Dietikon

Lehrstellenbörse in Dietikon: Für Sekundarschüler ist sie in Coronazeiten besonders wichtig

Für Lehrbetriebe wie die EKZ Eltop eignet sich die Lehrstellenbörse, Jugendliche persönlich kennenzulernen.

Für Lehrbetriebe wie die EKZ Eltop eignet sich die Lehrstellenbörse, Jugendliche persönlich kennenzulernen.

Viele der zukünftigen Lehrlinge hatten im Schulhaus Luberzen in Dietikon die erste Möglichkeit seit dem Corona-­Lockdown, sich bei Lehrbetrieben vorstellen zu können.

«Bisher hatte ich nur Absagen erhalten. Oder mir wurde mitgeteilt, dass es momentan keine Schnupperlehre gibt», sagt Leandro Gonzalez. Der 14-Jährige Dietiker Sekundarschüler möchte Kaufmann werden. Dementsprechend war er glücklich, nun endlich zwei erste Gespräche gehabt zu haben.

Gestern Morgen fand in der Turnhalle des Schulhauses zum fünften Mal die Lehrstellenbörse statt. Alle Schüler der dritten Sekundarstufe hatten die Möglichkeit, rund 20 Lehrbetriebe kennen zu lernen und sich in einem viertelstündigen Vorstellungsgespräch gleich für eine Lehre zu bewerben. Einige konnten mit den Personalverantwortlichen der Betriebe gleich einen Termin für eine Schnupperlehre vereinbaren.

Schüler sind dieses Jahr nervöser

Andrea Kengelbacher, Schulleiterin und Initiantin der Lehrstellenbörse, ist sich der problematischen Situation ihrer Schüler bewusst: «Sie hängen momentan total in einem luftleeren Raum. Die Nervosität unter ihnen ist dieses Jahr viel grösser.» Da seit dem Lockdown weniger Prüfungen stattfanden als gewohnt, seien die für den Bewerbungsprozess relevanten Schulzeugnisse kaum aussagekräftig. Dieses schulische Defizit sollten die Schüler zwar aufholen können, ist Kengelbacher optimistisch. Aber: «Der Verlust der Berufswahl und der Erfahrung des Bewerbungsprozesses kann man nicht so schnell kompensieren.» Der Weg zurück zur Normalität werde noch eine Weile dauern, glaubt sie. «Momentan haben viele Firmen einen Einstellungsstopp, es gibt weniger oder gar keine Schnupperlehren.» So hätten gewisse Betriebe aufgrund interner Weisungen auch ihre Teilnahme an der Lehrstellenbörse abgesagt.

Wie schwer ist die Suche nach einer Lehre während Corona?

Nichtsdestotrotz mangelte es gestern in Dietikon nicht an Lehrstellenangeboten: Vor allem lokale Klein- und Mittelunternehmen boten unterschiedliche Stellen an, viele von ihnen sind seit Beginn jedes Jahr an der Börse präsent. Sie lade bewusst Betriebe aus der Region ein, um diese den Schülern schmackhaft zu machen, sagt Kengelbacher. «Sie orientieren sich sehr an der Stadt Zürich. Diese ist halt cool, die grossen Unternehmen sind alle dort. Lokale Betriebe kennen sie oft gar nicht.» Ein Stück weit spiele da auch der Gruppendruck unter den Jungen, in Zürich zu arbeiten, eine Rolle, meint sie.

Druck, eine Lehrstelle zu finden, spüren die Jugendlichen auch vonseiten ihrer Eltern und Lehrpersonen. Die Lehrstellenbörse komme ihnen da entgegen, sagt Kengelbacher: «Bei normalen Bewerbungen werden vor allem Schulzeugnisse und Lebensläufe angeschaut. Hier aber können die Schüler auch durch das persönliche Auftreten und den Charakter überzeugen.» Vor allem für Jugendliche mit schulischen Defiziten sei dies ein klarer Vorteil. Die Lehrbetriebe würden dies schätzen, so Kengelbacher: «Sie lernen einen jungen Menschen direkt und unvoreingenommen kennen.» Trotz Corona-Absagen habe sie darum gleich viele Firmen für den Anlas gewinnen können wie letztes Jahr.

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