Limmattal

Freude, Unsicherheit und Enttäuschung: So erlebten die Bezirksparteien den Wahlsonntag

Die Limmattaler GLP freute sich über die grüne Welle, während die Bezirkspartei der SVP diese als Grund für ihre Wahlverluste identifizierte. Auch bei FDP, SP und CVP gab es an den Wahlapéros viel zu bereden.

Die Stimmung ist gelöst im Schlieremer Restaurant Corona. Die Blicke der Limmattaler GLP-Vertreterinnen und Vertreter sind am Wahlapéro auf die Smartphones gerichtet. «Unglaublich, wir haben einen Wähleranteil von 14,5 Prozent erreicht», sagt der Dietiker GLP-Präsident Beat Rüfenacht, als die Wahlresultate der Stadt Schlieren bekannt werden. Die Zahlen der ersten Hochrechnungen sprechen eine deutliche Sprache.

Die Grünliberalen legen im Kanton und auch im Bezirk Dietikon stark zu. «So wie es aussieht, können wir unseren Wähleranteil mehr als verdoppeln im Vergleich zu den Wahlen 2015. Das ist ein riesiger Erfolg», sagt die wiedergewählte Kantonsrätin Sonja Gehrig. Das zeige, dass die konstruktive Sachpolitik der GLP in den vergangenen vier Jahren bei den Wählern ankomme, so die Urdorferin.

«Das ist der Dank für unser Engagement»: Wiedergewählte GLP-Kantonsrätin Sonja Gehrig freut sich über Wahlsiege der Ökoparteien

«Das ist der Dank für unser Engagement»: Wiedergewählte GLP-Kantonsrätin Sonja Gehrig freut sich über Wahlsiege der Ökoparteien

«Die Klimadebatte hat zu unserem Erfolg beigetragen, doch auch die gute Arbeit der Parteiteams darf man nicht unterschätzen», sagt Rüfenacht. Die Schlieremer Gemeinderätin Songül Viridén, die auch für den Kantonsrat kandidierte, ist gleicher Meinung: «Es macht deutlich, wie gut wir im Bezirk gearbeitet haben. Das gibt uns Motivation, so weiterzumachen.» Lange hält es die GLP aber nicht in Schlieren. «Wir wollen mit unseren Parteikolleginnen und -kollegen im Restaurant Commihalle in Zürich auf das Glanzresultat anstossen», sagt Gehrig.

«Es sieht düster aus»

Nach feiern ist der Limmattaler SVP im Clubhaus beim Sportplatz Werd in Geroldswil nicht zumute. Der Oberengstringer Gemeinderat Andreas Leupi schaut konsterniert auf die Projektion an der Wand, die die Wahlresultate der SVP im Bezirk und im Kanton darstellt. «Es sieht düster aus. Wir haben in allen Limmattaler Gemeinden Wähler verloren», sagt Leupi. Ein Trost ist, dass sich Rochus Burtscher, André Bender, Pierre Dalcher und Diego Bonato im Kantonsrat halten können. «Es ist wie beim Fussball, wenn man ein Goal schiesst und trotzdem verliert», beschreibt der Oberengstringer Gemeindepräsident André Bender seine Gefühlslage.

Er ist sich sicher: «Die Klimadiskussion hat der GLP und den Grünen geholfen.» Rochus Burtscher wird konkreter: «Greta Thunberg kam uns dazwischen.» Anders sieht es Pierre Dalcher. «Es war nicht gut, dass die SVP die jungen Klimaaktivisten nicht ernst genommen hat. Jetzt haben wir die Quittung bekommen.» Den Kopf in den Sand stecken wollen die wiedergewählten Kantonsräte aber nicht. «Wer nicht verlieren kann, kann auch nicht gewinnen. Die GLP und die Grünen stehen nun in der Pflicht und ich bin gespannt, wie sie sich schlagen werden», sagt Bender. Wie die SVP die Gunst der Wählerschaft wieder zurückerobern kann, weiss Rochus Burtscher: «Die Bevölkerung muss lernen, uns zu spüren, und umgekehrt müssen wir uns bemühen, ihr zu zeigen, was uns wichtig ist. Wir dürfen nicht in Schützengräben verharren, sondern müssen offen sein, um zu verhandeln.»

Zurück in Schlieren: Beim FDP-Wahlapéro im Stürmeierhuus droht die Stimmung am späten Nachmittag zunehmend ins Negative zu kippen. Langsam macht sich die Gewissheit breit, dass die Grünen den zweiten FDP-Regierungsratssitz definitiv schnappen. «Ich bin persönlich enttäuscht. Ich dachte, er schaffe das», sagt Wahlkampfleiterin Barbara Angelsberger. Die Kantonsräte Andreas Geistlich und André Müller können sich immerhin über ihre Wiederwahl freuen. «Wir haben im Bezirk einen soliden Wahlkampf geführt», sagt Geistlich. «Ich bin sehr zufrieden mit meinem Abschneiden, das habe ich in dieser Deutlichkeit nicht erwartet.» Zu dem Zeitpunkt besteht unter den Mitgliedern noch leise Hoffnung, dass Yiea-Wey Te einen dritten Sitz für die FDP holt. Denn sicher ist, dass die BDP diesen verlieren wird. Doch daraus wird nichts. «Mein Resultat zeigt, dass sich mein Einsatz trotzdem gelohnt hat», sagt Te. Er sei aus dem Nichts gekommen und habe viel gelernt und viele Kontakte geknüpft.

Sitzverteilung beschäftigt

Auch bei den SP-Mitgliedern, die ganz in der Nähe vor dem Freizeithüsli anstossen, ist die noch offene Sitzverteilung das grosse Thema. Als klar wird, dass die SVP den letzten Sitz trotz deutlichen Verlusten erhalten wird, sagt Wahlkampfleiter Pascal Leuchtmann: «Das ist ein Tribut, den wir dem doppelten Pukelsheim zollen müssen.» Weil die Sitze über den Kanton gesehen gerecht verteilt werden, sei dies in einzelnen Bezirken nicht immer der Fall. Die beiden wiedergewählten Kantonsräte Rosmarie Joss und Markus Bärtschiger freuen sich, dass die SP im Limmattal leicht zulegen konnte. «Der Bezirk wird urbaner, das ist uns zugutegekommen», sagt Joss. Sie glaubt, die Partei hätte ohne den Wahlkampffokus auf das Klima besser abgeschnitten. «Ich gönne es den Grünen», sagt Bärtschiger. Die neue Sitzverteilung im Kantonsrat sei auch für die SP positiv. Aber er bedauert, dass die SP trotz ihrer Klimapolitik nicht als grüne Partei angesehen werde.

Auf der anderen Seite der Gleise am Goldschlägiplatz feiern die Mitglieder der CVP im Restaurant Da Paulo die Wahlen. Neben der Wiederwahl von Kantonsrat Josef Wiederkehr freut sich die CVP auch über die erfolgreiche Wahl von Ingo Engelmann als Ersatzmitglied des Bezirksrats. «Es ist schön, dass der Bezirk eine CVP-Hochburg bleibt und ich wieder die Chance erhalte, das Limmattal im Kantonsrat zu vertreten», sagt Wiederkehr. Engelmann beschwört in seiner kurzen Ansprache die neue Dynamik, die die Bezirkspartei gepackt habe. Auch Bezirksparteipräsident Bruno Hüppi ist ob der grünen Welle sehr zufrieden damit, dass die CVP ihren Wähleranteil im Limmattal halten konnte. «Es hat sich bezahlt gemacht, dass wir unsere Linie seit längerer Zeit fahren.»

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