Coronavirus

Das Limmi und die Zürcher Spitäler warten auf die Coronawelle

Das Spital Limmattal ist vorbereitet: Trifft die erwartete Coronawelle ein, stellt das Limmi seinen Betrieb innert Stunden um.

Das Spital Limmattal ist vorbereitet: Trifft die erwartete Coronawelle ein, stellt das Limmi seinen Betrieb innert Stunden um.

Die Bettenkapazität wurde in den vergangenen Wochen erhöht, die Arbeitspläne der Spitalangestellten wurden angepasst: Wie das Zürcher Gesundheitssystem kurz vor dem Eintreffen der Coronawelle aufgestellt ist.

In rund eineinhalb Wochen dürfte die erste Coronawelle über die Zürcher Spitäler hereinbrechen. «Wir sind gerüstet», lautet das Fazit einer Medienkonferenz der Zürcher Gesundheitsdirektion von gestern Nachmittag, die wegen des grassierenden Virus virtuell abgehalten wurde.

«Wir haben die Bettenkapazität deutlich gesteigert», sagte Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP). Ende Februar gab es im Kanton 194 Betten mit Beatmungsmöglichkeiten, inzwischen sind es 366. Und das ist noch nicht das Ende: «Wir werden die Zahl weiter erhöhen.»

«Wir sind bereit, unseren Beitrag zur Bewältigung dieser Pandemie zu leisten», hielt auch Thomas Brack, der Direktor des Spitals Limmattal, fest. In einer ersten Phase sei zunächst eine vom restlichen Spitalbetrieb räumlich abgetrennte Corona-Abklärstation eingerichtet worden (die «Limmattaler Zeitung» berichtete). Danach hätten sich die Limmi-Verantwortlichen seit Mitte März vertieft mit den Intensivpflegeplätzen und den damit verbundenen Fragen der Personalressourcen auseinandergesetzt.

Nun wartet man auf die dritte Phase: das Eintreffen der Coronawelle. «Bei Bedarf können wir innert Stunden umstellen», sagte Brack gestern. Vorgesehen ist am Limmi, dass die Zahl der Beatmungsplätze von heute fünf auf zwölf erhöht wird und mehr Betreuungsmöglichkeiten für Coronapatienten bestehen. Um dies zu erreichen, werden gemäss Brack beispielsweise die Einsätze auf Zwölf-Stunden-Schichten ausgedehnt. Zudem soll zusätzliches geschultes Personal für die Intensivpflege bereitstehen.

Studierende und Lernende werden aushelfen

Gerade beim Personal orten die Verantwortlichen den grössten möglichen Engpass: «Der limitierende Faktor ist nicht die Bettenkapazität, nicht das Schutzmaterial, sondern das medizinische Fachpersonal», sagte Christian Schär, der Präsident des Verbandes Zürcher Krankenhäuser. Für die erste Welle sei aber genügend Personal vorhanden. «Wie es weitergeht, wird sich später zeigen.»

Eine Massnahme sei, dass der derzeitig noch geführte Fernunterricht in den Bildungszentren des Gesundheitswesens sukzessive heruntergefahren werde. 5000 Studierende und Lernende könnten so den Zürcher Spitälern zur Verfügung stehen. Schär sprach von 5000 Arbeitstagen pro Woche – und damit von einer «erheblichen Unterstützung.»

Am Limmi wird derweil insbesondere auch auf die internen Ressourcen gesetzt. «Wir schauen, dass wir die zwölf Beatmungsplätze selber betreiben können», hielt Brack fest. So werden intern Kurse durchgeführt, um geeignete Mitarbeitende von anderen Stationen für die Arbeit auf der Intensivpflegestation vorzubereiten.

Kanton Zürich stellt bald Spezialmasken her

Vereinzelt ist es in den vergangenen Tagen beim Material zu gewissen Engpässen gekommen. Am Spital Zollikerberg sind beispielsweise die OP-Mäntel knapp geworden, wie Spitaldirektorin Orsala Vettori gestern ausführte. Dies stelle aber kein Problem dar – es kämen nun wieder wie früher Stoffmäntel zum Einsatz, die wiederaufbereitet werden könnten.

Insgesamt sei genügend Schutzmaterial im Kanton vorhanden, betonte gestern Kantonsapotheker Andreas Hintermann, wie er es bereits an einer Medienkonferenz vor zwei Wochen getan hatte. In den vergangenen Tagen habe der Schwerpunkt beim Nachschub gelegen; die Lagerbestände seien weiter hochgefahren worden.

Während die Kantonsapotheke unter anderem selber Desinfektionsmittel herstellt, wird der Kanton bald auch spezielle Schutzmasken für den Gesundheitsbereich produzieren können. Er hat – wie auch der Bund – eine vollautomatische Maskenproduktionsmaschine gekauft. Diese wird gemäss Natalie Ricki voraussichtlich ab der zweiten Aprilhälfte pro Tag 32000 Spezialmasken herstellen. Bislang war der Kanton Zürich wie die gesamte Schweiz auf Importe aus China angewiesen.

140 Personen in Zürcher Spitälern

Im Kanton Zürich ist die Zahl der bestätigten Coronafälle erneut gestiegen. Mittlerweile wurden 1363 Personen positiv getestet. Gestern erwähnte Rick­li auch die Dunkelziffer. Die Gesundheitsdirektion geht davon aus, dass die Zahl der Infizierten effektiv rund drei- oder viermal so hoch ist. Bei den bestätigten Fällen liegt das Durchschnittsalter der Betroffenen bei 51 Jahren, wie Rickli weiter ausführte. 140 Personen befinden sich in Spitalpflege, 25 davon müssen beatmet werden.

Erkrankt sind auch Spitalangestellte. Am Universitätsspital sind gemäss CEO Gregor Zünd 21 Mitarbeitende betroffen. Der grössere Teil davon arbeitet nicht in der Pflege, sondern im Bereich der Verwaltung, konkret in der IT-Abteilung. Dass die Verwaltung stärker betroffen ist, kommt für Limmi-Direktor Brack nicht überraschend: «Das Gesundheitspersonal ist sehr sensibilisiert, der Umgang mit Infizierten ist – nicht nur wegen des Coronavirus – Spitalalltag.» Hielten sich die Mitarbeitenden weiter strikt an die geltenden Regeln, dann seien sie auch sehr gut geschützt, auch wenn sie viel Kontakt mit Erkrankten hätten.

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