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«Giardino Verde»: Unternehmen verliert vor Bundesgericht – zudem prüfen Behörden die Bewilligung

Was Rang und Namen hat, trifft sich im «Giardino Verde»: So auch die Limmattaler Stadt- und Gemeinderäte im Juni 2018 mit Regierungsrätin Jacqueline Fehr.

Was Rang und Namen hat, trifft sich im «Giardino Verde»: So auch die Limmattaler Stadt- und Gemeinderäte im Juni 2018 mit Regierungsrätin Jacqueline Fehr.

Sieg für Margrit Gysel. Uitiker «Giardino Verde» wehrte sich bis vor höchste Instanz. Juristisch gesehen ist das Lokal eine Besenbeiz – solange sie mehr Geld macht mit Küchenkräuterli statt mit Cüpli. Das kontrollieren jetzt die Behörden.

Giusep Fry winkt ab. «Ich bin nur der Pächter», sagt der Boss vom Üetliberg-­Hotel «Uto Kulm» und vom tropischen Uitiker Eventlokal «Giardino Verde», offiziell «Giardino Verde Pflanzen & Event AG» genannt. Deren Business steht nun auf dem Spiel. Denn das ­Gastro-Geschäft im Gewächshaus in der Landwirtschaftszone hängt an einer Ausnahmebewilligung mit zahlreichen Auflagen und Bedingungen.

Die «Giardino Verde Pflanzen & Event AG» pachtet das Eventlokal von der Eigentümerin ­Winanatura AG. Gärtnerei und Event-­Lokal, das ist das «Giardino»-Erfolgsrezept.

Die Liegenschaftseigentümerin Winanatura AG hatte die Ausnahmebewilligung 2015 erhalten und sich zuerst gegen die Auflagen gewehrt. Dann wurde die Ausnahmebewilligung rechtskräftig. Der nächste Countdown begann zu ticken: Zwei Jahre, nachdem die Ausnahmebewilligung rechtskräftig wird, muss die Winanatura AG den Nachweis erbringen, dass sie das 2015 vom Kanton abgesegnete Betriebskonzept einhält, dass sie auch mit der Gärtnerei richtig Geld einnimmt und nicht nur mit dem Eventlokal.

Scheitert der Nachweis, bedeutet das voraussichtlich das Aus für das berühmte Eventlokal, in dem schon zahlreiche grosse Hochzeiten und andere Feste gefeiert wurden. «Es ist ein Damoklesschwert», sagt ­Winanatura-Anwalt Christian Juchler, Partner der Kanzlei Steinbrüchel Hüssy am Zürcher Grossmünsterplatz.

Nun sind Kanton und Gemeinde gefragt. Die Behörden haben es in der Hand, ob das «Giardino Verde» weitermachen darf. Die Kontrolle ist im Gang.

Der Clou: Das Eventlokal ist juristisch gesehen ein Nebenbetrieb der Gärtnerei, eine Besenbeiz. Diese muss darum längerfristig rentabel sein. Eine Quersubventionierung durch das Eventlokal ist nicht erlaubt.

Anders gesagt: Die Betreiber müssen mit dem Anbau von Stauden, Gemüse und Kräutern Rendite erzielen – nicht mit Speis und Trank. Kurz: Kräuterli statt Cüpli.

Zuletzt beschäftigte sich auch das Bundesgericht mit der Gastro-­Gärtnerei – wegen einer anderen Frage. Die Uitikerin Margrit Gysel – sie ist bekannt als Üetliberg-Naturschützerin – wollte Einsicht nehmen in die Ausnahmebewilligung, die die kantonale Baudirektion ausgestellt hatte. Der Kanton, ganz dem Öffentlichkeitsprinzip gemäss, wollte ihr das Dokument geben. Doch die Winanatura, vertreten durch Anwalt Christian Juchler, wehrte sich bis vor Bundesgericht – um zu verhindern, dass die Ausnahmebewilligung mitsamt Betriebskonzept in Gysels Händen landet. «Geschäftsgeheimnis», so das Argument.

Spezielle Kulisse für Hochzeiten: Das «Giardino Verde» ist auch ein beliebtes Traulokal.

Spezielle Kulisse für Hochzeiten: Das «Giardino Verde» ist auch ein beliebtes Traulokal.

Das Bundesgericht hat nun Gysel Recht gegeben. Der Kanton musste ihr die Ausnahmebewilligungsverfügung aushändigen. Auch der «Limmmattaler Zeitung» liess der Kanton die Verfügung gestern auf Anfrage zukommen. Das Betriebskonzept gilt aber juristisch gesehen als «massgebende Unterlage» und nicht als Teil der Verfügung. Darum bleibt das Betriebskonzept der Öffentlichkeit nach wie vor verschlossen. Gysel siegte also, ohne ihr Ziel zu erreichen. Sie hofft nun auf die Gemeinde.

Diese hat es zusammen mit dem Kanton in der Hand, ob die Ausnahmebewilligung gültig bleibt. Zurzeit wird kontrolliert, ob die Winanatura AG das Betriebskonzept einhält. Falls nicht, würde das Unternehmen die Bedingungen für die Ausnahmebewilligung nicht mehr erfüllen. Gysel hat diese Woche der Gemeinde einen Brief zum Thema geschickt. «Ich hoffe, dass die Gemeinde die Sache gut überprüft», sagt Gysel. 

Die Winanatura AG wartet. «Wir haben unseren Nachweis, dass wir das Betriebskonzept einhalten, bei der Gemeinde eingereicht», sagt Anwalt Juchler. Die Winanatura erhoffe sich Rechtssicherheit, um längerfristig zu investieren. Investiert in die Gärtnerei hat sie nach 2015 schon viel, etwa in die Bewässerungsanlage. Viel steht auf dem Spiel, und die Sache ist kompliziert.

Wegen Corona sind derzeit alle Mitarbeiter des «Giardino»-Eventlokals auf Kurzarbeit, heisst es auf dessen Website.

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