Doppelte Premiere gestern am Gubrist: Der Weininger Gemeinderat Thomas Mattle und sein Unterengstringer Amtskollege Markus Nydegger steuerten erstmals einen Bagger. Möglich machte das die fachkundige Anleitung durch Baggerführer Pierre Valance von der Weininger Firma Richi. Die beiden Politiker – Mattle zuerst – liessen die Baggerschaufel sanft auf das Anfang Jahr gerodete Waldstück am Gubrist sinken, um eine erste kleine Grabung vorzunehmen. So beginnt der Neubau des Hochzonenwasserreservoirs Gubrist.

Die Baustelle ist im Sinne des Volkes: Deutliche 1153 Ja-Stimmen zu 91 Nein-Stimmen resultierten bei der Weininger Urnenabstimmung im November, womit der Bruttokredit in der Höhe von 3,33 Millionen Franken genehmigt wurde. In Unterengstringen, das sich am Bau ebenfalls beteiligt, hat zudem die Gemeindeversammlung im Dezember 540 000 Franken für das neue Hochzonenwasserreservoir gesprochen.

Auch wichtig fürs Löschwasser

Die Geschichte des Projekts geht einige Jahre weiter zurück. Bis ins Jahr 2014, wie Mattle erklärte. Damals wurde in Zusammenarbeit mit der Gruppenwasserversorgung Geroldswil-Oetwil-Weiningen das Generelle Wasserprojekt Weiningen erarbeitet. «Es hat sich herauskristallisiert, dass wir in mittelfristiger Zukunft dieses Reservoir bauen müssen», so Mattle.

Grund dafür seien gesetzliche Bestimmungen, insbesondere auch die Anforderungen der Gebäudeversicherung des Kantons Zürich (GVZ) bezüglich der Bereitstellung von Löschwasser und des Löschwasserdrucks an den Hydranten. Während Geroldswil und Oetwil bereits eine Hochzone für die Wasserversorgung haben, erhält jetzt auch Weiningen eine. Damit haben die höher gelegenen Gebäude in Weiningen künftig einen ausreichenden Wasserdruck. Das war bisher nicht der Fall. Unterengstringen hat eine ähnliche Ausgangslage: Dort sind der Sonnenberg und der Sparrenberg nicht ans Wassernetz angeschlossen; sie haben eigene Quellen. Deshalb kam Unterengstringen auf die Gemeinde Weiningen zu, als diese das Projekt Reservoir zu planen begann.

600 Kubikmeter Wasser

Das neue Reservoir wird Platz bieten für 600 Kubikmeter Wasser. 450 Kubikmeter sind für Brauchwasser gedacht, davon 400 für Weiningen und 50 für Unterengstringen. Die anderen 150 Kubikmeter dienen als Löschwasserreserve, die hälftig den beiden Gemeinden zusteht. Der maximale Wasserspiegel im Reservoir beträgt 537 Meter über Meer. Das ist die gleiche Höhe wie beim Reservoir Hasleren in Geroldswil.

Nach dem feierlichen Spatenstich gestern wird nächste Woche der Aushub so richtig losgehen. «Das wird eine Entdeckungsreise», sagte Joël Inniger, Leiter Tiefbau und Werke der Gemeinde Weiningen. Zum einen wird sich zeigen, wie der Untergrund beschaffen ist, zum anderen wird der Aushub durch die Kantonsarchäologie begleitet, da sich das Waldstück in einer archäologischen Zone befindet. Eine Sprecherin der kantonalen Baudirektion sagte dazu gestern auf Anfrage: «Der Name der Flur ‹Holeeberen›, in der das Bauprojekt liegt, weist auf Gräber hin.» Denn «Leeberen» bedeute Hügel. Dieser Flurname trete im Kanton Zürich häufig auf und an vielen Orten gebe es alte Gräber. Schliesslich wurden über den Gräbern in früheren Epochen oft Grabhügel aufgeschüttet, die noch über Jahrhunderte und Jahrtausende sichtbar blieben. Gibt der Gubrist beim Reservoir-Bau also Geheimnisse aus grauer Vorzeit preis? Man darf gespannt sein.

Inbetriebnahme im nächsten Jahr

Zusätzlich zum Reservoir müssen noch zahlreiche Leitungen und zudem ein Stufenpumpwerk im Reservoir Guldiberg gebaut werden, wobei auf Weininger Gebiet die meisten Leitungen bereits fertiggestellt sind; Unterengstringen beginnt nächstes Jahr damit.

Nach dem Aushub beginnt im Sommer der eigentliche Bau des Reservoirs. Im Sommer oder Herbst 2020 wird es dann in Betrieb genommen. Dann fliesst von hier das blaue Gold in die Wasserhähne der Häuser. Darauf wurde am Spatenstich mit Wein aus dem Dorf angestossen.