Interview
Die reformierte Kirche Birmensdorf-Aesch sucht eine neue Pfarrperson: «In unserer Kirche muss man nicht mit Popkonzerten kommen»

In der Kirchgemeinde Birmensdorf-Aesch ist eine Pfarrstelle vakant. Im Interview erklärt Kirchenpflegepräsident ad interim Hans Holzer das komplizierte Pfarrwahlverfahren.

Lukas Elser
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Hans Holzer, Kirchenpflegepräsident ad interim der Reformierten Kirche Birmensdorf-Aesch.

Hans Holzer, Kirchenpflegepräsident ad interim der Reformierten Kirche Birmensdorf-Aesch.

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Wieso hat Pfarrer Marc Stillhard die Gemeinde verlassen?

Hans Holzer: Marc Stillhard war noch relativ jung und wollte eine neue Stelle. Nach elf Jahren war es wahrscheinlich Zeit für einen Wechsel – für ihn selbstverständlich, nicht etwa für uns.

Sind elf Jahre eine lange Zeit?

Für junge Pfarrpersonen ist sie genau richtig. Sie können sich in dieser Zeit nachhaltig in der Kirche einbringen.

Ein guter Seelsorger ist man erst, wenn man die Leute und ihre Sorgen richtig kennt. Müsste ein Pfarrer also nicht ein Leben lang in derselben Gemeinde arbeiten?

Natürlich sind Pfarrpersonen Vertrauenspersonen, aber auch an ihnen geht der Zeitgeist nicht spurlos vorbei. Es ist heute einfach nicht mehr so, dass man ein Leben lang beim selben Arbeitgeber bleibt. Die Nachfolgerin oder der Nachfolger von Marc Stillhard sollte aber auch nicht bereits nach drei Jahren wieder die Stelle wechseln. Ich möchte nicht schon wieder eine Pfarrwahl durchführen. Das ist nämlich ein aufwendiger Prozess. Man kann nicht einfach ein Stelleninserat schalten.

Wieso nicht?

Bei der Pfarrwahl handelt es sich um ein langes Prozedere. Zuerst gibt die Landeskirche der Kirchgemeinde den Auftrag, eine Pfarrwahlkommission zu bilden. Dazu muss man eine Kirchgemeindeversammlung einberufen. Denn die Kommission besteht nicht nur aus Kirchenpflegemitgliedern. Es müssen anlässlich einer Kirchgemeindeversammlung zusätzliche Personen aus der Gemeinde in die Kommission gewählt werden. Diese Kirchengemeindeversammlung findet am nächsten Mittwoch, 27. Oktober, um 19.30 Uhr in der reformierten Kirche Birmensdorf statt.

Und dann?

Ein Vertreter der Landeskirche erklärt der Kommission in der ersten Sitzung die Abläufe und Aufgaben zur Auswahl einer neuen Pfarrperson. Anschliessend definiert die Kommission ein Stellenprofil und dann wird eine entsprechende Stellenausschreibung publiziert. Darin steht zum Beispiel, in welchem Schwerpunktbereich die Pfarrperson arbeiten soll. In Birmensdorf wird es die Jugendarbeit sein. Und im Folgenden treffen hoffentlich die Bewerbungsschreiben bei uns ein.

Zur Person

Hans Holzer, Kirchenpflegepräsident ad interim
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Hans Holzer, Kirchenpflegepräsident ad interim

Hans Holzer steht der Kirchgemeinde Birmensdorf-Aesch vor. Er befindet sich aktuell in der 4. Amtsperiode als Kirchenpfleger und ihm untersteht das Ressort Finanzen. Anfang Dezember 2019 trat die gewählte Präsidentin der Kirchenpflege während der laufenden Amtsperiode zurück. Seither führt Holzer das Präsidium der Kirchenpflege ad interim.

Ab diesem Zeitpunkt geht es also weiter wie bei einer herkömmlichen Stellenbewerbung?

Nein. Hat sich die Pfarrwahlkommission auf eine Pfarrperson geeinigt, wird diese Person an einer Kirchgemeindeversammlung vorgestellt. Diese beschliesst danach eine Wahlempfehlung zur Urnenwahl.

Sie haben vorher gesagt: «Hoffentlich treffen genügend Bewerbungsschreiben ein.» Könnte es sein, dass sich gar niemand meldet?

Das denke ich nicht. Es gibt genügend Pfarrpersonen.

Die Suche ist aber schwieriger also auf dem gewöhnlichen Arbeitsmarkt.

Überlegt. Es handelt sich beim Pfarrberuf schon nicht um einen herkömmlichen Bürojob, ohne diese Arbeit abwerten zu wollen, sondern um etwas sehr Spezielles. Eine Pfarrperson muss in ihrer Ausrichtung und Gesinnung zur Kirchgemeinde passen.

Das heisst?

In unserer eher konservativen Gemeinde kommen zu starke Veränderungen und Modernisierung nicht so gut an. Zum Beispiel muss man hier als Pfarrperson nicht mit Popkonzerten im Gottesdienst kommen. Das würde die Leute verstören.

Hat der Schwund bei den Mitgliederzahlen die Bewerbersuche schwieriger gemacht?

Ich denke schon. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen, dass Pfarrpersonen, abgesehen von der gemeindeeigenen Pfarrstelle, nicht von uns, sondern von der Landeskirche angestellt und durch sie entlöhnt werden. Nun ist es auch so, dass die Landeskirche die Stellenprozente ihrer Pfarrpersonen aufgrund der sinkenden Mitgliederzahlen gekürzt hat. Bei uns nehmen die von der Landeskirche zugesprochenen Stellenprozente aktuell nur noch 140 von ursprünglich 200 ein. Zusammen mit der gemeindeeigenen Pfarrstelle kommen wir so insgesamt auf 150 Stellenprozente.

Wie viele Prozente soll denn der neue Pfarrer arbeiten?

80 Prozent. Ich denke, das ist auch zeitgemäss. Viele Männer oder Frauen wollen heutzutage nicht mehr 100 Prozent arbeiten und sich um ihre Familie kümmern.

Wer ist jetzt Stellvertreter für Pfarrer Stillhard?

Angelika Steiner.

Steht sie auch zur Wahl?

Sie hat gegenüber der Kirchenpflege kommuniziert, dass die Stelle für sie nicht in Frage kommt. Mit über 60 möchte sie keine feste Anstellung mehr. Sie hat uns aber versprochen, dass sie noch so lange bei uns bleiben wird, bis der neue Pfarrer beginnt.

Wann fängt dieser denn an?

Das kann ich nicht sagen. Ich hoffe im Laufe des nächsten Jahres.

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