Im Bastelraum von Georgina Bachmann findet man glänzende Stoffe, farbiges Papier, zwei Nähmaschinen und Poster von Musicals. Einen Ehrenplatz gebührt «Les Misérables». «Als wir dieses Musical vor einigen Jahren mit dem Chor Vocal Cord aufführten, kamen wir echt an unsere Grenzen», sagt Bachmann. Damals waren ausser dem Dirigenten unerfahrene Laiensänger und -schauspieler dabei. Das hat sich mittlerweile geändert. Bachmann hat einen Master in Theaterpädagogik an der Zürcher Hochschule der Künste absolviert. Das hilft ihr beim Regieführen der Musicals. Der Chor und die Darsteller seien mittlerweile auf einem semiprofessionellen Level, sagt die Birmensdorferin.

Nicht nur die Qualität der Aufführungen veränderte sich in den letzten 20 Jahren des Chors: Aus den jugendlichen Sängern wurden Väter, aus den Studentinnen Geschäftsfrauen und der langjährige Dirigent wurde durch einen jüngeren ersetzt. Wurde anfangs ausschliesslich gesungen, stehen heute die Musicals im Vordergrund. Was geblieben ist, ist der Elan der Sänger im Chor mitzusingen und mitzuspielen. «Der Dienstag ist für mich ein absolut fixer Termin», sagt die 39-Jährige. Da müsse viel passieren, bis sie die Chorprobe fallen lasse.

Einen Tag pro Monat ist besetzt

Die zweifache Mutter ist Primarschullehrerin und Schulleiterin im Schanzengraben in Zürich. Für die Musicalproduktion engagiert sie sich im Ehrenamt. «Ein Tag im Monat bin ich sicher beschäftigt», sagt sie. Die Regie teilt sie sich mit Carola Berendts. Doch diese sei mehr als nur Regiepartnerin. Die Jahre der Zusammenarbeit haben zu einigen langjährigen Freundschaften in der Gruppe geführt. Berendts ist beispielsweise die Gotte von Bachmanns Tochter.
«Les Miserables», «Mamma Mia», «Africa» und diesen Frühling nun «Die letzte Geschichte aus 1001 Nacht» – die bisherigen Musicalthemen des Chors sind so vielfältig wie die rund 30 Teilnehmer. «Bei uns darf sich jeder ins Thema einbringen», sagt Bachmann. Bis ein Musical entsteht, setzt sich jeweils eine Gruppe aus dem Chor zusammen und diskutiert Vorschläge.

Einen speziellen Themenschwerpunkt haben sie nicht: «Wir wollen den Leuten einfach eine Freude machen», sagt Bachmann. Was aus den Ideen entsteht, ist zu einem grossen Teil dem Chor überlassen. «Wir ändern unser Drehbuch laufend, wenn überzeugende Ideen dazukommen.» Die Grenzen für die Schwarm-Kreativität werden von den finanziellen und persönlichen Ressourcen gesteckt. Da das Projekt ganz von Spendern getragen wird, können nicht alle Wünsche erfüllt werden. Ein bislang unerfüllter Traum von Bachmann ist zum Beispiel einmal mit professionellem Licht zu arbeiten. Andere Ideen setzt die Gruppe gemeinsam um: Sie nähen Kostüme, jemand erstellt die Grafik, eine Gruppe ist für die Bühnenbilder zuständig. «Was wir nicht machen würden, wäre einen professionellen Sänger oder Tänzer anstellen», sagt Bachmann.

Damit Interessierte mitmachen können, müssen sie einzig einmal beim Dirigenten vorsingen. Doch momentan habe der Chor eine kurze Aufnahmesperre, denn «mehr als 30 Leute haben ja auf der Bühne gar nicht Platz». Bis anhin führte der Chor die Musicals im Üdiker-Huus und im Casino in Affoltern am Albis auf.

Als Bachmann zum ersten Mal in einem Chor sang, war sie in der vierten Klasse. Sie musste sich für eine Sportart und etwas Musikalisches entscheiden. Der Chor blieb ihr über all die Jahre erhalten. Auf ihre eigenen Kinder ist der Funke bereits übergesprungen. «In den letzten Tagen sangen wir viele Lieder aus dem Musical Cats zu Hause», sagt sie. Mit gutem Grund: bald geht sie mit dem Ältesten das Musical anschauen. Für Bachmann wird der Besuch einerseits ein Freizeitgenuss und andererseits eine Inspiration für ihr nächstes Projekt.