Elterntaxis bleiben ein Problem

Immer mehr Eltern fahren ihre Kinder zur Schule. In Unterengstringen verfolgt man diese Entwicklung kritisch.

Maurus Held
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Vor dem Schulhaus Büel in Unterengstringen sind die Elterntaxis vor allem während den aktuellen Bauarbeiten ein Sicherheitsrisiko.

Vor dem Schulhaus Büel in Unterengstringen sind die Elterntaxis vor allem während den aktuellen Bauarbeiten ein Sicherheitsrisiko.

Bild: Maurus Held

Trotz Halteverbot haben sie in Unterengstringen wieder zugenommen: sogenannte Elterntaxis, Eltern also, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule fahren. Im Primarschulhaus Büel ist dies nicht erst seit Beginn des Schuljahres der Fall; schon seit längerer Zeit macht man auf die Problematik aufmerksam und informiert die Eltern.

Dass man auf dem oberen Parkplatz seit Herbst letzten Jahres nicht mehr parkieren darf, scheint daran nichts zu ändern: «Gewisse Eltern bleiben unbelehrbar. Es herrscht Einbahnverkehr, doch sie halten auf der anderen Strassenseite oder beim Nachbar vor der Garage», sagt die Schulleiterin der Primarschule Büel, Nicole Stadelmann. Zudem befänden sich in der betroffenen Zone momentan mehrere Baustellen, welche den Verkehr zusätzlich erschweren. So habe es auch schon zwei brenzlige Situationen gegeben, bei denen glücklicherweise niemand verletzt worden sei. Die Eltern würden meist rückwärts rausfahren, «und trotz Rückwärtskamera sieht man die Kinder kaum noch, da die Autos immer grösser werden», so Stadelmann.

Auch ein Klingelstreich gehört dazu

Die Schulleiterin bedauert, dass viele Eltern egoistisch handeln würden. Nebst dem Unfallrisiko würden sie nicht erkennen, dass ein Schulweg zu Fuss äusserst wichtig für die Entwicklung eines Kindes sei: «Mit anderen reden, Tieren begegnen, auch mal einen Klingelstreich spielen – das alles geht verloren. Die Kinder verlassen ihren geschützten Rahmen nicht mehr.» Langfristig würde ihnen so das Selbstvertrauen fehlen, draussen und im Verkehr etwas alleine zu meistern. Dabei verweist Stadelmann auch auf die Zeit, als sie selbst noch jung war: «Damals war ein Elterntaxi gar kein Thema». Mittlerweile gehöre das jedoch in verschiedenen Kulturen dazu; auch viele Schweizer Eltern würden ihr Kind zur Schule fahren. Um dieser Tendenz Einhalt zu gebieten, hat die Primarschule Unterengstringen bereits eine Kampagne geplant, welche aufgrund von Corona jedoch nicht lanciert werden konnte. Da die Schulleitung bei den Eltern bisher offenbar auf taube Ohren gestossen ist, habe man über den Schülerrat die Kinder nun selbst dazu animiert, ihre Eltern über die Vorteile eines richtigen Schulwegs zu informieren: «Die Schüler sollen den Eltern sagen: ‹Fahrt mich nicht mehr, das tut mir nicht gut›», sagt Stadelmann.

Die Schulleitung der Primarschule Büel hat auch schon persönlich mit Eltern, welche nach Unterrichtsende auf ihr Kind warteten, gesprochen. «Die meisten sagen dann, dass es nur dieses eine Mal sei und es nicht mehr vorkomme», so Stadelmann. Ob dem die Wahrheit entspricht, bezweifelt sie. Ein Augenschein vor Ort zeigt jedoch, dass vielen Eltern durchaus bewusst ist, dass für ihre Kleinen ein Unfallrisiko besteht – vor allem jetzt, da unmittelbar neben dem Schulhaus gebaut wird. So hat ein Vater den Wunsch geäussert, Lotsen am Anfang und Ende der Baustelle zu platzieren, um den Verkehr für die PKWs wie auch für den Bagger zu regeln. Zudem müsse man verstehen, dass zu Beginn des Schuljahres viele Eltern ihre Kinder, die den Kindergarten oder die erste Klasse besuchen, noch begleiten wollen – sei es zu Fuss oder mobil. Mit letzterem soll spätestens nach der schulischen Eingewöhnungszeit Schluss sein, findet Stadelmann: «Die Kinder müssen alleine ihre Erfahrungen auf dem Schulweg machen.»

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