzenten teuer. Die Szenen müssen mit Spezialkameras gedreht werden, was sich nur für die ganz grossen Produktionen lohnt. Bis die Romers vom HFR-Bildformat profitieren können, dauert es noch einen Moment. So wurde bisher weltweit erst die «Hobbit»-Trilogie in HFR-Qualität gedreht. Der erste Teil ist schon im Dezember gelaufen, Teil zwei folgt im Winter, Teil drei im Sommer 2014. Auch die Fortsetzung von «Avatar» wurde auf 2014 mit HFR angekündigt. Bis im Winter müssen sich die Kinogänger also noch gedulden. «Wir sind von den Produzenten abhängig», sagt Martin Romer. «Wird ein Film nicht in HFR-Bildformat produziert, können wir auch keinen Film in HFR-Qualität anbieten.»

Anderen Kinos technisch voraus

Es wäre also noch genügend Zeit geblieben, mit dem Aufrüsten zuzuwarten. Aber das wollen die Romers nicht, die Familientradition des innovativen Kinobetriebs verpflichtet. «Wir wollen als Kleinbetrieb bei den Ersten sein, die die HFR-Technologie anbieten», sagt Martin Romer. So sei man den anderen Kinos technisch gesehen ein paar Schritte voraus; erst rund 20 Deutschschweizer Kinos haben die Technologie eingebaut. Als Kleinbetrieb seien technische Neuerungen nebst dem Ambiente, der Sauberkeit und dem Angebot das Mittel, sich zu behaupten. Claudia Romer: «Die Leute kommen von weit her, um neue Technologien zu sehen.»

Mit dieser Einstellung pokern die Romers hoch. Jede Neuerung stellt das Familienunternehmen vor eine finanzielle Herausforderung. Aber sie sind davon überzeugt, dass HFR die Zukunft ist - auch wenn die neue Technologie in Internetforen kontrovers diskutiert wird; der Kino-Stil gehe durch das perfekte Bild verloren bemängeln die Kritiker. «Bei technischen Entwicklungen sind die Leute im ersten Moment immer skeptisch», sagt Martin Romer. Gleichzeitig würden sie sich aber jeweils auch schnell an die höhere Qualität gewöhnen. «Wenn wir heute einen ganz normalen 35-Millimeter-Film zeigen, beschweren sich die Gäste über die schlechte Bildqualität, weil der Filmstreifen rasch zerkratzt und Striemen sichtbar werden.»

Kein Ende in Sicht

Die Technik hat sich in den letzten Jahren extrem schnell weiterentwickelt. Waren 35-Millimeter-Filme über Jahrzehnte hinweg Standard, ist es noch keine drei Jahre her, seit das Cinéma Capitol mit der Umstellung auf Digital und 3-D für eine halbe Million Franken aufgerüstet hat. Jetzt stellen sie für rund 15 000 Franken auf HFR um, und das Ende der Fahnenstange ist noch längst nicht erreicht. Martin Romer ist davon überzeugt, dass an der Bildqualität so lange gearbeitet wird, bis die Frequenz des menschlichen Auges erreicht ist. Und die liegt zwischen 60 bis 70 Bildern pro Sekunde.

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