Dietikon

«Der Rapidplatz muss frei bleiben»: Stadtplaner verteidigt, trotz wenig Schatten und grosser Leere

Der Stadtplaner Severin Lüthy vor den im Bau befindlichen Pavillons am Rapidplatz

Der Stadtplaner Severin Lüthy vor den im Bau befindlichen Pavillons am Rapidplatz

Der Dietiker Stadtplaner Severin Lüthy spricht im Interview über das Coronavirus und fehlende Spielplätze – und erklärt, weshalb der Rapidplatz frei bleiben muss.

Dieses Jahr waren wegen der Coronakrise Anlässe nicht möglich. Wie hat sich das auf die Planung des Studio Dietikons ausgewirkt?

Severin Lüthy: Es hat unsere Planung sehr durcheinandergewirbelt. Wir haben innerhalb von zwei Wochen versucht, den Dialog und die Anlässe irgendwie zu digitalisieren. Wegen der Einschränkungen fehlt uns nun die Zeit für gewisse Projekte. Wir mussten etwa das Freiraumprojekt Grunschen auf Eis legen. Es ist so, dass eine physische Präsenz essenziell für das Studio Dietikon ist. Es hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht, dass diese Präsenz weggefallen ist.

Was für Projekte wurden im digitalen Raum durchgeführt?

Wir haben eine Aktion mit Hockern gestartet. Diese wäre ursprünglich als Bastelaktion mit der Bevölkerung am Saisonstart des alten Bauamts geplant gewesen. Nun mussten wir alles via Social Media durchführen. Für das war die Aktion eigentlich nicht ausgelegt gewesen. Es war nicht das Gleiche, wie wenn wir den Anlass physisch durchgeführt hätten. Das Studio Dietikon ist bewusst analog konzipiert worden. Ein digitales Konzept hätte ganz anders ausgesehen und wir hätten vermutlich mit anderen Spezialisten zusammenarbeiten müssen.

Was war der grösste Erfolg, den Sie bisher mit dem Studio Dietikon bezeichnen würden?

Ich denke, dass man nicht einen einzigen Anlass als grössten Erfolg verbuchen kann, sondern dass wir die Leute zusammen gebracht haben und mit ihnen gesprochen haben. Es ist wichtig, dass wir einen Dialog führen und bei den Leuten das Bewusstsein für die Freiräume erhöhen. Die Freiräume sind sehr wichtig, und wir wissen, dass die Zufriedenheit der Einwohner von ihnen abhängt. Wir wollen die Dietikerinnen und Dietiker ansprechen, die sich bisher noch nicht für die Stadtentwicklung interessiert haben. Dieses Jahr war dies leider nur beschränkt möglich, da wir nur auf bestehende Gruppen zurückgreifen konnten. Also zum Beispiel die Newsletter-Abonnenten. Aber ansonsten würde ich das ganze Studio Dietikon als einen Erfolg bezeichnen. Dass das Parlament dieses Jahr das Budget für die Freiraumaufwertung erhöht hat, würde ich als Beweis unserer guten Arbeit sehen.

In den letzten Tagen war die Nötzliwiese wegen des Böötlerproblems mehrfach negativ in den Schlagzeilen. Die Nötzliwiese ist auch ein Freiraum. Wird das Studio Dietikon etwas gegen das Problem machen?

Wir haben mit dem Studio Dietikon im Moment keine Pläne für die Nötzliwiese. Zum einen ist es so, dass eigentlich genug auf die Auswasserstelle bei der Allmend Glanzenberg hingewiesen wird. Zum anderen wird ein Teil der Wiese durch die Limmattalbahn-Baustelle belegt, wodurch wir aktuell gar keinen Handlungsspielraum haben. Wir können aber hoffen, dass sich die Situation dank des Sommerkiosks bei der Allmend und den anderen Massnahmen die Situation verbessert.

Der Rapidplatz wurde oft wegen seiner Leere und des Mangels an Schatten kritisiert. Was macht Studio Dietikon da?

Wir haben nun Pavillons aufgestellt, welche Schatten spenden sollen. Ab heute Freitag werden wir die Vorschläge der Bevölkerung sammeln. Einige Dinge sind bereits aus früheren Austauschen bekannt. Unter anderem haben wir während der Coronakrise eine Videokonferenz mit etwa 15 Teilnehmern durchgeführt. Wir wissen zum Beispiel, dass die Bevölkerung sich einen Spielplatz wünscht. Wir versuchen auf diese Wünsche einzugehen, sind aber aufgrund der baulichen Vorschriften und der darunterliegenden Tiefgarage limitiert. Der Platz muss frei bleiben, da es in Dietikon ansonsten keinen Platz für grosse Anlässe wie ein Stadtfest oder einen Winterzauber gibt. Wir können nichts dafür, wenn private Bauherren die Spielplätze an den Bedürfnissen der Bewohner vorbei bauen.

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