Birmensdorf

«Kirche muss sich anpassen»: Die Glocken läuten um sechs Uhr morgens nicht mehr

Nachbarn der Kirche können länger ausschlafen.

Nachbarn der Kirche können länger ausschlafen.

In Birmensdorf schränkte die reformierte Kirche das morgendliche Vorläuten der Kirchenglocken stark ein.

Seit einer Weile bleibt es in Birmensdorf um 6 Uhr morgens still: Die Glocken der reformierten Kirche läuten jeweils nicht mehr für fünf Minuten. Der Grund: Im April dieses Jahres wurde das Läuten bis auf weiteres eingestellt. «Das Läuten um 6 Uhr wird in absehbarer Zeit nicht mehr eingeführt», sagt Hans Holzer, Präsident ad interim der reformierten Kirchenpflege Birmensdorf-Aesch. «Wir erhielten immer wieder Anfragen aus der Bevölkerung mit dem Hinweis auf die geltende Ruhezeitverordnung», sagt er.

Die Anfragen zum Läuten um 6 Uhr seien über mehrere Jahre hinweg eingegangen und keine eigentlichen Lärmklagen gewesen. «Die Kirchenpflege hat sich Anfang dieses Jahres mit dem Thema auseinandergesetzt und die Läuteordnung angepasst», sagt Holzer. Die Pfarrschaft habe bestätigt, dass es aus religiöser Hinsicht keinen Grund für das morgendliche Läuten gebe. «Da es sich bei den nächtlichen Viertelstunden- und Stundenschlägen nicht um ein eigentliches Läuten handelt, werden diese beibehalten», sagt Holzer. Bisher habe diese niemand als störend gemeldet. «Allerdings gab es am Sonntag vor den Gottesdiensten jeweils zwei Vorläuten und ein Einläuten. Das erste Vorläuten um 8.15 Uhr haben wir ebenfalls gestrichen», erklärt Holzer.

Menschen, die um 8 Uhr arbeiten, würden gestört

Holzer habe schon von anderen Kirchgemeinden gehört, die das Läuten eingeschränkt oder die Schläge in der Nacht abgestellt haben. Das Problem des nächtlichen oder im Fall von Birmensdorf morgendlichen Kirchengeläuts ist ein bekanntes. So läuten zum Beispiel die Glocken der reformierten und katholischen Kirche in Schlieren schon seit einigen Jahren nachts nicht mehr.

«Wir sind übereingekommen, dass ein fünfminütiges Läuten um 6 Uhr morgens nicht mehr zeitgemäss ist und den Ruhevorschriften nicht entspricht», sagt Holzer. Heute gehen viele Leute erst nach 8 Uhr zur Arbeit, da könne es störend sein, schon um 6 Uhr durch die Kirchenglocken geweckt zu werden. «Wir müssen als Kirche mit Veränderungen in der Gesellschaft umgehen und uns anpassen können», sagt er. Ihm sei aber klar gewesen, dass die Streichung des Läutens nicht alle Birmensdorferinnen und Birmensdorfer schätzen würden. «Ich habe unterschiedliche Reaktionen gehört», sagt er. «Die einen finden es sehr schade, mit solchen Traditionen zu brechen, andere haben die neue Ruhe sehr begrüsst.»

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