Limmattal
Die Fahrenden mussten dem Bahnhof weichen

Hinter dem Dietiker Werkhof leben schon seit bald zwei Jahrzehnten Fahrende auf einer unscheinbaren Parzelle. Sie kamen hierher, als an ihrem alten Standort der Bahnhof Glanzenberg gebaut wurde. Die meisten Familien sind schon seit Jahren da.

Sophie Rüesch
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Seit bald 20 Jahren gibt es in Dietikon einen Standplatz für Fahrende – Probleme gab es noch nie. Sophie Rüesch

Seit bald 20 Jahren gibt es in Dietikon einen Standplatz für Fahrende – Probleme gab es noch nie. Sophie Rüesch

Gut versteckt liegt er im Gebiet Stierenmatt, der Standplatz für Fahrende in Dietikon. Ein namenloses Strässchen entlang des Werkhof-Unterstandes führt zur kleinen Parzelle, die der Stadt gehört. Am Ende warten fünf Wohnwagen, ein Anhänger, Briefkästen, Gartenzwerge. An die Vergangenheit erinnert nur noch ein hölzernes Wagenrad, das an einer Wand lehnt.

Der Dietiker Standplatz für Fahrende ist der einzige im Zürcher Limmattal, einer von vieren im gesamten Kanton. Anders als kürzlich in Bern, wo ein Protestlager von Jenischen von der Polizei aufgelöst wurde, gab es auf diesen paar Quadratmetern noch nie Ärger – zumindest «nicht mehr und nicht weniger als mit anderen Einwohnern von Dietikon», wie Thomas Winkelmann, Leiter der Dietiker Sicherheits- und Gesundheitsabteilung erklärt.

Den unscheinbaren Platz gibt es nun seit bald 20 Jahren. Zuvor hatten die Fahrenden im Limmattal unter der Autobahnbrücke ihre Zelte aufgeschlagen, dort, wo heute der Bahnhof Glanzenberg steht. Als die Bagger für die neue S-Bahn-Haltestelle auffuhren, mussten die Fahrenden weiterziehen. Für eine Grundgebühr von 100 Franken pro Wohnwagen und Monat sowie eine zusätzliche Quadratmetergebühr können sie sich seit 1996 auf dem offiziellen Standplatz zwischen Werkhof und Naturschutzgebiet niederlassen.

Wenig Wechsel

Seither entscheidet der Stadtrat, wer sich hier wie lange aufhalten darf. Oft muss er diese Entscheidungsgewalt aber nicht wahrnehmen. Mehrere der fünf Familien, die heute hier wohnen, sind schon seit der Eröffnung 1996 auf dem Areal ansässig. Überhaupt gebe es hier wenig Wechsel, so Winkelmann: «Bis auf eine Familie wohnen alle schon über ein Jahrzehnt hier.» Der Hauptgrund dafür dürfte sein, dass die meisten Bewohner des Platzes schulpflichtige Kinder haben – manche sogar schon in zweiter Generation. «Diese Konstanz erleichtert uns natürlich die Arbeit», sagt Winkelmann. Insgesamt habe die Stadt bisher mehrheitlich positive Erfahrungen mit den Fahrenden gemacht: «Sie kommen ihren Bürgenpflichten nach, übernehmen die Verantwortung für den Platz weitgehend selbst und sehen zu, dass darauf alles funktioniert. Insofern funktioniert es auch für uns.»

Der Standplatz in Dietikon ist nicht die einzige Stätte für Fahrende in Limmattal. Auch in Würenlos und Spreitenbach gibt es Fahrende. Und ein paar Kilometer limmataufwärts steht auf dem Schlieremer Chilbiplatz einer von im ganzen Kanton acht Durchgangsplätzen für Fahrende. Im Gegensatz zu einem Standplatz ist die Belegdauer hier beschränkt. Höchstens zwei Wochen lang dürfen sich hier maximal drei Familien mit bis zu fünf Wohnwagen von März bis Oktober niederlassen.

Nur für Schweizer offen

Anders als in Dietikon ist der Platz in Schlieren aber nur Schweizer Fahrenden offen, wie Marco Weissenbrunner, Schlieremer Polizeichef und stellvertretender Leiter der Sicherheits- und Gesundheitsabteilung erklärt. In der Vergangenheit habe es vor allem mit ausländischen Fahrenden, die sich ohne Bewilligung auf dem Platz niederliessen, manchmal Probleme gegeben. «Es gab Fälle, in denen sie den Platz über Nacht in Beschlag genommen haben und nur mit mehreren Patrouillen vom Platz verwiesen werden konnten», so Weissenbrunner. Zu einer Räumung unter Körpereinsatz sei aber nie gekommen – «die blosse Polizeipräsenz hat ausgereicht».

Vor vier Jahren dann wurde der Eingang des Chilbiplatzes mit einer Höhenschranke versehen, die garantiert, dass nur auf die Parzelle gelangt, wer darf. Seither läuft der Betrieb reibungslos, wie Weissenbrunner erklärt: Die Fahrenden melden sich bei der Stadt an, hat es noch Platz, öffnet die Polizei die Tore. 25 Franken pro Woche und Wohnwagen kostet das.

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