Schlieren

«Ich brauche nicht viel Schlaf»: Rolf Wild hält den Schlierefäscht-Rekord

Wegen Rolf Wild wurde das Schlierefäscht 2011 von drei auf zehn Tage ausgebaut.

Am Freitag fällt der Startschuss für das Schlierefäscht 2019. Rolf Wild, der das OK-Präsidium bereits zum dritten Mal übernommen hat, freut sich besonders auf den Umzug und das Wasserspiel. Dennoch mahnt er die Stadt, in der Schlieremer Kulturpolitik müsse etwas gehen.

Besonders wenn man sich die Zahlen vor Augen führt, wird klar, welch ein Mammut-Event das Schlierefäscht ist. Mit einem Budget von rund 1,5 Millionen Franken und über 100 000 erwarteten Gästen hat es neue Dimensionen erreicht. Rolf Wild ist der Mann, der das Fest in den vergangenen zehn Jahren zu dem gemacht hat, was es heute ist. Die Vorfreude auf den Startschuss am Freitag steht ihm bei einem Rundgang über das Festgelände ins Gesicht geschrieben. «Wir vom Organisationskomitee arbeiteten nun dreieinhalb Jahre an Bürotischen und hielten rund 50 Sitzungen ab. Dass das Fest nun schrittweise mit jeder Bühne und jeder Festhütte mehr Gestalt annimmt, ist für uns besonders aufregend», sagt Wild.

Nach wenigen Schritten vom Zentrumsplatz auf der stillgelegten Badenerstrasse in Richtung Stadtpark wird er von einer Seniorin angesprochen. Ein paar freundliche Worte später schreitet sie mit Rollator in Richtung Bachstrasse und der nächste Bekannte steht bereit, um mit Wild einen Schwatz abzuhalten. Auch wenn es unmöglich erscheint, jeden einzelnen Einwohner der Stadt zu kennen: Man glaubt, dass Wild dem nahe kommt.

Dazu hat der gebürtige Schlieremer beste Voraussetzungen: Er leitete die städtische Finanzabteilung, war Feuerwehrkommandant und präsidierte den kantonalen Turnverband. An den drei Schlierefäschtern seit 2011 amtete er als OK-Präsident, seit drei Jahren steht er auch der Vereinigung Heimatkunde Schlieren vor. Umtriebig sei er schon immer gewesen. «Freiwilligenarbeit ist mein Hobby. Sie hält mich jung. Zudem brauche ich nicht viel Schlaf», sagt er.

Für ihn ist es mehr als ein Stadtfest, es ist eine Herzensangelegenheit, wie er sagt. Wild erzählt von der einmaligen Chance, aus dem stillgelegten Abschnitt der Badenerstrasse eine Food-Meile machen zu können. Und von den aufreibenden Verhandlungen mit der Stadt, bis der Abbruch der Mauer zwischen Stadtpark und Badenerstrasse vollzogen werden konnte und welch ein durchschlagender Erfolg das Wasserspiel vor vier Jahren war und heuer wieder werden wird.

Wild grillierte schon 1969 am ersten Stadtfest

Niemand vor ihm zeichnete für so viele Feste verantwortlich. Als die erste Ausführung des Grossanlasses 1969 über die Bühne ging, war Wild 19-jährig und brätelte am Stand der Männerriege Bratwürste. «Das erste Fest hat mich schwer beeindruckt. Es war halt etwas völlig Neues zu dieser Zeit. Es lief endlich etwas in Schlieren.» Über die Jahre wuchs das Fest, bis 2011 der grosse Sprung gelang. Wild legte sich dafür ins Zeug, den bislang dreitägigen Anlass auf zehn Tage auszubauen. Anfänglich wurde ihm Gigantismus vorgeworfen, doch bei genauerer Betrachtung rechnete sich diese Neuerung. «Der Aufbau all dieser Infrastruktur», Wild zeigt auf das grosse Zelt der Sommerbeiz, «lohnt sich erst so richtig für ein längeres Fest.» Schnell waren die Kritiker verstummt und auch die Anwohner, die während der Festtage einem höheren Lärmpegel ausgesetzt sind, seien kulant. «Zuletzt hatten wir 2011 eine Lärmklage wegen des Feuerwerks. Es sei viel zu laut. Der Betroffene wohnte in Oberengstringen», sagt Wild mit einem Schmunzeln auf den Lippen.

Ob er beim nächsten Schlierefäscht erneut das Präsidium übernimmt, weiss er noch nicht. Erst müssten grundlegende Fragen geklärt werden. «Im Bereich Kultur muss in der Stadt Schlieren etwas gehen. Es kann nicht sein, dass Vereine fast sämtliche kulturellen Aufgaben der Stadt übernehmen und dafür nur eine sehr geringe Entschädigung erhalten», sagt Wild.
Damit spricht er einerseits seinen Verein Event Schlieren an, der das Fest ausrichtet, und andererseits den Verein Freizeit Schlieren, der zahlreiche Kurse und Kultur-Veranstaltungen organisiert. Zudem fehle es wie andernorts auch am Nachwuchs. «Noch haben wir genug Freiwillige, die mithelfen. Einige sind aber bereits in ihren 80ern und kommen an die Grenzen der Belastbarkeit.»

1400 Teilnehmer am grossen Festumzug

Unangenehm wird es für Wild nur bei der Frage, worauf er sich am meisten freut. Für ihn wird die Wahl tatsächlich zur Qual. «Das ist hart», sagt er mit hängenden Schultern. Schliesslich wählt er den Festumzug vom kommenden Sonntag als seinen favorisierten Event. «Es wird sicher sehr eindrücklich, wenn die rund 1400 Teilnehmer durch die Strassen ziehen.»

ngeführt wird der Umzug vom Lisebethli-Tram. Neben diversen Musiken der Region beteiligen sich auch zahlreiche Vereine und Stiftungen wie etwa der Fussballclub und die Solvita.
Einziger Wermutstropfen ist, dass lediglich die Schulen Graben- und Schulstrasse sowie die Kindergärten Kalktarren Delegationen an den Umzug schicken. «Die Teilnahme an einem solchen Umzug ist für Kinder und Jugendliche ein spezielles Erlebnis, das sie einerseits untereinander und andererseits mit der Stadt verbindet.» Wild hofft, dass bei künftigen Umzügen alle Schulhäuser der Stadt eine tragende Rolle spielen werden.

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