Bezirksgericht Dietikon
Kokain-Fall: Zwei Zürcher Anwälte kommen ohne Strafe davon

Das Bezirksgericht Dietikon hat zwei Zürcher Anwälte vom Vorwurf der Anstiftung zu versuchter Begünstigung respektive der versuchten Begünstigung freigesprochen. Eigentlich drohte ihnen eine bedingte Gefängnisstrafe.

Louis Probst
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Das Bezirksgericht Dietikon folgte vollumfänglich den Anträgen der Verteidiger.

Das Bezirksgericht Dietikon folgte vollumfänglich den Anträgen der Verteidiger.

zvg

«Man kann es drehen und wenden, wie man will – der Tatbestand ist nicht erfüllt», betonte Richterin Katja Schlegel bei der Begründung des Urteils gegen zwei Rechtsanwälte, die sich vor dem Bezirksgericht Dietikon verantworten mussten. Ihnen waren Anstiftung zu versuchter Begünstigung respektive versuchte Begünstigung im Rahmen von Strafuntersuchungen vorgeworfen worden.

Am Freitag sind beide freigesprochen worden. Die Verfahrenskosten gehen damit zu Lasten der Staatskasse, ebenso der Aufwand für die Verteidigung – insgesamt immerhin knappe 60'000 Franken. Die Staatsanwaltschaft hatte wegen versuchter Anstiftung zur Begünstigung eine bedingte Freiheitsstrafe von acht Monaten gefordert; für die versuchte Begünstigung hatte sie eine bedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je 200 Franken beantragt.

Die Anklage hatte geltend gemacht, dass der Beschuldigte, dem Anstiftung vorgeworfen wurde, als amtlicher Verteidiger einer Nebenfigur in einem grossen Kokain-Fall, über die amtliche Verteidigerin des aussagewilligen Kronzeugen diesen habe beeinflussen wollen.

Nachdem das nicht gefruchtet hätte, habe er einen Berufskollegen – den Mitangeklagten, dem versuchte Begünstigung vorgeworfen wurde – gebeten, unter falschen Angaben eine Besuchsbewilligung beim inhaftierten Kronzeugen zu erwirken, um diesen zu «bearbeiten». Der Besuch hatte allerdings ein abruptes Ende genommen, nachdem sich der Kronzeuge gegenüber dem Besucher recht abweisend gezeigt hatte.

Gericht folgt weitgehend der Verteidigung

Mit seinem Urteil folgte das Gericht vollumfänglich den Anträgen der Verteidiger. Es folgte auch weitgehend deren Argumentation. So sei das Gericht – nach langer Überlegung, so Richterin Schlegel – zum Schluss gelangt, dass es sich beim Auftrag des einen Beschuldigten an seinen Berufskollegen und Mitangeklagten um die Weiterleitung einer Mandatsanfrage gehandelt habe.

Dass nicht dokumentiert worden sei, von wem diese Anfrage gekommen war, sei nachvollziehbar. Auch möge das Verhalten des Beschuldigten gegenüber der amtlichen Verteidigerin des Kronzeugen «unfreundlich» gewesen sein. Weitere Schlüsse würden sich daraus aber nicht ableiten lassen.

Der Beschuldigte habe «nicht sorgfältig gearbeitet»

Die Begründung des Gesuchs für den Besuch beim Kronzeugen – bei der der andere Beschuldigte angegeben hatte, die Familie des Kronzeugen hätte ihn beauftragt, was gemäss Abklärungen nicht der Fall war – sei nach Ansicht des Gerichts «unpräzise» gewesen, erklärte die Richterin.

Schliesslich habe es der Kronzeuge selber für möglich gehalten, dass der Besuch im Auftrag der Familie erfolge. Der Beschuldigte müsse sich vorwerfen lassen, «nicht sorgfältig gearbeitet» zu haben. Zum Motiv für den Besuch beim Kronzeugen führte die Richterin aus, dass der Beschuldigte eine «reine Gefälligkeit für seinen Berufskollegen erbracht» hätte. «Dafür setzt man sein Anwaltspatent und seine berufliche Zukunft nicht aufs Spiel.»

Der Sachverhalt lässt sich nicht erstellen

Der Anklagesachverhalt lasse sich nicht erstellen, stellte die Richterin fest. Selbst wenn sich dieser Sachverhalt erstellen liesse, wäre eine versuchte Begünstigung nicht bewiesen. Denn eine solche hätte vom Kronzeugen selber ausgehen müssen. Zum Zeitpunkt des Besuches des Beschuldigten beim Kronzeugen hätten aber dessen Aussagen bereits vorgelegen. Auch für einen Schuldspruch wegen Anstiftung zu versuchter Begünstigung müsste eine Tathandlung vorliegen. Eine solche liege jedoch nicht vor.

Wie der Staatsanwalt nach der Verhandlung auf Anfrage erklärte, werde er sicher ein schriftliches Urteil verlangen. Obwohl das Urteil sehr sauber begründet worden sei, würden einige Punkte bestehen, denen er nicht folgen könne. Das Bezirksgericht Dietikon habe bei der Erläuterung des Urteils jedoch klargemacht, dass das Vorgehen der beiden An­wälte «suboptimal» gewesen sei.

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