Freilichttheater in Oetwil

Gotthelf zu Besuch im Limmattal

Mit «Die schwarze Spinne» zeigt das Theater Kanton Zürich eine düstere Geschichte in neuer Inszenierung.

Ein schmerzender Kuss auf die Wange, ein Versprechen mit grausamen Folgen und der Tausch mit einem ungetauften Kind – es ist die Geschichte der schaurigen Novelle von Jeremias Gotthelf aus dem Jahr 1842, die auf dem Dorfplatz in Oetwil gezeigt wird. Nicht das erste Mal gastiert das Theater Kanton Zürich in der Gemeinde und lockt zahlreiche Besucher an, die nun dicht gedrängt in den vollbesetzten Zuschauerreihen im Freilichttheater sitzen und gespannt warten bis die Vorstellung, wie das Bühnenbild verrät, mit der ersten Szene in einer Schreinerei beginnt. Ganz so düster wie die Novelle es ankündigt, ist die Inszenierung unter der Regie von Elias Perrig keineswegs, sodass in vielen Szenen auch gelacht wird und die Umsetzung für Staunen und Überraschungen sorgt.

Man ist gespannt auf die Spinne

Ein spezieller Bezug zum Stück hat die Zuschauerin Katharina Dapper, die seit 19 Jahren in Oetwil zu Hause ist. Für sie ist der Besuch des Freilichttheaters auch mit der Erinnerung an ihre alte Heimat verbunden: «Ich bin im Emmental aufgewachsen und gehe immer noch regelmässig dorthin. Mit meinen Geschwistern besuche ich das Stück «die schwarze Spinne» jeweils direkt vor Ort, wo ein altes Bauernhaus zur Kulisse dient und so die Atmosphäre einzigartig macht», erzählt sie.

Auch der Autor Jeremias Gotthelf, dessen richtiger Name Albert Bitzius lautet, sei mit derselben Region verwurzelt gewesen, sodass ein Besuch der Vorstellung zu diesem berühmten Werk alle zwei Jahre ganz einfach dazugehöre, so Dapper. Zur Frage, wie ihr denn diese Vorstellung im Limmattal gefiele, meint sie in der Pause: «Ich habe mich sehr gefreut, dass das Stück in der Region aufgeführt wird und es ist schon ganz anders als die Vorstellung, die ich auf Berndeutsch kenne, wo keinerlei deutsche Sätze eingebaut sind.

Die Schauspieler sind sehr gut, aber das Stück ist so anders, dass ein direkter Vergleich mit dem Original schwierig ist» – sie sei nun aber sehr gespannt, wie die Spinne im Gesicht in dieser Version umgesetzt wird.

Bis in die Dämmerung

Einer Einladung gefolgt und von der Fahrweid zur Vorstellung angereist ist auch das junge Paar Matthias Kornmaier und Myrta Koch. Es sei zwischendurch sehr lustig und natürlich sehr gut gespielt, sagt der 26-jährige Matthias Kornmaier und seine Freundin ergänzt: «Wir können der Geschichte sehr gut folgen, auch ohne grosse Vorkenntnisse zum Werk».

Vom Abend überraschen liessen sich ebenfalls die beiden Oetwilerinnen Doris Oberortner und Claudia Lehmann, die die Novelle noch aus der Schulzeit kennen: «Es ist eine tolle Gelegenheit das Stück Openair hier im Dorf zu sehen», sagt Doris Oberortner.

Mit der allgemeinen Nachfrage zeigt sich Gemeindepräsident Paul Studer bei der Ticketausgabe sehr zufrieden: «Es sind rund 170 Sitzplätze zur Verfügung gestellt und auch das Wetter spielt mit», freut er sich. Den Bewohnern des Dorfes, die keine Tickets mehr ergattern konnten, dürften dennoch einzelne Szenen nicht entgangen sein. Denn die emotionsgeladene Inszenierung dauerte zwei Stunden bis in die Dämmerung.

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