Dietikon
Ein Träne zum Abschied: Musikschüler spielen für ihren Lehrer Livio Castioni

Sieben junge Dietiker Pianisten läuteten mit ihren Auftritten einen neuen Lebensabschnitt ein für ihren Klavierlehrer Livio Castioni.

Maurus Held
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Blumen zum Abschied: Livio Castioni (links) zusammen mit Daniela Jordi-Körte und seinen Musikschülern.

Blumen zum Abschied: Livio Castioni (links) zusammen mit Daniela Jordi-Körte und seinen Musikschülern.

Bild: Maurus Held

Am ersten Musikschulkonzert seit über einem Jahr wurde ein besonderer Moment gefeiert. Sieben junge Dietiker Klaviertalente verabschiedeten ihren Musiklehrer Livio Castioni in den Ruhestand. Zahlreiche Eltern, Grosseltern und Geschwister der Musikerinnen und Musiker waren erschienen, um Derin, Esmera oder Noah am Klavier zuzuhören.

Castioni hatte in der Musikschule Dietikon während 41 Jahren Hunderte von Kindern und Jugendlichen unterrichtet und ihnen das Klavierspiel beigebracht. Nun schloss sich dieses Kapitel, und so wurde die Matinee vom Samstagmorgen im Stadthaus zu einem Abschiedskonzert für den 68-jährigen.

Nervös sei er nicht gewesen, sagte Castioni, schliesslich habe ja jedes Jahr ein Musikschulkonzert mit seinen Zöglingen stattgefunden – mit Ausnahme von letztem Jahr. «Ein spezieller Moment ist es für mich aber durchaus. Ich bin glücklich, dass sie es alle so gut gemacht haben», so der Dietiker. Die jungen Klavierspieler seien wahrscheinlich um einiges nervöser gewesen als er selbst.

Aus diesem Grund bereitete Castioni sie auch akribisch auf den Auftritt vor: «Mit dem Einüben der einzelnen Stücke begannen wir schon vor rund drei Monaten. Ich stellte sicher, dass sie die Lieder bis zum Auftritt verinnerlicht haben und sattelfest waren.»

Zum Schluss trat der Maestro selber auf

Von Nervosität war denn auch bei den Schülern nichts zu spüren: Kapil Kandarajah machte mit dem «Wiegenlied» von Komponist Philip Keveren den Auftakt. Er spielte souverän und unaufgeregt, genauso wie die sechs auf ihn folgenden Schülerinnen und Schüler. Simon Hurschler etwa nahm die Gäste mit in den «Zauberwald» von Bill Boyd. Diane Bonvin überzeugte mit dem «Venezianischen Bootslied» von Bruce Berr. ­Sharon Hunziker liess mit «Paris» von Daniel Hellbach die Stadt der Liebe aufleben.

Zwischen den einzelnen Auftritten erzählte Castioni dem Publikum mit einem Augenzwinkern von seinem Beruf als Klavierlehrer: «Ich machte 41 Jahre lang Akkordarbeit und verdiente mein Geld spielend.» Und er bemerkte, dass bisher erst eine einzige Schülerin mit dem Klavierspielen aufgehört habe, aber später zu ihm in den Unterricht zurückgekehrt sei.

Diese Schülerin heisst Esmera Skenderi. Als Letzte spielte sie einen Teil des Requiems von Wolfgang Amadeus Mozart, das «Lacrimosa», zu Deutsch «Träne» – passend zu Castionis Abschied.

Die Kinder werden ihn vermissen, und auch viele Eltern bedankten sich persönlich bei ihm für die vielen Jahre der Hingabe. Ganz klanglos sollte er, der selbst ein grosser Fan der Beatles ist, dann aber nicht von der Bühne treten: Auf Bitte einer Frau im Publikum stellte Castioni seine eigenen, unumstrittenen Klavierkünste unter Beweis. Auf die Frage, wie dieses Stück geheissen habe, antwortet Castioni salopp: «Ach, das war nur eine Improvisation von mir. Ich habe für heute ja gar kein Stück vorbereitet.»

Gut vorbereitet hingegen waren Daniela Jordi-Körte, die Leiterin der Musikschule Dietikon, und Esther Schasse, die Präsidentin der als Verein organisierten Musikschule: Sie verabschiedeten Livio Castioni gebührend für seinen Dienst während mehr als vier Jahrzehnten mit Blumenstrauss und Champagner. Diese Flasche werde er gerne öffnen. «Auch wenn meine Frau den nicht mag», witzelte Castioni. Dafür wird er nun genügend Zeit haben als Pensionär. Ganz still wird es um Castioni aber sicherlich nicht werden. Privatlektionen werde er auch in Zukunft geben.

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