Dietikon

Ehrung für die Schutzengel: Ihre Zivilcourage rettete ihm das Leben

Dank dem beherzten Einsatz von Anton Greuter und Markus Trindler geht es Rui Cruz (Mitte) heute wieder gut. Bild: Sibylle Egloff

Dank dem beherzten Einsatz von Anton Greuter und Markus Trindler geht es Rui Cruz (Mitte) heute wieder gut. Bild: Sibylle Egloff

Anton Greuter und Markus Trindler wurden für ihre Hilfeleistung im Stadthaus Dietikon im Beisein des Geretteten Rui Cruz geehrt - exakt ein Jahr nach dem dramatischen Vorfall.

Am 26. November 2018 wurden Anton Greuter aus Bergdietikon und Markus Trindler aus Fehraltorf zu Lebensrettern. Auf ihrem Arbeitsweg am frühen Morgen trafen sie an der Hasenbergstrasse in Dietikon auf einen regungslos am Boden liegenden Mann. Er litt an einem Herzstillstand. Die beiden zögerten nicht lange, stellten Auto und Velo zur Seite, reanimierten den Mann abwechslungsweise und riefen die Ambulanz. Dank ihrem beherzten Einsatz ist der 26-jährige Rui Cruz heute noch am Leben. Genau ein Jahr später lud die Stadt Dietikon alle Beteiligten und ihre Angehörigen ins Stadthaus, um die Helfer zu ehren.

«Es ist heute gang und gäbe, dass man weiterläuft und wegschaut, wenn etwas passiert. Man hat Kopfhörer in den Ohren oder telefoniert und merkt nicht, dass Mitmenschen Hilfe brauchen», sagte der Dietiker Sicherheits- und Gesundheitsvorstand Heinz Illi (EVP). In einer Welt, in der das Zwischenmenschliche immer weniger Bedeutung einnehme, brauche es Menschen, die Mut und Zivilcourage zeigten, so wie Trindler und Greuter an diesem 26. November vor einem Jahr. «Sie haben nicht weggeschaut, bewusst angehalten und erste Hilfe geleistet. Das gibt Hoffnung, dass unsere Welt doch nicht so verloren ist wie man glaubt. Wir sind sehr dankbar, dass ihr das gemacht habt», sagte der Stadtrat.

Das einzig Falsche ist, nicht zu helfen

Viele Leute hätten in solchen Ernstfällen Hemmungen und Angst, sie könnten etwas Falsches machen. «Doch das einzig Falsche ist, nicht zu helfen.» Gelohnt habe sich der Einsatz allemal, sagte Illi und blickte zu dem freudestrahlenden Rui Cruz. «Wir sind sehr froh, dass du heute hier stehst und es dir wieder so gut geht», sagte Illi zu ihm. Warum die Feier erst ein Jahr nach dem Vorfall stattfand, hat seinen Grund. «Wir wollten sicher sein, dass der Gerettete auch daran teilnehmen kann», erklärte Illi. Zudem sei es eine schöne Gelegenheit, am Jahrestag alle Beteiligten zusammenzubringen.

Mit dabei waren auch Larissa Ritschard und Patrick Tommer von der Stadtpolizei Dietikon, die am 26. November 2018 vor Ort im Einsatz standen. «Wir waren erleichtert, als die Polizei und später auch der Rettungsdienst eintrafen. Wir fühlten uns nicht mehr so alleine», sagte Greuter. Es sei ihnen nämlich wie eine Ewigkeit vorgekommen bis die Ambulanz aufgetaucht sei. Dabei habe es nur etwa sieben bis acht Minuten gedauert, sagte Trindler.

Rotwein und ein Nachtessen als Dank

Für ihren Einsatz schenkte die Stadt den beiden Männern Rotwein und einen Gutschein für ein Essen im Restaurant Krone. Und auch von Cruz und seiner Gattin Jessica Gomes, die Angestellte der Stadt Dietikon ist, erhielten die Lebensretter ein Präsent. «Es gibt keine Worte und keinen Geldbetrag, die unsere Dankbarkeit ausdrücken könnten», sagte Gomes. Seit diesem Tag würden die beiden das Leben viel mehr schätzen. Der Weg zurück ins Leben war für Cruz und seine Frau jedoch kein einfacher. Weil die Ärzte nicht wussten, wie lange sein Hirn ohne Sauerstoff auskommen musste, versetzten sie ihn sicherheitshalber in ein künstliches Koma. Nach 36 Stunden erwachte Cruz und erinnerte sich sogar an seine Frau.

Sein Kurzzeitgedächtnis war jedoch beeinträchtigt und musste trainiert werden. Die Ärzte entdeckten eine Erbkrankheit. Cruz wurde ein Herzschrittmacher eingesetzt. Es gab jedoch Komplikationen und an Weihnachten 2018 musste er nochmals unters Messer. Danach folgte ein längerer Aufenthalt in einer Reha-Klinik. Weil sein damaliger Arbeitgeber das Risiko seiner Herzkrankheit nicht auf sich nehmen wollte, wurde ihm gekündigt. «Seit Oktober arbeite ich wieder 100 Prozent in einer Gartenbaufirma», sagte Cruz mit grossem Lächeln im Gesicht. Stadtrat Illi kündigte an: «2020 werden drei neue Defibrillatoren kaufen und an öffentlichen Plätzen in Dietikon aufstellen.»

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