Geroldswil
«Solche Sachen dürfen nicht passieren»: Vor dem Impfbus war Geduld gefragt

Am Freitagnachmittag hat ein Impfmobil der Zürcher Gesundheitsdirektion beim Geroldswiler Zentrum Huebegg halt gemacht. Schnell zeigte sich: Einiges läuft noch nicht so wie geplant. Trotzdem liessen sich zahlreiche Leute piksen – wenn auch nicht immer mit voller Überzeugung.

Sven Hoti
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Die Gemeinde hatte dieses Impfmobil von der Gesundheitsdirektion Zürich angefordert.

Die Gemeinde hatte dieses Impfmobil von der Gesundheitsdirektion Zürich angefordert.

Severin Bigler

Am Freitag um 15 Uhr standen bereits rund 20 Personen in der Schlange vor dem Impfmobil beim Zentrum Huebegg in Geroldswil. Sie alle warteten darauf, sich auch noch eine Coronaimpfung verpassen zu lassen. Und sie warteten ein Weilchen. Denn auch nach einer Viertelstunde konnte noch nicht geimpft werden. «Es ist alles sehr unorganisiert hier», meinte eine wartende Frau. «Man will, dass sich auch die impfen lassen, die bis jetzt zögerten, und dann das.»

Die Stimmung an diesem Nachmittag war gereizt, doch die Leute warteten. Nach einer halben Stunde hatte sich bereits eine stattliche Schlange gebildet. Rund 35 Minuten nach dem geplanten Start konnte es dann endlich losgehen mit dem Impfen. Die nächste Panne folgte sogleich: So war eigentlich der Plan, dass die Pill Apotheke beim Zentrum die Zweitimpfung durchführt. Doch dort wusste man von nichts. Die Gemeindeverwaltung legt Wert auf die Feststellung, dass der diesbezügliche Fehler beim Kanton passiert sei.

Nach einer Weile hatte sich bereits eine stattliche Schlange vor dem mobilen Impfzentrum gebildet.

Nach einer Weile hatte sich bereits eine stattliche Schlange vor dem mobilen Impfzentrum gebildet.

Severin Bigler

Dante Brumana ist Logistiker im Impfzentrum Uster und in Geroldswil zuständig für die Ausstattung des Impfmobils und den Aufbau der Impfzelte. Er verstehe den Ärger der Leute, sagte Brumana, und ergänzte:

«Solche Sachen dürfen nicht passieren, das ist uns klar.»

Gleichzeitig sei Vieles noch neu für das Personal. Die Impfmobile der Gesundheitsdirektion stehen erst seit einer Woche im Einsatz. Brumana meint: «Mit der Zeit werden die Impfteams eingespielt sein und die Abläufe besser werden.»

Nachdem der anfängliche Ärger über das Warten verflogen war, ging das Impfen flüssig vonstatten. Acht Helfer und ein Arzt des Impfzentrums Uster betreiben das mobile Impfzentrum in Geroldswil. Es besteht aus einem Impfbus, wo die Spritzen aufgezogen werden, sowie zwei Zelten, wo geimpft und die Wartezeit nach der Impfung verbracht wird. Zur Verfügung stehen der Impfstoff von Pfizer für die unter 16-Jährigen sowie der Moderna-Impfstoff für alle ab 16 Jahren.

Im eigentlichen Impfbus werden die Spritzen aufgezogen.

Im eigentlichen Impfbus werden die Spritzen aufgezogen.

Severin Bigler
Die Impfungen werden in einem Zelt verabreicht. In einem Zelt daneben sitzen die frisch Geimpften die obligate Wartezeit ab.

Die Impfungen werden in einem Zelt verabreicht. In einem Zelt daneben sitzen die frisch Geimpften die obligate Wartezeit ab.

Severin Bigler

Nach über einer Stunde hatte sich die Warteschlange zu einem Wurm verkürzt. Auffällig: Es befanden sich auch einige ältere Menschen in der Warteschlange. Etwa die 85-jährige Christina Schwyn. Sie sei lange unschlüssig gewesen, sagte die Geroldswilerin. «Meine Kinder haben mich dazu gedrängt.» Ausserdem befürchte sie weitere Einschränkungen für Ungeimpfte.

Eine Oberengstringerin, die anonym bleiben will, nervte sich über die «Bevormundung» durch die Politik. Diese sei ihr mit der Zeit «zu blöde geworden» und nach dem Austausch mit einer Freundin habe sie schliesslich eingelenkt. Sie meinte:

«Ich bin schon 67. Wenn es mich wegen der Impfung putzt, dann ist es auch egal.»

Wenig überzeugt ergab sich auch Brigitte Schai ihrem Schicksal. Sie wolle wieder reisen, erklärte die 53-jährige Weiningerin. Aber sonst sehe sie den Sinn und Zweck der Impfung nicht ein. «Ich hab keine Vorteile, wenn ich geimpft bin. Die Maskenpflicht bleibt ja sowieso bestehen.»

Andere wiederum liessen sich impfen, weil in ihrem Umfeld schon viele immunisiert sind. Dazu gehörten der 52-jährige Francesco Serratore und die 17-jährige Anita Lehmann aus Geroldswil. «Der Hausarzt hat mich von der Impfung überzeugt», sagte Serratore. Ein bisschen Gruppendruck sei schon dabei gewesen, gesteht Lehmann. Unsicher sei sie noch immer: «Man weiss ja noch nicht genau, welche Langzeitfolgen die Impfung haben kann.»

Ihre Kinder hätten sie zur Impfung geschickt, sagte die 85-jährige Christina Schwyn aus Geroldswil.

Ihre Kinder hätten sie zur Impfung geschickt, sagte die 85-jährige Christina Schwyn aus Geroldswil.

Sven Hoti

Die Gemeinde Geroldswil hatte das Impfmobil von der Zürcher Gesundheitsdirektion bestellt. Die Gesundheitsdirektion will mit der Aktion die Impfquote im Kanton erhöhen. Das Mobil wird am kommenden Montag wieder zwischen 15 und 20 Uhr beim Zentrum Huebegg halten. Dann werden weitere Erstimpfungen durchgeführt. Wo die frisch Geimpften ihre zweite Dosis erhalten, ist noch offen. Der Leiter des Impfzentrums in Uster kläre das gegenwärtig mit der Gesundheitsdirektion ab, sagte Logistiker Brumana.

Neben Geroldswil haben im Limmattal auch die Gemeinden Urdorf und Oetwil ein Impfmobil bestellt. In Oetwil macht es am Dienstag, 7. September sowie für die Zweitimpfung am Donnerstag, 7. Oktober jeweils von 16 bis 20 Uhr auf dem Gemeindehausplatz halt. In Urdorf kann man sich am Samstag, 18. September sowie am Samstag, 16. Oktober jeweils von 8 bis 16 Uhr auf dem Mehrzweckplatz Zwischenbächen piksen lassen. Eine Voranmeldung ist nicht nötig. Impfwillige sind dazu angehalten, ihren Ausweis und ihre Krankenversicherungskarte mitzunehmen.

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