Gesundheit

«Dietikon nimmt eine Vorreiterrolle ein»: Stadtrat unterstützt Rauchverbot auf Spielplätzen

Die Rauchschwaden sollen sich verziehen: Nimmt Dietikon eine Vorreiterrolle im Schutz vor Passivrauchen ein?

Rauchfreie Spielplätze sollen in der Dietiker Polizeiverordnung verankert werden. Zudem klärt die Stadt eine Ausweitung des Verbots ab.

Das Gift muss weg, die Luft wird rein: Nach dem Dietiker Parlament sagt auch der Stadtrat Ja zum Rauchverbot auf Spielplätzen. «Vollumfänglich» unterstützt er die Forderung der Parlamentarierin Catalina WolfMiranda (Grüne). Das schreibt er in seinem Bericht zu ihrer Motion, welcher das Parlament am 7. Februar mit maximalem Tempo zugestimmt hat, also ganz ohne Diskussion.

Das hatte sich bereits im Dezember 2018 abgezeichnet, als Wolf-Miranda ihre Motion einreichte: Sie hatte 15 Mitunterzeichner. Auch die FDP und die SVP machten mit, die das Heu sonst kaum auf der gleichen Bühne haben wie Wolf-Miranda.

Jetzt ist klar, dass Wolf-Miranda und das ganze Parlament auch beim Stadtrat offene Türen eingerannt haben. Er will nicht nur die Forderung nach einem Rauchverbot umsetzen. Zusätzlich prüft er eine Ausweitung des Rauchverbots, wie er in seinem Bericht zur Motion schreibt. Das passt zum Trend. So ist der Dietiker Bahnhof seit Ende August rauchfrei mit speziell abgegrenzten Raucherzonen; das hatten die SBB so entschieden.

Rauchverbote liegen nicht nur in der Schweiz im Trend. Sondern rund um den Globus. Zuletzt hatte der US-Bundesstaat Kalifornien ein Rauchverbot für seine Strände und Naturparks beschlossen, das auch für andere Suchtstängel wie Hanfzigaretten oder E-Zigaretten gilt. 5600 Warnschilder sind geplant, Zuwiderhandlungen kosten 25 Dollar Strafe.

In Dietikon ist noch zu klären, inwiefern die Stadtpolizei das Verbot mit Kontrollen umsetzen wird. Im Aargau gibt es mehrere Gemeinden, die ihre Spielplätze für rauchfrei erklärt haben. Schilder zeigen das Verbot an. Aber Kontrollen und Bussen gibt es keine. Schon seit 2008 gibt es zudem in Chur ein Verbot.

Gegenüber anderen Ländern ist die Schweiz aber im Hintertreffen. So verweist der Stadtrat in seinem Bericht zur Motion darauf, dass Frankreich und Deutschland in der Rauchverbotsfrage weiter seien. Auf Kinderspielplätzen in Stuttgart und Berlin dürfe auch nicht mehr geraucht werden. Aber auch die Schweiz macht vorwärts. So versucht im Kanton Basel-Landschaft die kantonale Abteilung Gesundheit, die Gemeinden für die Verbotspolitik zu gewinnen. Und in Kloten ist ein entsprechendes Verbot schon länger signalisiert. Eine Motion der Grünen Belinda Mastev, die eine schärfere Umsetzung mit mehr Kontrollen und Bussen forderte, unterstützte das Klotener Parlament aber nicht. Bei der Debatte Anfang September wurde unter anderem argumentiert, dass es kein effizienter Umgang mit den städtischen Ressourcen sei, wenn man die Polizei für die Umsetzung eines Rauchverbots einsetze.

Darüber macht sich auch Michael Schlunegger Gedanken. Mit Blick auf Dietikon sagte der Geschäftsführer des Vereins Lunge Zürich (vormals Lungenliga) gestern auf Anfrage: «Dietikon nimmt eine Vorreiterrolle ein. Die Herausforderung wird aber sein, das Verbot mit genug Personal umzusetzen. Ich drücke die Daumen, dass es der Stadt Dietikon gelingt. Bevor gross Bussen verteilt werden, muss auch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden, damit sich das Verbot durchsetzt.»

Ist Rauchen bald im ganzen öffentlichen Raum verboten?

Der Verein Lunge Zürich ist zwar nicht sehr aktiv in Bezug auf Rauchverbote auf Spielplätzen. «Aber wir begrüssen es sehr, dass solche Rauchverbote in immer mehr Kantonen und Gemeinden aufs Tapet kommen», so Schlunegger. «Kinder sollten ganz besonders geschützt werden, gerade die kleinen, bei denen die Lunge noch in Entwicklung und die Gefährdung darum noch grösser ist», führt Schlunegger weiter aus. Hinzu käme die Vorbildfunktion der Erwachsenen. «Wenn Kinder sehen, wie Erwachsene rauchen, empfinden sie das als normal. Es ist gut, wenn man das verhindert.» Zudem erwähnt Schlunegger die Umwelt: «Zigistummel bleiben liegen. Nebst der Tatsache, dass kleine Kinder eh alles in den Mund nehmen und damit akut vergiftungsgefährdet sind, gelangen die Gifte früher oder später ins Grundwasser, das ist eigentlich eine Katastrophe.»

Selber konzentriert sich der Verein Lunge Zürich vor allem darauf, Kinder und Jugendliche davor zu schützen, überhaupt mit dem Rauchen in Kontakt zu kommen. Damit sie gar nicht erst anfangen. Schlunegger ist überzeugt, dass sich die Gesellschaft so wandelt, dass sie das Rauchen früher oder später im öffentlichen Raum nicht mehr dulden wird. «Die Frage ist nur, wie lange es geht bis dahin und ob es über Verbote oder über gesellschaftliches Umdenken passiert.» Ob in der Badi, im Strassencafé oder überhaupt auf dem Trottoir: «An allen Orten, wo man andere belästigen kann, sollte das Rauchen unterbleiben. Das ist eine Frage des Anstandes», so Schlunegger.

Der Dietiker Stadtrat erwähnt in seinem Bericht zur Motion ähnliche Argumente wie Schlunegger. «Es ist absehbar, dass sich der Trend für weitere Einschränkungen auch hierzulande beschleunigen wird», schreibt er. Zudem findet er, dass es mit der Umsetzung von rauchfreien Spielplätzen möglich sei, «ohne grossen Aufwand oder Ressourcen Kinder vor Passivrauchen zu schützen und für diese eine gesundheitsfördernde Lebenswelt zu schaffen». Dabei geht es nicht nur um den Passivrauch, sondern auch darum, das Risiko zu minimieren, dass Kinder Zigistummel verschlucken und sich so vergiften.

Für das Verbot braucht es eine rechtliche Grundlage. Die Dietiker Polizeiverordnung und die Bussenliste sollen demnächst überarbeitet und dem Gemeinderat vorgelegt werden.

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