Geroldswil

Ihr Traumjob: Mehr als 1000 Kindern hat sie das Schwimmen beigebracht

Im Hallenbad Geroldswil brachte Ursula Hintermeister über 1000 Kindern das Schwimmen bei. Bild: Colin Frei

Im Hallenbad Geroldswil brachte Ursula Hintermeister über 1000 Kindern das Schwimmen bei. Bild: Colin Frei

Ursula Hintermeister leitete 17 Jahre lang die Schwimmschule Limmattal. Nun übergibt die Weiningerin die Aufgabe der Gemeinde Geroldswil und verreist mit ihrem Ehemann im eigenen VW-Bus.

Es ist tropische 30 Grad warm, Chlorgeruch steigt in die Nase. Kinder hechten vom Sprungbrett ins Wasser, während Seniorinnen ihre Runden daneben drehen. Ursula Hintermeister läuft voll beladen zum Schwimmbecken im Hallenbad Geroldswil. In ihren Händen hält sie Schwimmbretter, Poolnudeln und sonstige Wasserspielzeuge. Hintermeister legt alles bereit für den nächsten Schwimmkurs. «Würfelspiele sind super, damit kann ich die Kinder vielfältig beschäftigen», sagt sie und balanciert den übergrossen farbigen Schaumstoffwürfel in ihren Händen.

In den vergangenen Wochen stand die Weiningerin teilweise jeden Tag im Hallenbad. Hintermeister leitet seit 17 Jahren die Schwimmschule Limmattal, gibt Kindern Schwimmunterricht und bringt Jugendlichen das Synchronschwimmen bei. Bald wird die 59-Jährige aber kürzer treten. Am 18. Dezember übergibt sie die Schwimmschule der Gemeinde Geroldswil. Künftig wird Maya Werder, Chefbademeisterin des Geroldswiler Hallenbads, sich darum kümmern.

«Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge», sagt Hintermeister. Es sei eine sehr intensive und schöne Zeit gewesen. «Ich konnte meinen Traumberuf ausüben, dafür bin ich sehr dankbar.» Neben den Kursen habe sie nämlich auch das Administrative, das Marketing und die Buchhaltungsaufgaben gerne erledigt. «Ich bin Verkaufsleiterin und komme aus der Marketing- und Kommunikationsbranche. Mit diesem Job konnte ich meine beiden Leidenschaften vereinen.»

Am Spanisch und Portugiesisch büffeln

Doch nun will Hintermeister Verantwortung abgeben. «Ich werde Ende Jahr 60 und mein Mann ist frisch pensioniert. Wir wollen die Zeit zusammen geniessen.» Mit der Leitung der Schwimmschule sei sie zeitlich stark eingebunden gewesen. «Wir freuen uns, dass wir jetzt mit unserem VW-Bus verreisen können, ohne an die Verpflichtungen zu Hause denken zu müssen», sagt Hintermeister. Spanien und Portugal stünden als Reisedestinationen bereits fest. «Mein Mann büffelt dafür seit fast drei Jahren Portugiesisch und ich Spanisch.»

Unbesorgt loslassen könne sie, weil es eine gute Nachfolgelösung gebe. «Es liegt mir am Herzen, dass es professionell weitergeht. Ich bin glücklich, dass Maya Werder die Aufgabe übernimmt.» Administrativ unterstützt wird sie von Badmeisterin und Schwimmlehrerin Barbara Wyss. Werder schrieb im Rahmen ihrer Ausbildung zur Fachfrau Badeanlagen eine Diplomarbeit, die sich damit befasst, wie sich eine Schwimmschule in eine Gemeindeverwaltung integrieren lässt. «Auch dank ihrem erfolgreichen Abschluss wird dieses Projekt nun zur Realität», sagt Hintermeister.

Start als Aushilfe mit zwei Lektionen

Vor 17 Jahren startete die gebürtige Oltnerin ihre Karriere an der Schwimmschule von Doris Born in Geroldswil. «Ich sprang damals in die Bresche», erinnert sie sich. «Meine Cousine, die in Oetwil wohnt, rief mich an und erzählte mir, dass eine Schwimmlehrerin ausgefallen sei und sie sofort jemand bräuchten, der zwei Lektionen übernimmt.» Hintermeister ging und blieb. «Aus den zwei Lektionen wurden schnell mehr. Und als Doris Born aufhörte, führte ich die Schule als Schwimmschule Limmattal weiter.» Form und Struktur veränderte sie. «Ich legte fest, wie viele Kinder einen Kurs besuchen dürfen und welche Kriterien für welchen Kurs erfüllt sein müssen. Zudem sollten alle Schwimmlehrer eine umfassende Ausbildung im Schwimmsport haben.» Von der Gemeinde, ihren Schwimmlehrerinnen und -lehrern sowie dem Hallenbadteam sei sie in all ihren Bemühungen stets unterstützt worden. «So ein Team kann man sich wirklich wünschen.»

Jede Woche unterrichten sie und ihr siebenköpfiges Team mehr als 250 Kinder. «Insgesamt habe ich weit über 1000 Kindern im Limmattal das Schwimmen beigebracht», sagt Hintermeister. Sie begleitete viele Familien und Kinder während Jahren bei der Schwimmausbildung, angefangen von der Wassergewöhnung für Einjährige bis zu den Grundbasis-Kenntnissen verschiedener Schwimmtechniken im Alter von etwa acht Jahren. «Es ist schön mitzuerleben, wie die Kinder das Wasser kennen lernen, Freude daran bekommen und immer besser werden», sagt Hintermeister.

In Alltagskleidung oft unerkannt

Lustig sei, wenn ihr manchmal Kinder im Dorf über den Weg laufen und sie kritisch mustern würden. «Sie kennen mich von irgendwoher, können mich aber nicht einordnen, weil ich in Alltagskleidung und nicht im Badeanzug unterwegs bin», sagt Hintermeister und lacht.

Selbst zum Schwimmsport kam sie als Zehnjährige. «Mein damaliger Lehrer war Präsident eines Schwimmklubs und machte mich mit dem Synchronschwimmen vertraut», erzählt Hintermeister. Neun Jahre lang betrieb sie den Sport, ehe sie auch noch mit dem Tauchen begann und eine Ausbildung zur Tauchlehrerin machte. Zwischenzeitlich führte sie in Geroldswil die Tauch- und Schwimmschule Miaru. Als die Nachfrage nach Schwimmkursen immer mehr zunahm, habe sie die Tauchschule ihrem Instruktoren-Team überlassen und sich auf die Schwimmschule Limmattal konzentriert. Heute existiert das Geschäft als Tauchshop in Zürich immer noch.

Sie sei froh, dass sich ihre Schwimmschule grosser Beliebtheit erfreue. «Es ist wichtig, dass Eltern ihre Kinder in die Schwimmschule schicken, denn es kann vorkommen, dass Kinder in der Schweiz in ihrer obligatorischen Schulzeit nie in den Schwimmunterricht gehen. Etwa, wenn die Gemeinde über kein eigenes Hallenbad verfügt oder die Lehrer keine entsprechend Ausbildung haben oder selbst nicht gerne schwimmen.» Genau deswegen brauche es Schwimmschulen. Vor allem Kinder aus nicht schwimmaffinen Familien würden profitieren.

Sie ist auch die Initiantin des Limmattaler Fischs

Hintermeister ist auch die Initiantin des Schwimmwettkampfs Limmattaler Fisch, der dieses Jahr zum zehnten Mal stattfand. «Ich wollte allen Kindern im Aargauer und Zürcher Limmattal die Möglichkeit geben, sich miteinander zu messen, auch wenn sie nicht Mitglied in einem Schwimmklub sind», sagt Hintermeister. Dem Hallenbad ganz den Rücken kehren wird sie aber nicht. Die 59-Jährige wird in einem kleinen Pensum weiterhin unterrichten, Schwimmkurse geben und Kinder in die Welt des Synchronschwimmens einführen. «Ich stehe meinen Nachfolgerinnen gerne zur Verfügung und springe bei Engpässen und für Stellvertretungen ein», sagt Hintermeister. Ganz loslassen könne sie eben doch noch nicht. «Dafür liebe ich die Kinder und das Wasser zu sehr.»

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Autor

Sibylle Egloff

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