Kloster Fahr
Die Schöpfung soll bewahrt werden – das Kloster Fahr eröffnet einen Garten zum Thema Klimawandel und Armut

Ab Samstag wird der neue «Laudato-si-Garten» im Kloster Fahr für die Öffentlichkeit frei zugänglich. Er greift die päpstliche Botschaft zum Schutz der Erde und der Ärmsten auf.

Hans-Caspar Kellenberger
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Am Freitag wird der «Laudato-si-Garten» im kleinen Rahmen eröffnet. Diesen haben die Benediktinerinnen, zusammen mit Freiwilligen vom Verein Pro Kloster Fahr, hergerichtet (Themenbild, 16. Juli 2018).

Am Freitag wird der «Laudato-si-Garten» im kleinen Rahmen eröffnet. Diesen haben die Benediktinerinnen, zusammen mit Freiwilligen vom Verein Pro Kloster Fahr, hergerichtet (Themenbild, 16. Juli 2018).

Sandra Ardizzone

«Laudato si', o mi' signore laudato si'.» Diese Zeilen klingen aus vielen Schulzimmern und Kirchen. Im Altitalienischen bedeuten sie «sei gelobt, mein Herr». Das Lied wurde ursprünglich vom heiligen Franziskus von Assisi gesungen. Der Heilige wollte daran erinnern, «dass unser gemeinsames Haus wie eine Schwester ist». Gemeint ist die Natur.

Nun greift das Kloster Fahr das Thema für sein neustes Projekt auf: Am Freitag, 21. Mai, wird der «Laudato-si-Garten» auf dem Klosterareal im kleinen Rahmen eröffnet. Wegen der Coronaschutzmassnahmen ist eine grössere Eröffnungsfeier nicht möglich. Im barocken Bauern- und Propsteigarten, gleich rechts neben dem Torbogen beim Eingang zum Klosterareal, soll der neue Garten seinen Platz haben. Ab Samstag ist er auch für die Öffentlichkeit frei zugänglich.

«Laudato-si-Gärten» sollen Menschen für die Schöpfung und den achtsamen Umgang mit ihr sensibilisieren.

«Zum einen geht es um die Erde selbst, die leidet. Zum anderen geht es darum, dass gerade die ärmsten Menschen dieser Welt vom Klimawandel am stärksten getroffen werden»,

sagt Priorin Irene Gassmann. «Der Garten soll die Menschen dafür sensibilisieren, die Schönheit der Schöpfung zu entdecken und zu bewahren.»

Priorin Irene Gassmann.

Priorin Irene Gassmann.

Severin Bigler

Der Garten soll ein Gleichgewicht aus Nutzpflanzen und Blumen bilden

Erstellt wird der Garten von den Benediktinerinnen und Freiwilligen des Vereins Pro Kloster Fahr. Er wird mit heimischen Blumen und mit Nutzpflanzen ausgestattet. So soll eine grosse Auswahl an Gemüse und verschiedenen Heilkräutern wachsen. Neben den Pflanzen befinden sich Tafeln im Garten, die die Besucherinnen und Besucher über die päpstliche Enzyklika «Laudato si'» informieren. Papst Franziskus veröffentlichte diese 2015.

In diesem Rundschreiben bringt er seine Sorge um die Erde angesichts von Klimaveränderung, Umweltverschmutzung und dem zunehmenden Verlust der Biodiversität zum Ausdruck. «Die Gewalt des von der Sünde verletzten menschlichen Herzens wird auch in den Krankheitssymptomen deutlich, die wir im Boden, im Wasser, in der Luft und in den Lebewesen bemerken», schreibt er etwa.

Papst Franziskus.

Papst Franziskus.

Stefan Kaiser

Die in der Enzyklika angeführten Zitate stehen im neuen klösterlichen Garten im Dialog mit Texten der 2011 verstorbenen Schriftstellerin und Nonne Silja Walter. Eine Ecke des Gartens bleibt derweil bewusst unbearbeitet. Dort soll die Natur selbst entscheiden, was spriessen soll.

Die Eröffnung des Gartens fällt mit mit der «Laudato si'-Woche» zusammen, die zwischen dem 16. und dem 25. Mai weltweit stattfindet. Sie wurde von der globalen Klimaschutzbewegung der Katholischen Kirche ins Leben gerufen.

«Die Botschaft der päpstlichen Enzyklika ist an alle Menschen auf der Erde gerichtet. Der Klimawandel betrifft uns alle gleich»,

sagt Priorin Irene.

Eine päpstliche Schrift, die historisch gewachsen ist

Bereits Papst Johannes XXIII. schrieb eine Enzyklika. Angesichts der weltweiten Umweltschäden wollte er einen Reformprozess in Gang setzen. Auch seine Nachfolger, Paul VI., Johannes Paul II. und Benedikt XVI., sprachen in ihrer jeweils eigenen Enzyklika die ökologische Problematik an. Zuletzt tat dies nun auch Papst Franziskus. Die Beiträge der Päpste greifen die Überlegung zahlreicher Wissenschafter, Philosophen, Theologen und sozialer Organisationen auf.

Mit den Gründungen der Grünen Parteien im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts und dem steigenden Bewusstsein der Menschen für den Klimawandel wurde auch «Laudato si'» in der breiten Bevölkerung bekannt. Heutzutage ist es eines der populärsten Kirchenlieder im deutschsprachigen Raum.

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