Uitikon
Der höchste Rebberg im Kanton musste bluten

Eines Gewitters wegen verlor der höchste Rebberg im Kanton, in der Gättern, 50 Prozent Ertrag. Die Uitikoner Rebleute der Kadervereinigung der Feuerwehr müssen nicht verdursten - das gute Wetter von August bis Oktober bescherte noch eine gute Lese.

Flavio Fuoli
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Laut Rebmeister Ernst Schär war das Unwetter vom letzten Juli das bisher schwerste, das den Rebberg in der Gättern getroffen hat

Laut Rebmeister Ernst Schär war das Unwetter vom letzten Juli das bisher schwerste, das den Rebberg in der Gättern getroffen hat

Flavio Fuoli

Uitikon ist eine Rebbaugemeinde. Nicht möglich? Doch, denn auf 400 Quadratmetern stehen gegen 500 Rebstöcke Riesling x Sylvaner. Dies ist seit 1980 so, seit der Primarlehrer Rolf Seidl dem damaligen Gemeindepräsidenten Martin Wehrli die Idee unter die Nase rieb, auf gemeindeeigenem Land einen Rebberg zu errichten.

Der kantonale Rebbaukommissär erteilte am 14. November 1979 die Bewilligung, das zwischen Ringlikon und Waldegg gelegene Grundstück am Sonnenhang mit Reben zu bepflanzen.

Der höchste im Kanton

Seit 1980 ist die Kadervereinigung der Feuerwehr Uitikon für die Bearbeitung des Rebbergs verantwortlich. Sie tut dies auf einem Unikum: in der Gättern liegt auf 610 Meter Höhe und ist laut Rebbaukataster der kleinste und auch der höchste Rebberg im Kanton Zürich. Der Tropfen, der bei Heinrich Haug in Weiningen gekeltert und abgefüllt wird, bildet denn auch den Lohn, den die Mannen von der Kadervereinigung mit nach Hause nehmen dürfen. Denn nach Abmachung mit der Gemeinde wird der Ertrag hälftig zwischen Gemeinde und Kadervereinigung aufgeteilt.

Traditionell unterbreitet der Rebmeister, seit über 15 Jahren ist dies Ernst Schär, der Gemeinde Bericht zum Rebbaujahr. So erhielt der Gemeinderat jüngst Bescheid, dass das Rebbaujahr 2011 zunächst erfreulich verlaufen sei. Der dreiwöchige Vorsprung in der Entwicklung der Reben wurde aber in der Nacht auf den 13. Juli durch ein schweres Unwetter und starken Hagelschlag zunichtegemacht.

280 Kilo beste Trauben

Doch damit nicht genug, wie der Gemeinderat erfuhr, denn der Hagelversicherung musste ein Ausfall von 60 bis 80 Prozent gemeldet werden. Wie Rebmeister Ernst Schär gegenüber der az Limmattaler Zeitung sagte, sei es das dritte grosse Unwetter gewesen, welches der Rebberg habe erleiden müssen. Es sei mit Sicherheit das stärkste gewesen. Allerdings habe das günstige Wetter ab August bis Oktober dazu beigetragen, dass trotzdem ein 50-prozentiger Ertrag erreicht werden konnte.

Die Wümmet vom 22. September habe eine Traubenlese von 280 Kilogramm ergeben. Trauben von bester Qualität mit einem Öchslegrad von 83.0. Wie der Gemeinderat in einer Mitteilung schreibt, seien die Voraussetzungen für einen guten Wein gegeben und «man darf sich auf einen guten Jahrgang freuen».

Die Gemeinde drückt ein Auge zu

Der Gemeinderat attestiert der Kadervereinigung grossen Fleiss, habe diese doch gegen 230 Arbeitsstunden in die Rebstöcke investiert. Da der Ertrag 2011 aber deutlich geringer ausgefallen ist als normal, hat sich der Gemeinderat der Mannen der Kadervereinigung erbarmt. Der Wein wird dieses Jahr anders denn hälftig verteilt.

Der Anteil der Kadervereinigung beträgt nun 75 Prozent. Das wiederum trifft die Gemeinde nicht wirklich: «Für die öffentlichen Anlässe der Gemeinde stehen im Weinkeller noch genügend Vorräte zur Verfügung», beruhigte der Gemeinderat die einheimischen Weinfreunde abschliessend.