Gericht

«Ich blute im Prinzip für andere, aber egal» – nach Chat mit «meli14zh» verurteilt

Der Beschuldigte musste sich vor dem Bezirksgericht Dietikon wegen versuchter Pornografie verantworten.

Der Beschuldigte musste sich vor dem Bezirksgericht Dietikon wegen versuchter Pornografie verantworten.

Die Strafe wegen versuchter Pornografie nahm der Schuldige an. Der 33-Jährige Limmattaler will aber keine Therapie. «Das geht ein Schritt zu weit», sagte er.

Er bekenne sich als schuldig und was auf den Chat folgte, sei für ihn ein Schock gewesen, sagte der Angeklagte. Er musste sich am Dienstag wegen versuchter Pornografie vor dem Bezirksgericht Dietikon verantworten. Auf der Chatplattform habe er sich nicht alleine aufgehalten. «Ich und meine Kollegen haben uns reingesteigert, wir haben geschaut, wie weit wir gehen konnten», sagte er gegenüber der «Limmattaler Zeitung». Es sei für ihn klar gewesen, dass die Antworten nicht von einer 14-Jährigen stammen konnten. Er bekenne aber seine Schuld, weil es sein Laptop gewesen sei.
Im Januar lief der 33-Jährige beim Chatten einem verdeckten Fahnder der Kantonspolizei Zürich ins Netz. Mithilfe der IP-Adresse konnte er überführt werden. Im Verlauf des Chats wurde klar, dass er mit einer 14-Jährigen kommunizierte. Auch der verdeckte Name des verdeckten Ermittlers der Kantonspolizei, «meli14zh», wies darauf hin. Nach rund einer Stunde Konversation sendete der Täter von seiner privaten Mailadresse aus ein Foto eines erigierten Glieds. Damit nahm er in Kauf, einer Minderjährigen pornografisches Material zur Verfügung zu stellen. Zum vereinbarten Treffen mit «meli14zh» erschien der Angeklagte nicht.

Die Tat sei nicht mit Pädophilie gleichzusetzen

Das Urteil eröffnete Einzelrichter Bruno Amacker. Der Wunsch des Beschuldigten, wenn immer möglich auf die Anordnung einer Therapie zu verzichten, wurde nicht erfüllt. Amacker sprach den Angeklagten schuldig. Er verordnete auch eine ­psychiatrisch-psychotherapeutische, deliktsorientierte Behandlung. Zudem muss der Schuldige, der von der Sozialhilfe lebt, eine Busse von 500 Franken bezahlen und es wird ihm eine Geldstrafe von 120 Tagessätze à 30 Franken auferlegt. Letztere wurde bedingt ausgesprochen. Das bedeutet, dass er das Geld nicht bezahlen muss, wenn er sich nichts mehr zuschulden lassen kommt. Die Probezeit beläuft sich auf drei Jahre. Bei Nicht-Bezahlung der Busse droht ihm eine Ersatzfreiheitsstrafe von fünf Tagen. Auch die Gerichtskosten wurden ihm auferlegt. Zudem wurde unter anderem die Abnahme einer DNA-Probe angeordnet.
«Ich blute im Prinzip für andere, aber egal», sagte der Angeklagte. Er sei bereit, die Busse zu bezahlen. Er wolle aber nicht, dass sein Verhalten mit Pädophilie gleichgesetzt werde. «Das geht einen Schritt zu weit», sagte er. Der Richter versicherte, dass die Anordnung der Therapie nicht als Verdacht auf Pädophilie zu ver­stehen sei.

Rotlicht missachtet und Fahrerflucht begangen

Der verurteilte Schweizer aus dem Limmattal hatte nicht erstmals mit der Justiz zu tun: Er wurde schon früher verurteilt, da er mit dem Auto ein Rotlicht missachtete und Fahrerflucht beging. Zudem ist ein Hausfriedensbruch aktenkundig.
Der Verurteilte sagte zum Schluss, dass er seine Lehren zieht. «Es kam vorher nie vor und es kommt danach nie vor.» Er hat zehn Tage Zeit, Berufung gegen das Urteil einzulegen. Das drohte er auch an, weil er die Therapie nicht wollte. Die Frage von Amacker, ob er dies mit seiner Aussage gleich tun wolle, verneinte er aber. Die Verhandlung war damit geschlossen.

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