Der Quartierverein Limmatfeld will nicht mehr länger die Faust im Sack machen. In der Mina-Hess-Strasse hat er darum die gelben Parkplatzlinien blau gefärbt und die Parkuhren mit Müllsäcken umhüllt. Schon seit Jahren sind viele im Quartier unzufrieden mit der Parkplatz-Situation. An vielen Strassen stehen nur gelbe Parkplätze zur Verfügung. Diese sind kostenpflichtig, und man darf sie maximal zwei Stunden lang benutzen. Dieses Regime ist in den Quartierstrassen mehrfach ausgeschildert. Wer länger als zwei Stunden parkiert, erhält oft eine Busse. Das stört das Quartier.

Aus Sicht des Quartiervereins müssen die Quartierstrassen zur blauen Zone werden. Denn für solche öffentlichen Parkplätze lassen sich zum Beispiel Tagesparkkarten lösen oder Anwohnerparkkarten ausleihen, wenn man für einen mehrtägigen Weihnachtsbesuch mit dem Auto ins Limmatfeld kommt.

Die Halter AG, die den neuen Stadtteil entwickelte, bietet aber keine Hand für eine solche Lösung, die im Sinne des Quartiervereins und der Stadt wäre. Die Stadt ist der festen Überzeugung, dass diese Parkplätze ihr gehören müssten.

So entzündete sich der Streit

So ist im Privaten Gestaltungsplan Limmatfeld festgehalten, dass der Strassenraum nach rechtskräftiger Abnahme der Bauwerke ins Eigentum der Stadt übergeht. Doch sind sich Stadt und Halter nicht einig, was «Strassenraum» ist. Aus Sicht von Halter ist nur die Fahrbahn gemeint. Die Stadt ist derweil überzeugt, dass der Strassenraum von Fassade zu Fassade zu definieren ist, dass also auch das Trottoir mit den Parkplätzen dazugehört. So beantwortete die Stadt im Januar auch eine Interpellation von Quartiervereinspräsident und Gemeinderat Peter Metzinger (FDP).

Da diese Uneinigkeit schon seit Jahren andauert, ohne dass etwas im Sinne der Bewohner passiert, führte der Quartierverein am Dienstag seine Guerilla-Aktion durch. Beim verwendeten Blau handelt es sich um harmlose Kreide-Sprühfarbe.

In einer Mitteilung hält der Verein fest, die Parkplätze würden viermal täglich kontrolliert und Besucher würden zu oft «wegen geringfügiger Überschreitung der viel zu kurzen Maximal-Parkdauer mit 50 Franken gebüsst». «Wir haben deshalb schon Kunden verloren», wird ein Geschäftsinhaber in der Mitteilung zitiert. Autofahrern empfiehlt der Verein, Bussen nicht zu akzeptieren, bis die rechtliche Lage geklärt sei.

Aus Sicht der Halter AG ist keine Klärung der Rechtslage nötig. Man habe das Verkehrskonzept aus dem Gestaltungsplan von 2009 umgesetzt, die Pflichtparkplätze gemäss den Auflagen in den Baubewilligungen erstellt und die Eigentümer würden die Parkplätze so wie bewilligt bewirtschaften. Ausserdem hält sie fest, dass kein Rechtsstreit besteht.

Das betont auch die Stadt, die um eine einvernehmliche Lösung bemüht ist. Sie findet, sie habe das Recht auf die Parkplätze. Wie sie dieses Recht gegenüber der Halter AG durchsetzen will, dazu lässt sie sich derzeit nicht in die Karten blicken. Stadtschreiberin Karin Hauser bittet dafür um Verständnis.

Ein Rezept für eine einvernehmliche Lösung dürfte die Stadt aber haben. Es wäre zumindest nicht das erste Mal, dass die Stadt gegen die Halter AG obsiegt. Zur Erinnerung: Es gab auch einen Rechtsstreit um den Rapidplatz. Unter dem nördlichen Teil des Platzes sind Altlasten vorhanden. Die Halter AG hatte die Stadt verklagt, um diese zur Übernahme des Platzes zu bewegen. Doch das kantonale Verwaltungsgericht gab der Stadt recht. Somit blieb das Risiko für eine teure Altlastensanierung bei den privaten Grundeigentümern.

Die Halter AG betont, die 2-Stunden-Beschränkung auf den gelben Parkplätzen sei «eminent wichtig» fürs Gewerbe. Zudem könnten die Parkplätze zwischen 20 und 8 Uhr sowie sonntags bis zu 12 Stunden und zu einem günstigeren Tarif belegt werden. Tagsüber stehe zudem für längere Parkdauern das Parkhaus im Limmatfeld zur Verfügung. Diese kostenpflichtige Tiefgarage ist zurzeit sehr attraktiv: Seit Wochen sind dort die Barrieren nonstop geöffnet, weshalb derzeit gratis parkiert werden kann.