Limmattal

Die Veloläden sind ausgeschossen – das neue Fahrrad ist ein Sechser im Lotto

Wegen der Corona-Pandemie sind keine Bestellungen von neuen Velomodellen möglich. Der Engpass betrifft alle Fahrradtypen. Für einen Limmattaler Veloladen ist es dank grossem Vorrat dennoch ein hervorragendes Jahr.

Wer sich ein neues Velo kaufen will, der hat es zurzeit schwer. Der Grund: Es gibt keine mehr. Die Lager bei den Herstellern und den Velohändlern sind leer. Just zur schönsten Jahreszeit für Radtouren herrscht wegen der Coronapandemie ein Engpass. Der Mangel an verschiedensten Fahrradtypen ist auch bei den Händlern im Limmattal spürbar. Begibt man sich in einen Veloladen, ist man deshalb in der Regel schnell wieder draussen. Vereinzelte Modelle stehen zwar zum Verkauf noch zur Verfügung. Man hat aber kaum eine Chance, ein für sich rundum passendes Bike zu finden.

Ob Rennrad, Mountainbike oder Stadtvelo – von den Lieferengpässen seien alle Fahrradtypen betroffen, heisst es im Geschäft Velo Lade in Urdorf. Der Engpass sei auf die heruntergefahrene Produktion in den Herstellungsländern wie beispielsweise China oder Taiwan zurückzuführen. Es werde vier bis sechs Wochen dauern, bis die ersten neuen Modelle eintreffen und Bestellungen wieder gemacht werden können. Auch ein Umsehen im zweiten Shop in Schlieren lohne sich nicht. An diesem Standort gäbe es nämlich gar keine Zweiräder mehr. Dafür steigt aber die Nachfrage für Reparaturen: «Unsere Werkstatt ist überfüllt und wir kommen mit der Arbeit kaum nach», sagt Ruedi Altherr, Geschäftsführer in Urdorf.

Suche nach geeigneter Grösse wird Glücksspiel

Etwas mehr Hoffnung keimt im Dietiker Zentrum Dreispitz auf. Dort befindet sich das Sportgeschäft V-Sport. Die Auswahl ist etwas grösser. Falls die passende Radgrösse nicht vorhanden ist, kann auf das Lokal in Regensdorf ausgewichen werden. Zudem erwarte man in einigen Tagen eine Teillieferung der neuen Modelle, heisst es.

Beim Kauf eines E-Bikes sieht die Situation ähnlich aus, wenngleich nicht ganz so dramatisch. Besonders bei der Wiedereröffnung der Ladengeschäfte nach dem Lockdown sei man nahezu überrannt worden, heisst es bei der E-Motion E-Bike-Welt in Dietikon. Bei ihnen werden ausschliesslich Zweiräder mit Elektromotor angeboten. Auch in diesem Sektor können nicht mehr alle Modelle zeitnah bestellt werden, sodass die passende Grösse wiederum zu einem Glücksspiel wird.

Etwas anders ergeht es aber Andreas Jakob, Inhaber des Veloladens Stöckli Bike in Geroldswil. «Es ist das beste Jahr, seit ich mich selbstständig gemacht habe», sagt er. Die Leute seien sogar aus dem Gebiet um den Hallwilersee und aus Freiburg gekommen. Die Kunden haben nirgendwo sonst mehr ein Velo finden können. Sein jetziger Erfolg war aber mit Risiko verbunden: «Ich habe im Winter eine grosse Anzahl an Fahrrädern für das Lager eingekauft und das zahlt sich nun aus», sagt er. Auch von anderen Velobetreibern in der Region sei er bereits angefragt worden, ob er ihnen mit ein paar Exemplaren seiner rund 500 gehorteten Zweiräder aushelfen könne. Diesem Wunsch konnte er aber nicht nachgekommen, weil auch bei ihm nach wie vor eine grosse Nachfrage herrscht.

Das Rad wird vermehrt für den Arbeitsweg genutzt

«Der Lockdown hat dazu geführt, dass sich viele wieder auf das Velo schwingen», so Jakob. «Viele haben das Velo aus dem Keller geholt oder sich eben ein neues Rad gekauft», sagt er. Auch für längere Arbeitswege werde vermehrt wieder das Velo genutzt, um der Menschenmenge in den öffentlichen Verkehrsmitteln auszuweichen. Zudem habe das Bedürfnis nach Bewegung in der Coronazeit die Nachfrage für Velos auf der ganzen Welt ansteigen lassen. Die Schweiz sei somit nicht das einzige Land. Kommt hinzu, dass in Spanien beispielsweise nichts mehr produziert wurde. In Taiwan hingegen schon, aber in geringerer Menge.

Wer Glück hat, findet unter den letzten Fahrrädern im ­Limmattal noch ein Modell,
das für einen passt. Für die ­anderen gilt es, bis zum Ein­treffen der neuen Kollektionen zu warten.

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