Dietikon
Die Fastengruppe fühlt sich trotz Verzicht auf feste Nahrung vital und gesund

Eine Woche lang beginnt der Tag in der reformierten Kirche Dietikon für die Fastengruppe um sieben Uhr mit Teetrinken und einer Meditation mit Bibeltexten.

Anina Gepp
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Dieses Jahr verteilen sich 70 Teilnehmende auf sieben Fastengruppen.jpg

Dieses Jahr verteilen sich 70 Teilnehmende auf sieben Fastengruppen.jpg

Anina Gepp

Der Tee ist ungesüsst, die einzige Beilage dazu eine Magnesiumtablette.Diese soll Krämpfen vorbeugen, da dem Körper während der Fastenzeit Nährstoffe entzogen werden.

Sieben Fastende besuchen dieses Jahr die Meditationsgruppe. Die restlichen 60 Teilnehmenden der ökumenischen Fastenwoche verteilen sich auf weitere sechs Gruppen, die beispielsweise gemeinsam Yoga oder Jin Shin Jyutsu ausüben oder sich auf eine Wanderung begeben.Pfarrer Daniel Wiederkehr nippt an seinem Tee und erkundigt sich nach dem Wohlbefinden seiner Fastengruppe. Er selbst klagt über Bauchschmerzen in der vergangenen Nacht und erzählt, wie er seiner Familie beim Raclette-Schmaus zusehen musste, ohne selbst einen Käse in das Öfeli zu schieben. Mit ihm am Tisch sitzt unter anderem Dietrich Pestalozzi, CEO der Dietiker Pestalozzi Gruppe. Er rief die Fastengruppe Dietikon vor 20 Jahren ins Leben. «Gestern gab es bei uns im Geschäft Lachsbrötli und Prosecco», sagt Pestalozzi. Er habe auf beides verzichtet und nur für Fotos ein wenig am Glas genippt.

Kein Hungergefühl

Trotz des Verzichts auf feste Nahrung und das Klagen über kleine Wehwehchen wirken die Mitglieder der Fastengruppe vital und gesund. Pfarrer Daniel Wiederkehr empfindet sogar das frühe Aufstehen als «beschwingend». «Ich bin viel sensibler in dieser Zeit und nehme die Dinge bewusster wahr», sagt er. Die Meditation und das Zusammensitzen bei einem Tee sei ein toller Tageseinstieg. Auch Walter Bächli, seit 20 Jahren überzeugter Fastenkurteilnehmer und Mitorganisator, freut sich jedes Jahr auf die Fastenzeit. «Jeder in der Fastengruppe duzt sich. Wir gehen gemeinsam durch die Woche und diskutieren über unser Wohlbefinden», sagt er. Hunger verspüre er während der Fastenwoche keinen. Ehrlicherweise fügt er jedoch an: «Ich verspüre Lust, wenn ich an einem Bratwurststand vorbeigehe.»

Bewusster leben

Für die Gruppe ist das Fasten nicht nur eine Woche, in der man bewusst auf gewisse Dinge verzichtet. Nebst dem gesundheitlichen und geistlichen Aspekt spielt auch das Spenden an gemeinnützige Projekte eine Rolle. Von den 50 Franken, die jeder Fastende zu Beginn der Woche bezahlt, wird der Überschuss an Projekte in Guatemala gespendet. Zusätzlich bringt der Schlussabend der Fastenwoche dank Kollekten Spendengelder ein.

Nach der Kur sei der ideale Zeitpunkt, in ein gesünderes und bewussteres Leben zu starten, sind sich die Mitglieder einig. Maria Scherrer kauft beispielsweise nur noch ein, was sie auch wirklich verwertet. «Seit Jahren habe ich nichts mehr weggeworfen und produziere kaum noch Abfall», sagt sie. Annarita Müller ist sogar der Meinung, dass das Fasten das Sättigungsgefühl senkt. «Man lernt, bewusster mit Lebensmitteln umzugehen», sagt sie. Müller durchläuft in dieser Woche nicht das Saftfasten, sondern das Basenfasten. Im Gegensatz zu Ersterem ist beim Basenfasten auch das Essen von Früchten, Gemüse und Mandeln erlaubt.

Jeder für sich müsse herausfinden, welche Art des Fastens für ihn die beste sei, so Bächli. Wichtig sei jedoch, dass man es aus Überzeugung tue und die Fastenzeit durchziehe. «Es soll kein reines Durchstehen sein, sondern auch ein Geniessen», sagt er. Wie geschmackvoll Gemüse ohne Salz sein könne, erstaune ihn immer wieder. Und nach der Kur einen Kaffee zu trinken – das sei dann ein wahres Erlebnis.

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