Dietikon

«Das war der Biber» — sie erobern neu auch die Reppisch

Diese Spuren hinterliess der Biber in Dietikon. Leserbild: S.

Diese Spuren hinterliess der Biber in Dietikon. Leserbild: S.

Der Nager breitete sich im Kanton stark aus. Nun werden auch die Nebengewässer besiedelt. Ob das Nagetier aber tatsächlich ein neues Zuhause gefunden hat, lässt sich noch nicht abschliessend feststellen.

Abgenagte Äste liegen im Bachbett, rund um den Baum sind feine Holzspäne verstreut. Thomas Weber, Leiter der Dietiker Stadtgärtnerei, ist sich sicher: Das war das Werk eines Bibers. «Meistens sind das Jungtiere, die das Nest der Eltern verlassen mussten und sich nun ein neues Gebiet suchen.»

Bereits Anfang September hätte der Biber an derselben Stelle Erlen und Weiden gefällt. An ihnen stillt der Nager seinen Hunger, indem er die Knospen und die Rinde abfrisst. Die damals gefällten Bäume mussten jedoch aus Sicherheitsgründen wegen der Rückstaugefahr entfernt werden. «Die jetzigen Bäumchen liegen anders im Bachbett, da besteht keine Gefahr», sagt Weber. Die Stadtgärtnerei beobachtet die Aktivitäten des Bibers genau. «Im Notfall greifen wir auch ein», sagt Weber. Er ist aber vor allem erfreut über das Erscheinen des Tiers: «Der Biber ist bei uns willkommen», sagt Weber. Anscheinend spürt das der Nager: «Es sieht so aus, als wäre er bereits heimisch bei uns.»

Ob das Nagetier aber tatsächlich ein neues Zuhause gefunden hat, lässt sich noch nicht abschliessend feststellen. «Es kann gut sein, dass das Jungtier einfach auf Wanderschaft ist», sagt Jürg Zinggeler von der kantonalen Jagd- und Fischereiverwaltung. Gewissheit habe man dann erst im nächsten Jahr. Im Juni 2020 werden nämlich die Auswertungen des Bibermonitorings bekannt gegeben.

Biber aus dem Leutschenbach läuft durch Zürich

Biber aus dem Leutschenbach läuft durch Zürich

Kanton schiebt Ausbreitung keinen Riegel vor

Alle drei Jahre lässt die kantonale Fischerei- und Jagdverwaltung erheben, wo und in welcher Zahl sich Biber im Kanton angesiedelt haben. Deshalb streifen derzeit viele Freiwillige unter der Leitung der Biberfachstelle umher, um die Population zu erfassen. Schon beim vergangenen Monitoring 2016/2017 wurde festgestellt: Die Nager sind auf dem Vormarsch. An der letzten Erhebung wurden 394 Tiere gezählt, die im Kanton Zürich ihr Zuhause hatten. In den vergangenen paar Jahren drangen die Tiere vermehrt in die Agglomeration und bis zur Stadtgrenze von Zürich vor. Anscheinend gefällt es dem scheuen Nagetier hier: Der Bestand nahm in den drei Jahren vor dem vergangenen Monitoring um fast 30 Prozent zu.

Der Biber ist auf dem Vormasch

Der Biber ist auf dem Vormasch

Für die Jagd- und Fischereiverwaltung war es deshalb nur noch eine Frage der Zeit, bis das Wildtier auch die Seitengewässer der Limmat besiedelt. «Ich wäre nicht überrascht, wenn sich der Biber nun auch in der Reppisch ansiedeln würde», sagt Zinggeler. «Der Nager ist immer noch in Ausbreitung.» Es sei zwar schön zu sehen, wie sich die einst ausgestorbene Tierart ihre Lebensräume zurückfordert. «Doch wo Wildtiere mit der Zivilisation in Kontakt kommen, gibt es Konfliktpotenzial», sagt Zinggeler. Untergrabene Strassen und Äcker, verstopfte Drainagen oder angenagte Bäume entlang von Wegen könnten für Ärgernisse sorgen. Trotzdem schiebt der Kanton der Ausbreitung keinen Riegel vor. Denn: «Solange der Biber dem Menschen nicht in die Quere kommt, funktioniert das Zusammenleben sehr gut», sagt Zinggeler.

Zudem habe die Ansiedlung der Nager auch viele Vorteile: Biber schaffen durch das Stauen von Gewässern und durch ihre aktive Totholzförderung neue Strukturen und Lebensräume für andere Tier- und Pflanzenarten. So erhöhe sich mit der Zeit die Artenvielfalt an Bibergewässern deutlich.

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