Urdorf

Hallenbad: Drahtseilakt zwischen Schutzkonzept und Schwimmerfreude birgt Schwierigkeiten

Wenn nicht gerade Schwimmunterricht ist, ist es eher eng im Hallenbad Urdorf. (Archivbild)

Wenn nicht gerade Schwimmunterricht ist, ist es eher eng im Hallenbad Urdorf. (Archivbild)

Die Gemeinde Urdorf setzte im Hallenbad strenge Schutzvorschriften durch, um die Sicherheit der Schwimmer zu maximieren. Das freut nicht alle.

Die Coronavorsichtsmassnahmen des Urdorfer Gemeinderats im Hallenbad sorgen bei einigen Schwimmern für Unverständnis. Ende August teilte die Gemeinde mit, dass das Bad im Zentrum Spitzacker mit einem strengen Schutzkonzept aufgeht. Dieses Konzept sieht vor, dass das Hallenbad zu verschiedenen Zeiten entweder nur für jeweils eine geschlossene Gruppe wie etwa Schulklassen oder für öffentliches Schwimmen zugänglich ist. Für Letzteres sind laut Gemeinde maximal 30 Personen vor Ort zulässig. Was das nun in der Tat bedeutet, haben Badegäste in den letzten beiden Wochen erfahren. Bruno Streit traute seinen Augen kaum, als er vor dem Hallenbad stand und von den neuen Öffnungszeiten las.

«Von Montag bis Freitag ist das Bad an keinem einzigen Morgen offen und nur am Mittwochnachmittag bis um 17 Uhr geöffnet», schreibt der Leser in einem Brief an die «Limmattaler Zeitung». Für die arbeitende Bevölkerung, aber auch die älteren Jahrgänge bleibe also nur noch das Wochenende. Dann müsse man das Bad aber auch mit vielen Familien teilen.

Für Streit, der ein Hallenbadjahresabonnement besitzt, eine inakzeptable Situation. Und nicht nur für ihn. «Ich habe mit zahlreichen Hallenbadbenutzerinnen und -benutzern gesprochen. Sie sind alle enttäuscht.» Und auch das Hallenbadpersonal, mit dem er vor Ort gesprochen habe, würde lieber länger offen haben, so Streit.

Er fragt sich: «Ist das Coronavirus nicht nur eine faule Ausrede? Will man Personal sparen oder die Bevölkerung sogar darauf vorbereiten, dass das Hallenbad wegen der bevorstehenden dringenden Sanierung irgendwann einmal einer Dreifachturnhalle oder anderen Bauten weichen muss?»

Distanzhalten ist in der Badi möglich

Unzufrieden ist Streit auch mit der kurzfristigen Absage des Open-Air-Kinos, das am 3. und
4. September im Freibad Weihermatt stattgefunden hätte. «Trotz bereits verkaufter Tickets hat man auf die Veranstaltung verzichtet. Das bleibt unverständlich», sagt Streit. Als Grund werde der Anstieg der bestätigten Coronafälle angeführt. Doch mit der nötigen Distanz, die das Freibad bringe, wäre eine Durchführung möglich gewesen, zeigt sich Streit überzeugt. Sein Appell an die Gemeinde: «Wir dürfen uns von der Virusangst nicht noch mehr einschränken lassen. Das Leben ist heute, was die Zukunft bringt, steht in den Sternen.»

Die Kritik erreichte auch die Gemeinde Urdorf. «Die kritischen Rückmeldungen sind uns bekannt», sagt Thomas Bollinger, Bereichsleiter Liegenschaften und Sportbetriebe. Man sei bezüglich des Hallenbads angesichts der Pandemie vor der Wahl gestanden entweder restriktiv oder gar nicht zu öffnen.
«Die bauliche Situation im Urdorfer Hallenbad ist sehr eng. In den Garderoben kommt man ganz schwer aneinander vorbei.» Deshalb habe der Gemeinderat entschieden, das Risiko nicht einzugehen, öffentliche Schwimmer, Schulklassen und Vereine gleichzeitig ins Hallenbad zu lassen. «Das Contact-Tracing wäre mit so vielen verschiedenen Personen praktisch nicht möglich», sagt Bollinger. Das Urdorfer Hallenbad in der Zentrumshalle solle angesichts der steigenden Fallzahlen kein Übertragungsort von Covid-19 werden.

Die Öffnungszeiten werden überprüft

Am Morgen besuchen vorwiegend Schulklassen das Hallenbad. «Wir wollten das Schulschwimmen nicht unterbinden.» Doch auch die Schule müsse sich einschränken, sagt Bollinger. «Es dürfen nicht mehr gleichzeitig mehrere Klassen zusammen schwimmen gehen.» Die gleichen Einschränkungen würden für den organisierten Schwimmunterricht sowie die Schwimmklubs gelten.

Die Kritik der Schwimmer nehme die Gemeinde ernst, führt Bollinger weiter aus. Es sei ihr bewusst, dass das Frühschwimmen ein Anliegen sei. «Deshalb werden wir prüfen, ob wir die Öffnungszeiten anpassen können», so Bollinger. Zudem würden sie gleich wie im Freibad eine Vergünstigung um 25 Prozent der neu gelösten Saison- und Jahreskarten in Betracht ziehen.

Bollinger weist den Vorwurf, dass die Einschränkungen etwas mit der anstehenden Sanierung des Hallenbads und Bauplänen im Zentrum zu tun hätten, zurück. «Das ist überhaupt nicht der Fall. Es geht hier ausschliesslich um den Schutz vor dem Virus.» Der Gemeinderat trage als Betreiber des Hallenbads die Verantwortung für die Gesundheit der Bevölkerung.

Die Gemeinde habe aber die Erfahrung gemacht, dass viele Leute kein Verständnis für die Coronasituation hätten und bevorzugt einfach so weiterfahren würden wie vor der Pandemie. «Doch das Problem ist, dass wir dieses neue Coronavirus nicht im Griff haben, wenn es Kreuzkontaminationen im Hallenbad gibt», sagt Bollinger. Auch für das Hallenbadpersonal sei die Situation herausfordernd. «Sie würden gerne möglichst viele Gäste willkommen heissen, doch das geht im Moment einfach nicht.»
Ähnlich verhält es sich mit dem abgesagten Open-Air-Kino. «Der Gemeinderat hat beschlossen, alle nicht zwingend durchzuführenden Gemeindeanlässe bis Ende Februar 2021 aufgrund der steigenden Fallzahlen abzusagen», sagt Bollinger. Dazu gehöre leider auch die Veranstaltung im Freibad.

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