Die Kanalisation in der Fahrweid ist nicht für Hochwasser gerüstet: Bei starkem Regen kann das Abwasser nicht abfliessen, sondern quillt in die Keller, die Strassen und Wege. Ein unhaltbarer Zustand. Darum planen die Gemeinden Geroldswil und Weiningen, die Kanalisation zu erneuern.

Bei der Planung und Umsetzung mit im Boot ist auch die Limeco, denn sie betreibt die Abwasserreinigungsanlage (ARA) in Dietikon, das Abwasserpumpwerk Länggenbach sowie den grossen Sammelkanal, in dem das Abwasser von der Fahrweid unter der Limmat hindurch in die ARA fliesst. Bisher war das Projekt gut unterwegs. Letztes Jahr nahm es alle politischen Hürden. Das Kontrollorgan der Limeco hat 4,7 Millionen Franken gesprochen, Gemeinderat und Volk von Geroldswil 2,08 Millionen Franken und Gemeinderat und Volk von Weiningen 4,42 Millionen Franken. Summa summarum fast 12 Millionen Franken, die gebührenfinanziert werden. An den beiden Volksabstimmungen im Herbst 2017 resultierten ein 83 respektive 84 Prozent Ja-Anteil.

Die Prognose lautete damals, dass die Bauarbeiten im Sommer 2018 beginnen. Das ist nun nicht der Fall. Grund sind die Kosten, wie Limeco-Geschäftsführer Patrik Feusi und die beiden Gemeindepräsidenten Michael Deplazes (Geroldswil) und Mario Okle (Weiningen, beide parteilos) erklären. Nachdem die Verantwortlichen im Rahmen der öffentlichen Auftragsvergabe verschiedenste Offerten erhalten hatten, zeigte sich, dass die Kosten in diesen Offerten wesentlich höher veranschlagt werden, als dies in der bisherigen Planung der Fall war.

Es braucht eine Zweitmeinung

Die genauen Gründe dafür sollen nun untersucht werden. «Wir machen jetzt einen Marschhalt und holen eine Zweitmeinung eines weiteren Ingenieurbüros ein. Dieses muss das Projekt und die Offerten genau analysieren», erklärt Okle. Bei dieser Analyse stehen drei Fragen im Fokus. Erstens muss geklärt werden, ob es bei den ausgeschriebenen Arbeiten aus derzeit noch unbekannten Gründen zu Mehrkosten gekommen ist. Zweitens wird untersucht, ob die Arbeiten anders ausgeschrieben wurden als ursprünglich geplant. Die dritte Frage ist zudem, ob zusätzliche, eigentlich nicht geplante Arbeiten ausgeschrieben wurden. «Sobald diese Analyse vorliegt, werden wir das weitere Vorgehen festlegen», hält Okle fest.

Klar ist, dass es sich um ein sehr komplexes Projekt handelt. Angefangen beim speziellen Gemeindegrenzenverlauf im gemeinsamen Quartier von Geroldswil und Weiningen. Während manche Abwasserleitungen nahe der Oberfläche liegen, verlaufen andere gegen sechs Meter im Untergrund. «Das ist sehr tief», sagt Okle. Ausserdem muss sichergestellt werden, dass das Abwasser auch während der Bauzeit nach Dietikon fliesst. Dafür müssen aufwendige provisorische Leitungen und Haltebecken installiert werden. Es könnte sein, dass sich die Mehrkosten hier verstecken. Möglich ist auch, dass die offerierenden Bauunternehmen eine Risikoprämie miteingerechnet haben, da das Projekt derart komplex ist. Zu guter Letzt muss jeweils auch die Durchfahrt für den Verkehr während der Bauzeit gewährleistet sein.

«Nachtragskredit wird nötig»

«Es wird Mehrkosten geben. Wie hoch diese sind, ist noch offen. Aber ein Nachtragskredit wird sicher nötig», sagt Deplazes. Und er verspricht: «Wir werden alle Optimierungsmöglichkeiten prüfen, schliesslich geht es hier um Gebühren von unseren Einwohnerinnen und Einwohnern.» Okle ergänzt: «Wir wollen dafür sorgen, dass wir die zusätzlichen Kosten durch Projektänderungen möglichst reduzieren können.» Okle verweist zudem darauf, dass das Projekt mehrmals mit dem kantonalen Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) besprochen wurde.

Ein wichtiger Faktor ist auch der Umstand, dass sich die Verantwortlichen auf kein vergleichbares Projekt abstützen konnten – so komplex ist das Projekt in der Fahrweid. Diverse Arbeiten sollen zudem im je nach Baugrund herausfordernden Microtunneling-Verfahren durchgeführt werden – dafür müssen aber nicht alle Strassen aufgerissen werden. Okle sagt: «Die Komplexität beim Abwasserprojekt in der Fahrweid ist um ein Vielfaches höher als zum Beispiel bei der Dorfbachverlegung im Weininger Dorfkern.»

Wie geht es jetzt weiter? «Die ersten Vorarbeiten können unabhängig vom Projektstopp erledigt werden», sagt Deplazes. Und Okle ergänzt: «Man weiss noch nicht, ob es eine grosse Verzögerung gibt. Dies kommt auch auf die Untersuchung durch das externe Büro an.»